Sorge wegen Corona in Italien

Rosetta Saad macht sich Sorgen um ihre italienische Heimat - Familie lebt in Sperrzone

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Ein Bild aus besseren Tagen: Rosetta Saad musste ihren Laden in Bad Hersfeld schließen. Doch das ist derzeit ihr geringstes Problem. Sie sorgt sich um Familie und Freunde in ihrer Heimat Italien.

Rosetta Saad aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg blickt voll Sorge auf ihr italienisches Heimatland. Ihre Familie lebt im Norden, wo das Coronavirus ganz besonders schlimm wütet.

Hersfeld-Rotenburg - Rosetta Saad hat zurzeit gleich doppelt Grund zur Sorge: Vor gut zwei Wochen musste die 59-Jährige wegen der Coronapandemie ihr Schuhgeschäft am Linggplatz in Bad Hersfeld auf unbestimmte Zeit schließen. Schon viel länger beobachtet sie außerdem die wegen des Coronavirus prekäre Lage in ihrem Heimatland Italien. Eine 84 Jahre alte Tante sei bereits verstorben, berichtet sie. „Sie war eine tolle Frau, sehr lebensfroh und noch sehr aktiv.“ Doch dann habe sie mit Fieber isoliert werden müssen.

Rosetta Saad kommt aus Modena im Norden Italiens, wo sie einst auch ihren Mann kennengelernt hat, mit dem sie dann vor über 30 Jahren nach Bad Hersfeld kam. Den Norden Italiens hat es mit vielen Corona-Infizierten und -Toten ganz besonders schlimm getroffen, Anfang März wurde die Region zur Sperrzone erklärt. Berichte und Bilder in den Medien zeichnen ein fast unwirklich scheinendes Bild.

Corona in Italien: „In geht man nur selten zum Arzt“

Viele Verwandte und Freunde Saads leben dort, einige in der Millionenstadt Mailand, der Metropole der Lombardei. „Das ist alles sehr, sehr traurig“, sagt die 59-Jährige. Sie vermutet, dass sich das Coronavirus schon Ende 2019 in Mailand ausgebreitet hat. Warum es ausgerechnet den Norden Italiens so schlimm getroffen habe, das weiß natürlich auch Saad nicht. Dort lebten viele Ältere und wegen der Industrie sei die Luft besonders schlecht.

Zudem sei das italienische Gesundheitssystem katastrophal und nicht vergleichbar mit dem deutschen, wo man viel mehr auf Prävention setze. „In Italien geht man nur selten zum Arzt und meist erst, wenn es schon zu spät ist.“ Auch anderes funktioniert ihrer Meinung nach in Deutschland besser, wie jetzt die Organisation staatlicher Hilfen in der Krise. An Italiens Regierung und den politischen Verhältnissen der vergangenen Jahre lässt sie kein gutes Haar, doch auch die EU sei nun gefragt.

„Wer mich kennt, weiß, wie schwierig diese außergewöhnliche Situation für mich ist“, schreibt Saad auch auf ihrer Internetseite. „Mein Heimatland durchlebt die größte Krise, die man sich gar nicht vorstellen kann und meine Wahlheimat Deutschland ist mit allen Mitteln dabei, eine Krise in diesem Ausmaß zu verhindern. Jeder Einzelne von uns ist jetzt gefragt.“

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Kein Onlineverkauf für gebürtige Italienerin

Auch sie verlässt ihr Zuhause derzeit fast nur zum Einkaufen am späten Abend und versucht, Kontakte wo möglich zu vermeiden und Abstand zu halten. Dabei sei es eben gerade der zwischenmenschliche Kontakt, der auch ihren Job ausmache. Auf Onlineverkauf mag sie deshalb nun nicht umstellen. Vor rund 30 Jahren hatte Saad mit dem Verkauf von italienischen Kinderschuhen begonnen, 2000 eröffnete sie den Laden am Linggplatz.

Wie es mit dem Geschäft weitergehen wird und wann sie ihre Familie in Italien wiedersehen wird, all das ist derzeit offen. Normalerweise sei sie zweimal im Jahr zu Besuch in Italien, jetzt halte sie den Kontakt unter anderem per Skype aufrecht. Auf das Geschäft sei sie nicht unbedingt angewiesen, da gehe es anderen Händlern sicher schlechter, betont sie. Nah gehe ihr das Ganze aber dennoch. Sie hofft, vielleicht Ende April wieder öffnen zu können, unter veränderten Bedingungen und mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen.

„Das Virus wird die Welt verändern, einige Länder mehr, andere weniger. Es erteilt uns Befehle“, sagt Saad. Trotzdem wolle sie optimistisch bleiben und auch das Positive sehen. So lerne man möglicherweise den Wert mancher Dinge wieder mehr zu schätzen.

Von Nadine Maaz

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