Ausschüsse geben keine Empfehlung ab

Hitzige Debatte um Kunstrasenplatz im Stadion an der Oberau in Bad Hersfeld

Verrammelt und verwildert: Das Stadion an der Oberau ist von Zäunen umgeben. Auch aus der Entfernung sieht man, wie sanierungsbedürftig der B-Platz ist. Im Hintergrund rechts das moderne neue Funktionsgebäude.
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Verrammelt und verwildert: Das Stadion an der Oberau ist von Zäunen umgeben. Auch aus der Entfernung sieht man, wie sanierungsbedürftig der B-Platz ist. Im Hintergrund rechts das moderne neue Funktionsgebäude.

Ohne Beschlussempfehlung endete die Sondersitzung zum Bad Hersfelder Kunstrasenplatz im Stadion an der Oberau nach einer hitzigen Diskussion.

Bad Hersfeld – Hitzig ging es zu in der kurzfristig angesetzten Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses und des Ausschusses für Sport und Soziales der Stadt Bad Hersfeld auf Bitten des Magistrats – und das lag nicht nur an den hochsommerlichen Temperaturen. So sauer waren die Stadtverordneten selten. Von einem „Offenbarungseid für den Magistrat“ (Karsten Vollmar, SPD), einem „Schildbürgerstreich“ (Andrea Zietz, Grüne) oder einer „absurden Debatte in der Öffentlichkeit“ (Bernd Böhle, FDP) war die Rede. Doch der Reihe nach.

Weil die Spielgemeinschaft Festspielstadt/SpVgg angekündigt hat, künftig freiwillig in der Fußball-Kreisliga B antreten zu wollen, wurde im Magistrat diskutiert, „ob der Kunstrasenplatz im Stadion an der Oberau noch notwendig ist“, erklärte Bürgermeister Thomas Fehling. Diese Zweifel hatte offenbar UBH-Fraktionschef Hans-Jürgen Schülbe mit einem Brief an Bürgermeister Fehling und den Magistrat geweckt. „Es gibt keinen Fußball mehr im Stadion Oberau. Was bedeutet, dass wir keinen dritten Kunstrasenplatz in Bad Hersfeld mehr benötigen“, lautet Schülbes Schlussfolgerung in dem Brief, der unserer Zeitung vorliegt. Diese Einschätzung traf im Ausschuss auf teils wütenden Widerspruch. Schülbe selbst schwieg in der Sitzung.

Zumindest im Magistrat sah man deshalb erneuten Beratungsbedarf. Man stecke in einer Zwickmühle und sei unter Zeitdruck, weil die eingeholten Angebote für den Bau des Kunstrasenplatzes am Montag ausliefen. Zudem handele es sich um ein Hessentagsprojekt, für das Fördergeld vom Land geflossen sei, „das dann verloren ist“, so Bürgermeister Thomas Fehling. Deshalb bitte der Magistrat um „ein Signal aus den Ausschüssen“.

Eben das erregte den Unmut der komplett angetretenen Ausschussmitglieder. „Man hätte sich auch anders rückversichern können“, schimpfte der sonst stets besonnene Bernd Böhle (FDP). Michael Barth von der FWG verwies auf die lange Vorgeschichte des Projekts. „So ein Platz ist Gold wert und kann von vielen Vereinen, Schulen und Institutionen genutzt werden“, sagte Barth. „Nur weil eine Mannschaft ausfällt, ist das doch kein Grund, hier ein Fass aufzumachen.“ Der FWG-Vorsitzende Jürgen Richter sprach von einer „Farce“. Noah Seitz (FWG), selbst Fußball-Schiedsrichter, bezweifelte indes die Notwendigkeit des Platzes und verwies auf zurückgehende Manschafts- und Spielerzahlen. Andrea Zietz (Grüne) betonte die Multifunktionalität von Platz und Stadion und sagte, wenn man jetzt den Bau stoppe, verliere man Fördergeld und habe obendrein nicht mal einen sanierten Rasenplatz. Andreas Rey (CDU) sagte, es mache wenig Sinn, Empfehlungen zu geben, wenn man die Konsequenzen, also die mögliche Rückzahlung von Fördergeld, nicht kenne. Tatsächlich scheint hier die sachliche Bewertung seitens des Ministeriums noch nicht ganz eindeutig zu sein.

Schnell wurde in der hitzigen Debatte klar, dass sich die grundsätzliche Haltung zum Kunstrasenplatz nicht geändert hat. Die SPD bleibt weiterhin bei ihrer ablehnenden Meinung, dass dieser weitere Kunstrasenplatz nicht gebraucht werde, so Karsten Vollmar, der aber den Unmut seiner Politiker-Kollegen über die aus ihrer Sicht unnötige Sitzung teilte. Er schlug vor, diese Verärgerung über das Agieren des Magistrats damit zum Ausdruck zu bringen, keine Empfehlung abzugeben. Dafür gab es ein einstimmiges Votum.

Hessen-Stadion punktet mit zentraler Lage: Anfragen aus ganz Deutschland

Gegen Ende der gemeinsamen Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses sowie des Ausschusses für Sport und Soziales der Stadt Bad Hersfeld zum Thema Kunstrasenplatz im Stadion an der Oberau meldete sich Michael Bein zu Wort.

Der 49-Jährige ist Vorstandsmitglied der SG Festspielstadt/SpVgg sowie des JFV Bad Hersfeld, für den er sich zuletzt als Trainer der D2-Junioren, in der auch sein Sohn Fabian (13) spielt, engagiert hat. „Ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Die Stadtverordnetenversammlung hat im Februar 2020 für den Bau des Kunstrasenplatzes gestimmt. Und jetzt rollen wir das Thema von hinten auf“, wunderte sich Bein.

Er könne nicht nachvollziehen, dass es nach dem freiwilligen Rückzug der SG Festspielstadt/SpVgg in die Fußball-Kreisliga B plötzlich vereinzelte Stimmen gäbe, die den Bau eines Kunstrasenplatzes für überflüssig hielten.

„Es geht doch nicht darum, dass die SG Festspielstadt ab der nächsten Saison nur noch eine Seniorenmannschaft im Spielbetrieb hat. Im Jugendförderverein spielen 170 Kinder und Jugendliche in elf Mannschaften. Sie könnten auf dem Kunstrasenplatz trainieren und spielen“, sagt Bein.

Viele Eltern seien mittlerweile genervt, dass sie ihren Nachwuchs seit dem Hessentag im Juni 2019 zu Training und Spielen nach Asbach chauffieren müssten.

Auch die JSG Solztal mit ihren 140 Nachwuchsfußballern hätte Interesse bekundet, einen möglichen neuen Kunstrasenplatz an der Oberau nutzen zu wollen. Denn in den Herbst- und Wintermonaten würde sich der Zustand der Sportplätze in Sorga und Kathus witterungsbedingt erfahrungsgemäß zunehmend verschlechtern. Ein Kunstrasenplatz sei demgegenüber in einer hohen Frequenz bespielbar und benötige zudem keine Präparierung, da die Spielfeldmarkierungen bereits bestünden.

Für Michael Bein gibt es aber noch viel wichtigere Argumente für den Bau eines Kunstrasenplatzes: „Ich habe zuletzt beispielsweise Anfragen aus Hoffenheim, Jena und Leipzig bezüglich Trainingslagern bekommen. Die zentrale Lage Bad Hersfelds und die unmittelbare Nähe unserer Sportanlage zur Jugendherberge hat großes Potenzial.“ (Kai A. Struthoff und Sascha Herrmann)

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