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Festspiele: Cathrine Dumont und Robert Nickisch spielen die Hauptrollen in Notre Dame

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Ein tragisches Traumpaar: Cathrine Sophie Dumont und Robert Nickisch spielen Esmeralda und Quasimodo bei den Bad Hersfelder Festspielen.
Ein tragisches Traumpaar: Cathrine Sophie Dumont und Robert Nickisch spielen Esmeralda und Quasimodo bei den Bad Hersfelder Festspielen. © Steffen Sennewald

Cathrine Sophie Dumont und Robert Nickisch spielen bei den Bad Hersfelder Festspielen die schöne Esmeralda und den berühmten Glöckner von „Notre Dame“.

Bad Hersfeld – Vertraut wie gute, alte Freunde toben Cathrine Dumont und Robert Nickisch über die Wiese vor der Stiftsruine und posieren für den Fotografen. Dabei kennen sich die beiden jungen Schauspieler erst seit wenigen Tagen. Doch die Nähe ist wichtig: Bei den Bad Hersfelder Festspielen spielen sie in „Notre Dame“ eines der tragischsten Liebespaare der Weltliteratur – die schöne Zigeunerin Esmeralda und Quasimodo, den buckligen Glöckner von Notre Dame – getrennt durch Vorurteile und Fanatismus und erst im grausamen Tode vereint.

Die zierliche, 32-jährige Cathrine Sophie Dumont ist Halbfranzösin und wurde in Saarbrücken geboren. Im Jugendclub des Saarländischen Staatstheaters sammelte sie erste Bühnenerfahrung, bevor sie Schauspiel in Wien und Zürich studierte und seither an vielen Theatern, aber auch in Film und Fernsehproduktionen spielte.

Der 39-jährige Robert Nickisch wuchs in Nordhausen im Südharz auf und strebte als Fußballspieler und Boxer eine Sportkarriere an, bevor er nach einem schweren Unfall den Leistungssport aufgeben musste. Durch den Kontakt zur Regisseurin Uta Plate kam er zur Schauspielerei und nach drei abgebrochenen Lehren als Maurer, Koch und Tischler an die Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin. Seither steht er regelmäßig auf der Bühne und vor der Kamera.

Die Geschichte vom „Glöckner von Notre Dame“ haben beide zuerst als Disney-Zeichentrickfilm gesehen. Den Leinwand-Klassiker mit Gina Lollobrigida und Anthony Quinn haben beide erst viel später entdeckt. Vor den großen Schauspiel-Vorbildern ist ihnen aber nicht bang. Beide waren sofort begeistert von dem Rollenangebot aus Bad Hersfeld.

„Esmeralda ist eine Frau, die für ihre Ideale einsteht und sich wenig um das Gerede der anderen Leute schert“, sagt Cathrine Dumont über ihre Rolle. Sie gehe lieber in den Tod, anstatt sich mit dem Geistlichen Claude Frollo (gespielt von Richy Müller) einzulassen. Esmeralda sei nach heutigen Maßstäben eine durchaus emanzipierte Frau und sie verliebe sich in jemand, der nicht unbedingt die beste Partie ist. „Das ist mir selbst auch schon passiert“, erzählt Cathrine Dumont lachend.

Auch Robert Nickisch freut sich auf seine Rolle, obwohl der bucklige und taube Quasimodo nun nicht gerade der klassische Held ist. „Ich spiele meist Menschen vom Rande der Gesellschaft – Ausgestoßene, die sich in die Welt zurückkämpfen“, sagt Robert Nickisch. Ausschlaggebend für die Besetzung war sicher auch die stattliche Erscheinung des kräftigen Schauspielers, der sich selbst scherzhaft als „Bühnentier“ bezeichnet.

Er hat interessante Parallelen zwischen seiner früheren Leidenschaft für das Boxen und der Schauspielerei entdeckt. „Man arbeitet auch beim Boxen auf einer Bühne, der Trainer ist so was wie der Regisseur, und es kommt stark auf das Körpergefühl, die Reaktionsschnelligkeit und den Kontakt zum Gegenüber an“. Vielleicht bringt Robert Nickisch auch deshalb so viel Gefühl für anspruchsvolle Rolle wie die des Quasimodo mit, weil er sich selbst schon einmal ins Leben zurückkämpfen musste. „Ich war auf dem besten Weg Fußballprofi bei Wacker 90 Nordhausen in der Regionalliga zu werden, als ich nach einem Unfall plötzlich mit Schläuchen in den Beinen aufwachte“, erzählt er. Er war gezwungen, sich neu zu orientieren. „Aber was ich mache, das mache ich auch richtig.“

Geboxt hat Cathrine Dumont nicht. Dafür beherrscht sie „höfische Tänze“, die sie in der Schauspielschule erlernt hat. „Ich habe vor allem das Menuett geliebt, obwohl ich mich dabei oft vertanzt habe.“ Deshalb wollte sie immer die Königin sein, denn die gebe den Takt vor. Auch als Zigeunermädchen Esmeralda muss Cathrine Dumont tanzen, zudem noch singen und bringt dabei die Herzen von gleich vier Männern aus dem Takt. Als „sehr liebenswert und pur“ charakterisiert sie ihre Esmeralda.

Im Moment probt das Ensemble von früh bis spät. Viel Zeit, um Bad Hersfeld zu erkunden, blieb da noch nicht. Cathrine Dumont, die eigentlich in Berlin und Wien wohnt, lebt in einer kleinen Dachgeschosswohnung „mit nettem Familienanschluss“ und freut sich über die „gemütliche Stadt und die vielen freundlichen Menschen.“

Robert Nickisch, der Vater einer kleinen Tochter ist, mag die alten Fachwerkhäuser und die vielen Spielplätze, die er mit seiner Tochter erkunden will. Daheim in Schlieben, einem 2500 Einwohner Ort im südlichen Brandenburg, restauriert er gerade mit seiner Frau, der Fotografin Sophie Schwarz, einen alten Hof, um dort ein Kultur-Café zu eröffnen.

Doch im Moment konzentrieren sich beide voll auf ihre Rollen als Esmeralda und Quasimodo, denn es gilt noch viel zu Proben, bis die Glocken von „Notre Dame“ am Abend des 1. Juli in der Stiftsruine die neue Festspielsaison einläuten. (Kai A. Struthoff)

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