„Das ist Willkür“

Corona-Regeln: Bürgermeister verteidigt hartes Vorgehen gegen Wirt der Festspiel-Kantine

In den sozialen Medien ist am Wochenende eine heftige Diskussion um die Einhaltung der Corona-Regeln speziell in der Festspielkantine entbrannt.

Bad Hersfeld - Dabei wird auch scharfe Kritik an Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling geübt. Dieser hatte am vergangenen Donnerstag bei einem persönlichen Besuch in der Kantine veranlasst, dass die Stehtische auf der Wiese vor der Stiftsruine entfernt werden müssen, damit die Corona-Auflagen eingehalten werden. Der Betreiber der Kantine, der Gastronom Peter Heck, spricht deshalb von Willkür.

„Wir haben die Tische bewusst – wie in den Vorjahren – auf die Wiese gestellt, um den Betrieb zu entzerren“, sagt Heck. Er und sein Personal hätten auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln geachtet. Zudem hätte auch das Ordnungsamt das Sicherheitskonzept der Kantine überprüft und für in Ordnung befunden. „Natürlich gibt es immer mal Situationen, in denen es etwas Gedrängel gibt, aber wir können dann auch nur an die Vernunft der Gäste appellieren“, sagt Heck. Trotzdem sei immer genug Platz gewesen und auch seine Servicekräfte seien gut durchgekommen.

„Ich sehe das Vorgehen von Herrn Fehling als Willkür“, kritisiert Heck. Er hoffe aber, dass sich eine Einigung mit dem Land Hessen, dem die Stiftsruine und auch die Wiese davor gehört, über die Nutzung erzielen lässt. Die kaufmännische Geschäftsführerin der Festspiele, Andrea Jung, habe bereits entsprechende Gespräche geführt.

Bürgermeister Thomas Fehling verteidigt auf HZ-Anfrage sein hartes Durchgreifen. Trotz mehrfacher persönlicher Ansprachen durch die Behörden wegen offensichtlicher Corona-Verstöße sei bei der Festspiel-Kantine keine Besserung zu erkennen gewesen. „Seitens der Stadt besteht keine Bereitschaft, dem Gastwirt die Wiese unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, aber gleichzeitig die Verantwortung für die Einhaltung der Corona-Vorgaben zu übernehmen“, moniert Fehling. Am vergangenen Wochenende habe es bei Kontrollen aber keine Beanstandungen mehr gegeben.

Früher habe die Festspiel-Kantine der Bewirtung der Schauspieler gedient, somit zum Festspielbetrieb gehört und auch von der Nutzungsgenehmigung der Wiese profitiert, argumentiert Fehling. Dies sei nicht mehr der Fall, es handle sich um einen „privatwirtschaftlichen Gastronomiebetrieb“. Deshalb soll nun eine vertragliche Regelung gesucht werden. „Allerdings muss klar sein, dass dem Wirt die Wiese nicht mehr gratis zur Verfügung gestellt werden kann“, da auch andere Wirte für die Nutzung von städtischen Flächen zahlen müssen.

Auch den Vorwurf, die Stadt mache es den durch Corona-gebeutelten Wirten zusätzlich schwer, weist Fehling zurück. Magistrat und Stadtpolitik hätten vielmehr die Sondernutzungsgebühren für die Außengastronomie um 50 Prozent reduziert und seien wegen Corona auch bei der Flächenzuweisung deutlich großzügiger. Fehling bestätigt, dass es in diesem Jahr keine verlängerten Öffnungszeiten bis Mitternacht gab, weshalb die Polizei einige Lokale um 22 Uhr schließen ließ. Diese Regelungslücke soll nun per Verfügung geschlossen werden.

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