Bad Hersfelder Festspiele

Dieter Laser: Für jede Rolle hat ein Konzept

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Bis an die Grenzen: Dieter Laser spielt bei den Bad Hersfelder Festspielen in „Der Prozess“ den Advokaten Huld.

Der Schauspieler Dieter Laser kommt zu den Bad Hersfelder Festspielen. Er spielt den Advokaten Huld in Kafkas "Prozess".

Beim Betreten des Café Einstein in Berlin entscheidet sich Dieter Laser für einen freistehenden Tisch in der Mitte des Raumes. Eine kluge Wahl, denn wie von ihm angekündigt, gestikuliert der Schauspieler während des Gesprächs immer wieder ausladend und steht zwischendurch auch mal auf, um Gesagtes zu verdeutlichen.

Quicklebendig und vor Energie strotzend wirkt Laser in diesen Momenten und ist deshalb so gar nicht in Einklang zu bringen mit der Rolle des bettlägerigen Advokaten Huld, den er bei den Bad Hersfelder Festspielen in Joern Hinkels Inszenierung von Kafkas „Der Prozess“ spielen wird.

Mitbestimmung verinnerlicht

Der vermeintliche Widerspruch dient Dieter Laser als Steilvorlage, um seine Herangehensweise an jede neue Aufgabe zu verdeutlichen. Egal, welche Rolle er spielen soll, er entwirft ein Konzept. Dazu muss man wissen, dass Laser diese Art von Mitbestimmung aus seiner Zeit als Begründer und Direktoriumsmitglied der Berliner Schaubühne verinnerlicht hat.

Deshalb freut es ihn, dass er bei seinen bisherigen Gesprächen mit „Prozess“-Regisseur Joern Hinkel auf ein „adäqates Gegenüber“ gestoßen ist. Hinkel, den er aus mehreren Spielzeiten bei den Nibelungen-Festspielen in Worms kennt, wird von Laser in den höchsten Tönen gelobt: „Er kann Schauspieler unheimlich gut behandeln. Aus Liebe, nicht aus Schwäche oder Unsicherheit“.

Er will den Leuten etwas schenken

All das kommt Lasers Anspruch an sich selbst und seine Arbeit entgegen. Er möchte das Publikum unterhalten, „den Leuten etwas schenken, möglichst mit Substanz“. Die von Joern Hinkel geschriebene Bühnenfassung des Kafka-Romans scheint ihm dafür beste Voraussetzungen zu bieten, obwohl die Vorlage schwer umzusetzen sei: „Der Originaltext wurde nicht einfach überschrieben“, sagt er, „sondern wird werktreu in die Gegenwart hineinspielen“.

Laser, der stramm auf die 80 zugeht, hat trotz seines Alters nichts von seiner Neugier und seiner Bereitschaft, bis an die Grenzen zu gehen, verloren („Was wir nicht können – ab diesem Punkt wird es interessant“). Bekannt geworden ist er nach den Theateranfängen bei Gustav Gründgens und Peter Stein durch TV- und Filmrollen, in denen er den Typus des skrupellos-intelligenten Gewalttäters verkörperte. Es schlossen sich zahllose Engagements vor der Kamera an, die ihn jedoch trotz aller Erfolge auch erkennen ließen, dass „der größte Feind des Schauspielers der Schneidetisch“ ist – zumindest beim Film, wenn ganze Szenen oder Einstellungen der Schere zum Opfer fallen. Auf der Theaterbühne bleibt er im gesteckten Rahmen Herr seiner Arbeit und hofft, dass am Ende etwas herauskommt, „was geil ist – im Sinne von was wert“.

Bad Hersfeld ist ein sehr respektabler, theatergeschichtlich wichtiger Ort

Bad Hersfeld und die Festspiele kennt Dieter Laser bislang nur vom Hörensagen. „Ein sehr respektabler, theatergeschichtlich wichtiger Ort“, weiß er, doch die Stadt und die Stiftsruine muss er erst noch kennenlernen.

Ab Probenbeginn hat er dazu reichlich Gelegenheit, denn er hat seine Wohnung mitten in der Stadt bis August „durchgemietet“. Nur wenn er mal drei Tage hintereinander frei haben sollte, will Dieter Laser zwischendurch nach Hause nach Berlin fahren.

VON KARL SCHÖNHOLTZ

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