Coronavirus im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Stornierungen statt Buchungen: So leiden Caterer im Kreis unter der Corona-Krise

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Wilhelm und Alexandra Steinhauer bauen grade ihren Gasthof um, um attraktiver für Veranstaltungen zu werden. Geplant war, nach dem Umbau das 125-jährige Bestehen des Gasthofs zu feiern.

Corona-Krise - Keine Einnahmen, keine Buchungen, stattdessen Stornierungen: Auch in Hersfeld-Rotenburg haben damit derzeit Betriebe zu kämpfen, die Catering und Partyservice anbieten.

Hersfeld-Rotenburg - Konfirmationen, Hochzeiten, Familienfeiern, Vereinsfeste, Tagungen – alles abgesagt und eine Besserung ist noch nicht einmal mittelfristig in Sicht. „Wir haben null Einnahmen“, sagt zum Beispiel Wilhelm Steinhauer ausSchenklengsfeld. Langweilig wird ihm trotzdem nicht. Seit einiger Zeit wird bei Steinhauers umgebaut.

Die Gasträume, die für Feste und Veranstaltungen genutzt werden, werden gerade umgestaltet und modernisiert. Gefeiert werden sollte dann in den erneuerten Räumen das 125. Firmenjubiläum. Vor drei Wochen erst hat Wilhelm Steinhauer, der bisher keine Unterlagen über das Alter seines Gasthofes hatte, von der Heimatforscherin Liesel Honickel die Kopie einer Urkunde erhalten, aus der hervorgeht, dass am 18. April 1895, also vor 125 Jahren, die erste Schankerlaubnis für das Gasthaus Steinhauer an seinen Uropa erteilt wurde. Die Feier muss nun warten.

Zudem gebe es, so berichtet Steinhauer, im Moment unendlich viel zu regeln – zum einen, um den Betrieb wirtschaftlich über die Runden zu bringen, zum anderen, weil auch die schulpflichtigen Kinder und die betagten Eltern versorgt werden müssen. Und natürlich machen Wilhelm und Alexandra Steinhauer Pläne für die Zeit nach dem Abflauen der Corona-Pandemie. „Dann wollen wir wieder richtig loslegen“, sagt er.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Unerledigtes erledigen und neue Konzepte entwickeln

Das ist auch der Plan bei der Firma Bücking ausBad Hersfeld, berichtet Heike Bücking. Auch hier ist fast das komplette Geschäft zum Erliegen gekommen. Es gebe zwar wenige Leute, die kleinere Mengen für zuhause bestellten, „doch dafür machen wir keine Werbung“, sagt die Chefin.

Stattdessen werde die Zeit genutzt, um Dinge zu erledigen, die schon immer einmal erledigt werden sollten, und um neue Konzepte zu entwickeln. „Mein Mann baut gerade etwas, das wird hier im Kreis etwas ganz Neues sein“, kündigt die Chefin an, verrät aber noch keine Details. Auch sonst gebe es einige Projekte, die nun vorbereitet werden könnten.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: „Ich will nicht jammern“

„Auf gar keinen Fall möchte ich die Mitarbeiter gehen lassen“, sagt Antje Paetzel von den Küchenfeen inBad Hersfeld. Auch hier, wo sonst täglich für Kitas und Schulen gekocht wird, ist der Betrieb zurzeit völlig zum Erliegen gekommen. „Bei uns geht es immer mal auf und ab“, berichtet Paetzel.

Jede Erkältungs- und Grippewelle und natürlich die Ferien führten zu rückläufigen Zahlen. „Wir haben etwas Rücklagen und können eine gewisse Zeit überstehen“, sagt Paetzel. Derzeit würden Überstunden abgebaut, zudem habe sie Kurzarbeit angemeldet. „Wenn ich die schlimmen Zustände anderswo sehe, geht es uns gut. Ich will nicht jammern“, betont sie.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Kaufverhalten der Kunden verändert sich

Catering und Partyservice werden auch von Metzgereien angeboten. Auch ihnen ist dieser Geschäftszweig weggebrochen. Dafür werde das Angebot des warmen Mittagstischs noch besser angenommen als früher, berichtet Stefan Kanngießer von der Metzgerei gleichen Namens inRotenburg. Das Kaufverhalten der Kunden habe sich jedoch geändert, hat Kanngießer beobachtet.

„Nachmittags ist es ziemlich ruhig geworden. Die Leute erledigen vormittags ihre Einkäufe und bleiben dann daheim.“ Er denkt nun darüber nach, seine Öffnungszeiten anzupassen, will das aber in Absprache mit seinen Kollegen tun, damit auch nachmittags ein Metzger in Rotenburg offen hat. Zum Schutz seiner Mitarbeiter hat Kanngießer nun Glasscheiben auf der Theke angebracht.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: „Die Leute achten sehr aufeinander“

„Die Leute haben jetzt mehr Zeit zum Kochen, da wird auch mehr Fleisch eingekauft“, berichtet Sebastian Schäfer ausNiederaula. Auch bei Schäfers ist der Mittagstisch noch mehr gefragt als bisher, auch wenn viele Kunden bedauerten, nicht mehr vor Ort essen zu können. Auch etwas Positives hat Sebastian Schäfer festgestellt: „Die Leute achten sehr aufeinander. Die meisten sind freundlich, dankbar und rücksichtsvoll.“

Den ein oder anderen Ausreißer will er nicht überbewerten. Ansonsten ist Schäfer froh, einen relativ großen Laden zu haben, sodass Mitarbeiter und Kunden Abstand halten können. Einen Desinfektionsspender hat er ebenfalls im Laden aufgestellt.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Frische Ware von regionalen Fleischern

Das sagt Heinz Müller, Obermeister der Bäcker- und Fleischer-Innung Hersfeld-Rotenburg: „Arbeit für die Fleischer ist genug da. Die Leute haben sich alle mit haltbaren Sachen eingedeckt, doch das Geschäft läuft weiter gut. Da alle Restaurants geschlossen sind, muss sich die Bevölkerung selbst ernähren und da setzen viele auf frische Ware von den regionalen Fleischern. Die wird es auch weiterhin geben, denn auch die Schlachtung läuft wie gewohnt. Unsere Betriebe kennen die inzwischen erweiterten Hygienevorschriften und halten sich daran. Viele haben inzwischen einen Spuckschutz an der Theke aufgebaut und achten auf den Sicherheitsabstand.“

Von Christine Zacharias

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