Stalking

Stalker verfolgt Ex-Freundin über mehrere Wochen: „Der kriegt jetzt einen Brief, eine Rechnung und ...“

Statue der Justitia
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Statue der Justitia in Frankfurt am Main

Wegen Stalkings hätte sich am Dienstag (01.09.2020) ein 34 Jahre alter Hersfelder vor Gericht verantworten müssen. Weil er nicht erschien, trat jetzt ein Strafbefehl gegen ihn in Kraft.

Bad Hersfeld – Das, was am Dienstag (01.09.2020) im Prozess gegen einen Stalker herauskam, das hätte der Angeklagte auch schon im vergangenen Oktober so haben können.

Da sollte die Verhandlung gegen den heute 34 Jahre alten Hersfelder nämlich zum ersten Mal stattfinden, nachdem der Angeklagte Einspruch gegen einen von der Staatsanwaltschaft in Fulda erlassenen Strafbefehl eingelegt hatte. Doch Richter Elmar Schnelle und die übrigen Prozessbeteiligten warteten seinerzeit vergeblich auf den Hersfelder, der bei der Polizei sämtliche Vorwürfe bestritten hatte.

Angeklagt wurde er wegen des Verdachts der Nachstellung, auf Neudeutsch: Stalking. Nach dem Aus einer kurzfristigen Beziehung soll der Hersfelder im Herbst und Winter 2017/18 seine Ex über einen längeren Zeitraum und gegen ihren ausdrücklichen Willen aufgesucht, verfolgt, abgepasst und beharrlich angerufen haben – Letzteres zum Teil anonym.

Angeklagter soll Freundin körperlich misshandelt haben

Auch soll er ihr Mobiltelefon an sich genommen haben, um die ehemalige Freundin zu kontrollieren. Zu den insgesamt 36 Anklagepunkten gehört außerdem der Vorwurf der körperlichen Misshandlung.

Ein zweiter Gerichtstermin im März dieses Jahres wurde wegen des Corono-Lockdowns wieder abgesetzt, sodass der Fall diese Woche nun endlich geklärt werden sollte. Darauf hatte auch das Opfer der Nachstellungen gehofft, das sich von einer mündlichen Verhandlung einen Schlussstrich versprach.

Doch Richter Schnelle, Oberamtsanwältin Birgit Steinmüller und Verteidiger Conny Buchmann warteten ein weiteres Mal vergebens. Mutmaßlich hält sich der Hersfelder nämlich im Ausland auf.

Saftige Geldstrafe

Rechtlich war der Fall nun ganz einfach: Als der 34-Jährige auch nach viertelstündiger Kulanzzeit nicht auftauchte, wurde sein Einspruch gegen den Strafbefehl verworfen. Der war schon im Oktober saftig gewesen: 160 Tagessätze zu je 15 Euro ergeben eine Geldstrafe von 2400 Euro.

Ins Gewicht war dabei vor allem die Vielzahl der über längere Zeit verübten Taten gefallen. Vorbestraft war der Angeklagte nämlich bisher nicht.

Für die Ex-Freundin und die Anwälte war der Ausgang des Prozesses allerdings unbefriedigend: Der jungen Frau, die zweimal ins Gericht gekommen war, ohne aussagen zu dürfen, fehlte das Gehör für ihre Seite. Auch Anklage und Verteidigung hatten sich durch dicke Akten gekämpft, ohne nun zum Zuge zu kommen. Anwalt Buchmann leicht resigniert: „Der kriegt jetzt einen Brief, eine Rechnung und ein paar deutliche Worte.“ (Karl Schönholtz)

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