Alternativen in Planung

Der Karneval fällt aus: Großveranstaltungen im Kreis Hersfeld-Rotenburg abgesagt

Bützen und Beben beim Kathuser Karneval
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Ein Herz für den Karneval: So ging es beim Kathuser Karneval zu. Zum zweiten Mal hintereinander müssen die Großveranstaltungen nun ausfallen.

Der Karneval fällt auch in diesem Jahr in der Region weitgehend aus. Das hat eine Umfrage bei den Veranstaltern ergeben.

Hersfeld-Rotenburg - In einigen Vereinen hofft man derweil noch, zumindest ein kleines Alternativprogramm veranstalten zu können. Darüber werde aber kurzfristig entschieden, sagt zum Beispiel Martin Wagner aus Obersuhl.

Denn geprobt wird in den Karnevalshochburgen seit Monaten. „Das Programm stand, wir hätten loslegen können“, erklärt Thomas Schrader vom SV Kathus. Dort hat man sich schon im Dezember entschlossen, den Karneval abzusagen. „Bei den geltenden Personenzahlen und Abstandsregelungen wäre die Halle schon mit den Aktiven voll gewesen – ohne einen einzigen Gast“, sagt Schrader. In Kathus denkt man über einen Karnevalsumzug durchs Dorf nach oder ein Sommerfest, bei dem die Tanzgruppen dann im Freien auftreten können. Das werde aber kurzfristig entschieden.

Über ein Sommerfest mit närrischem Programm wird auch im benachbarten Sorga nachgedacht, teilt Vereinsvorsitzender Michael Diebel mit.

In allen Vereinen macht man sich Gedanken, wie die jungen Tänzerinnen und Tänzer sowie die anderen Aktiven belohnt und motiviert werden können, damit sie nicht nach zwei Jahren vergeblicher Mühen dem Karneval frustriert den Rücken kehren. In Hönebach und Niederaula hofft man, dass zumindest in kleinem Rahmen eine interne Veranstaltung möglich ist, um sich nicht aus den Augen zu verlieren und das Karnevalsgefühl lebendig zu erhalten, wie Niederaulas Sitzungspräsident Jörg Keileweit erklärt, und auch, um vor allem den Kindern und Jugendlichen eine Möglichkeit zu bieten, ihre mühsam einstudierten Tänze zu präsentieren, betonen Uwe Ziegenbein vom KCV Ronshausen und Alex Noll vom Tunnelhexenkarneval in Hönebach.

Alle Vereinsvertreter weisen auf die wichtige Funktion ihrer Arbeit für den dörflichen Zusammenhalt und vor allem für die Kinder hin, die so in Gemeinschaft sportlich aktiv sein könnten.

Karneval, Fastnacht, fünfte Jahreszeit

Als Karneval, Fastnacht oder fünfte Jahreszeit bezeichnet man die Bräuche, mit denen die Zeit vor der vierzigtägigen Fastenzeit ausgelassen gefeiert wird. Die Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch und dient der Vorbereitung auf das Osterfest. Zur Tradition gehören Umzüge, Musik, Tanzveranstaltungen und Karnevalssitzungen, bei denen Tanzgruppen, Büttenredner und Komödianten auftreten. Auch Verkleidungen sind ein wesentlicher Aspekt des Karnevals.

Fünfte Jahreszeit nun schon zum zweiten Mal abgesagt

Die Chancen standen gut für das närrische Volk. Veranstaltungen und Feiern waren trotz Corona wieder möglich, also wurde in den meisten Karnevalshochburgen in der Region eifrig geprobt für die närrischen Tage. Doch dann kamen die vierte Welle und Omikron und den Veranstaltern wurde sehr schnell klar, dass auch in diesem Jahr der Karneval abgesagt werden muss.

In Kerspenhausen, wo der Karneval von der Vereinsgemeinschaft organisiert wird, hatte man allerdings schon im Vorfeld entschieden, dass unter den gegebenen Umständen nicht wie gewohnt gefeiert werden könnte und gar nicht erst mit den Vorbereitungen begonnen, berichtet Jörg Keileweit, Sitzungspräsident in Niederaula, der auch bei den befreundeten Karnevalisten in Niederjossa und Kerspenhausen nachgefragt hat.

Die Niederaulaer hatten sich bereits darauf verständigt, einen 2G-Karneval zu betreiben, doch nur unter der Bedingung, dass dann nicht auch noch Testnachweise erbracht werden müssen, erläutert Keileweit. Das hätte dem veranstaltenden MGV organisatorische Probleme bereitet. Es habe auch den Vorschlag gegeben, eine gemeinsame Veranstaltung von allen für die gesamte Gemeinde anzubieten. Auch das habe sich nun erledigt.

Möglicherweise wird es vereinsintern eine Art Helferfeier oder Aktivenfeier geben. „Denn nach so langer Zeit ohne eine Veranstaltung, da besteht die Gefahr, dass man sich aus den Augen verliert, dass auch einige möglicherweise die Motivation verlieren mitzuwirken. Und dem müssen wir vorbeugen“, betont Keileweit. Das sei aber von der Entwicklung in den kommenden Wochen abhängig.

So sieht es auch Martin Wagner in Obersuhl, wo erst in dieser Woche beschlossen wurde, die Saalveranstaltung abzusagen. „Wir werden uns für unsere Mitglieder noch was einfallen lassen“, verspricht Wagner und hofft, dass zumindest ein kleines Programm möglich sein wird, das den Gruppen ermöglicht, immerhin einmal aufzutreten. Mit der Absage habe man bewusst lange gewartet, zum einen, weil immer noch ein wenig Hoffnung dagewesen sei, zum anderen, weil die Gruppen möglichst lange die Chance zum gemeinsamen Training haben sollten. „Wir haben ein großes Bürgerhaus, da waren die Aktiven beim Training sicher“, sagt Wagner.

Neben den vereinsinternen Veranstaltungen sind auch kleinere Events für die Dorfgemeinschaft im Gespräch, die dann im Freien stattfinden sollen. Über Umzüge denkt man zum Beispiel in Neukirchen oder in Kathus nach. „Wir arbeiten gerade an einer Alternative, um in verschiedenen Orten der Gemeinde möglicherweise jeweils eine kurze coronakonforme Außenveranstaltung stattfinden zu lassen“, kündig der Neukirchener Präsident Dirk Henkel an. Das Karnevalsfeeling mit einem Umzug aufleben zu lassen ist laut Sitzungspräsident Thomas Schrader das Ziel der Kathuser Narren.

Eine Veranstaltung im Frühjahr oder Sommer soll es in Ronshausen geben. Damit soll die Gemeinschaft gestärkt und den Gardemädels und anderen Tanzgruppen die Chance gegeben werden, zu zeigen, was sie eingeübt haben.

Alex Noll aus Hönebach ist nur mäßig optimistisch, dass ein Karnevalsumzug mit anschließender Feier im Freien möglich ist. „Aber wir halten uns das offen und entscheiden kurzfristig“, sagt er. Schließlich sei der Karneval ja erst Ende Februar.

Mit großer Wahrscheinlichkeit abgesagt werden auch alle Veranstaltungen in der närrischen Hochburg Eiterfeld. Präsident Matthias Herber hielt sich aber erst einmal noch bedeckt. (Christine Zacharias)

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