Journalist saß in der Türkei im Gefängnis

Deniz Yücel hält die Festrede bei den Bad Hersfelder Festspielen

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Kommt nach Bad Hersfeld: Der Journalist Deniz Yücel. 

Der deutsch-türkische Journalist, der über ein Jahr ohne Anklageschrift in der Türkei im Gefängnis saß, kommt am 5. Juli zur Premiere von "Der Prozess". 

Das teilt die Pressestelle der Bad Hersfelder Festspiele mit. Festspiel-Intendant Joern Hinkel, so heißt es in der Mitteilung, freue sich, dass Deniz Yücel (45) die Einladung angenommen hat, seine Neufassung und Inszenierung von Kafkas am Premieren-Freitag, 5. Juli, zu besuchen.

Deniz Yücel war von 2007 bis 2014 Redakteur der Tageszeitung taz und ist seit 2015 Türkei-Korrespondent der „Welt“. Der Journalist saß über ein Jahr ohne Anklageschrift in der Türkei im Gefängnis, davon lange Zeit in Einzelhaft. Der Vorwurf: Terrorpropaganda. Erst im Februar 2018 wurde Deniz Yücel entlassen. Für seinen "beharrlichen Kampf für das Recht auf freie Meinungsäußerung" hatten er und sein Unterstützerkreis #FreeDeniz im Februar 2019 einen Sonderpreis bei der Auszeichnung "Journalist des Jahres" in Berlin erhalten.

Dieses Bild nach Yücels Freilassung ging um die Welt

In Kafkas Prozess geht es um eine willkürliche Verhaftung und verlorene Rechtsstaatlichkeit

Intendant Joern Hinkel: „In Kafkas Prozess geht es um eine willkürliche Verhaftung in einem Land, in dem die Rechtsstaatlichkeit immer mehr verloren geht. Ich beobachte mit Sorge, was derzeit in der Welt passiert. Etwa, wie manche europäische Nachbarn Systeme jenseits der Rechtsstaatlichkeit installieren. Wie Lehrer, Journalisten und Politiker verschwinden oder mundtot gemacht werden – das passiert nicht nur in Schurkenstaaten, sondern in unserer Nachbarschaft." 

Auch in Deutschland wachse die Lust an der Denunziation. Menschen würden Dinge unterstellt, Mutmaßungen würden mit Tatsachen verwechselt, gleichzeitig veränderten sich die Medien in Zeiten des Internets, die Wahrheit gerate durch steigenden Kostendruck, Aktualität und Sensationshunger immer öfter in den Hintergrund. 

Freut sich auf Deniz Yücel: Joern Hinkel

Wie die Festspiele mitteilen, sei der Besuch des aus Flörsheim am Main (Main-Taunus-Kreis) stammenden Yücel durch Vermittlung von Michael Roth aus Bad Hersfeld, SPD-Bundestagsabgeordneter und Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, möglich geworden. Roth setze sich seit vielen Jahren "mit großem Engagement" für die Festspiele einsetze. 

Michael Roth: Yücels Schicksal hat mich als Europa-Staatsminister besonders bewegt

„Als ich mich vor einigen Monaten mit Intendant Joern Hinkel über Franz Kafkas "Der Prozess" austauschte, kam mir sehr schnell Deniz Yücel in den Sinn", wird Roth in der Mitteilung der Festspiele zitiert. Yücels Schicksal habe ihn in seiner Arbeit als Europa-Staatsminister besonders bewegt. "Und ich werde die Zeit, als wir uns im Auswärtigen Amt um seine Freilassung bemühten, niemals vergessen. Seitdem stehen wir im Kontakt. Die lange Haftzeit hat sicher Spuren hinterlassen, aber sie konnte ihn nicht brechen. Er war, ist und bleibt ein freier Geist und kritischer, unbequemer Journalist. Ich bewundere ihn sehr. Es ist großartig, dass Deniz Yücel und seine Frau Dilek nach Bad Hersfeld kommen werden“, so Roth.

Michael Roth

Mit der Premiere von "Der Prozess" in einer Fassung und Inszenierung des Intendanten und Regisseurs Joern Hinkel nach Franz Kafka beginnen die 69. Bad Hersfelder Festspiele am 5. Juli, die der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier bei dem Festakt in der Stiftruine eröffnen wird. Auf der Bühne stehen dann Ronny Miersch, Marianne Sägebrecht, Dieter Laser, Markus Majowski, Thomas Maximilian Held, Thorsten Nindel, Jürgen Hartmann, Corinna Pohlmann, Ingrid Steeger, Mathias Schlung, Maria Radomski, Günter Alt, Nicole Sydow und Lou Zöllkau. 

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