"Arbeit für mehr als eine Generation"

Corona und das Handwerk: Gute Lage im Baugewerbe, Vollbremsung für Kfz-Betriebe

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Corona zwingt Kfz-Betriebe zur Vollbremsung: Das berichtet Kreishandwerksmeister Marco Diegel, der selbst Kfz-Mechaniker ist. Unser Archivbild zeigt ihn bei einer Fehlerdiagnose an einem Auto.

Auch das heimische Handwerk kämpft mit der Corona-Krise. Die einzelnen Gewerke sind unterschiedlich stark betroffen, für die Kfz-Betriebe bedeutet die Pandemie eine Vollbremsung.

Das berichten der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hubert Lorenz und Kreishandwerksmeister Marco Diegel.

Während die Auftragslage in den Bau- und Ausbauhandwerken noch als gut zu bezeichnen sei, mussten die Kfz-Betriebe durch die Öffnungsbeschränkung im Verkauf ein „Vollbremsung“ im direkten Verkauf machen, sagt Marco Diegel. Der Kfz-Mechaniker betreibt selbst eine Autowerkstatt.

„Bei den Friseuren hatten wir bereits vor dem Öffnungsverbot dramatische Umsatzrückgänge zu verzeichnen“, sagt Lorenz. Alle Handwerksbetriebe seien zwar stets darauf bedacht, „eine solide Liquiditätsplanung“ zu machen. So könne auch eine kurze Flaute überstanden werden. 

Aber je länger die Corona-Beschränkungen anhalten, desto schwerer werde es. „Hier erwartet das Handwerk die zugesagte Unterstützung im vollen Umfang. Natürlich hoffen wir alle, dass sich die Infektionskurve zeitnah abflacht, um so wieder so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehren zu können“, sagt Lorenz. Wichtig sei jetzt, alles daran zu setzten, dass es zu keinem dauerhaften Wirtschafts-Crash kommt.

„Auf der anderen Seite sollte uns allen bewusst sein, dass die derzeit ausgelobten Mittel auch wieder ausgeglichen werden müssen“, warnt Lorenz. „Ich befürchte, das wird Arbeit für bestimmt mehr als eine Generation.“

Materialimporte wie Fliesen werden immer schwieriger

Immer schwieriger werde es für die heimischen Betriebe, genug Material zu bekommen, um weiter arbeiten zu können. So werden beispielsweise viele Fliesen aus Italien importiert. „Das stellt derzeit ein großes Problem dar. Oftmals bleibt nichts anderes übrig, als mit den Kunden auf verfügbare Alternativen zu wechseln. Dies bringt natürlich einen deutlich erhöhten Beratungsaufwand mit sich“, erklärt Lorenz.

Hubert Lorenz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

Hier dürfte es bei abnehmenden Lagervorräten im örtlichen Zwischenhandel zu weiteren Engpässen kommen. „Gut ist es, wenn man hier auf Alternativen aus dem Inland zurückgreifen kann.“ Kein flächendeckendes Problem erkennen die Vertreter des heimischen Handwerks wegen des Einreisestopps für ausländische Hilfskräfte, weil in der Region nur in Einzelfällen spezielle Facharbeiter aus dem Ausland eingesetzt würden.

„Unsere Betriebe machen eine hervorragende Arbeit. Dies ist bei den derzeitigen Rahmenbedingen kein einfaches Unterfangen“, stellen Hubert Lorenz und Marco Diegel fest. Gleichwohl spüren sie auch im Handwerk eine große Verunsicherung.

So registriere die Kreishandwerkerschaft in den vergangenen Wochen eine starke telefonische Kundenfrequenz. Ein häufiger Satz am Ende eines solchen Telefonates sei: „Klasse, dass es euch gibt“, berichtet Geschäftsführer Lorenz. „Das gibt uns Ansporn, unseren Betrieben in den unterschiedlichsten Problemlagen hilfreich zur Verfügung zu stehen.“

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