ZWISCHEN DEN ZEILEN

Corona, Hamstern, Hass und Sterne

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Bad Hersfeld - Auch wenn es bei uns im Kreis bislang gottlob noch keinen bestätigten Coronafall gibt, so hat das Virus uns längst erreicht.

Veranstaltungen wie die Libri-Grundsteinlegung, die Ausbildungsmesse oder der Sportehrentag wurden abgesagt. Eine vernünftige Vorsichtsmaßnahme! In Firmen werden Notfallpläne für eine mögliche Corona-Quarantäne vorbereitet, leere Regale zeugen von Hamsterkäufen, Restaurants und Lokale sind selbst am Wochenende leer, dafür sind die Arztpraxen übervoll und dort fehlen bereits Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel.

Auch wenn Ärzte darauf hinweisen, dass die Mortalitätsrate des Corona-Virus nicht viel höher ist als die der Grippe, so ist doch die Unsicherheit groß. Und das macht Angst. „Die Folgen der Angst können weit größer sein als die durch das Virus selbst“, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Bundestag gesagt. Damit hat er absolut recht. Die Spitze dieses Eisbergs ragt auch bei uns schon aus der rauen See.

Die Hamsterkäufe erinnern mich an meine Jugend in West-Berlin. Meine Mutter hatte nicht nur den 2. Weltkrieg, sondern auch die Blockade erlebt. Bei uns daheim im Keller lagerten deshalb stets Vorräte für mehrere Wochen, denn die Lage in der geteilten Stadt war immer kippelig. Damit hat man gelebt. So gab es eine eigene „Senatsreserve“ für Krisenfälle – unter anderem hochwertiges Rind- und Schweinefleisch in Büchsen, das in regelmäßigen Abständen zu günstigen Preisen verkauft wurde. Als Student habe ich mich davon quasi ernährt. Bis heute esse ich gern Büchsenfleisch und habe jetzt die Gelegenheit genutzt, einige Dosen zu bunkern. An einer vernünftigen Vorratshaltung ist ja auch nix verkehrt – ohne deshalb gleich in Virus-Panik zu verfallen. Unvernünftig indes ist es, dass inzwischen viele Medikamente in China und Indien produziert werden. Schon vor der Corona-Krise gab es Engpässe, die HZ hatte darüber berichtet. Vielleicht führt die Pandemie ja nun wenigstens dazu, dass an dieser lebenswichtigen Stelle endlich umgedacht wird.

Der Bundestag hat in dieser Woche über Rechtsterrorismus und Gewalt debattiert. Dabei ging es auch um die furchtbaren Morddrohungen gegen „unseren“ Staatsminister Michael Roth. Justizministerin Christine Lamprecht erinnert in diesem Zusammenhang an Zwischenrufe der AfD-Bundestagsfraktion, die Drohungen wie „wir werden dir die Wampe aufschneiden“ als „gerechten Zorn“ bezeichnet hatte. „Einfach nur widerlich“ nannte das die Ministerin – und das ist schon höflich ausgedrückt. Auch wenn vermutlich selbst AfD-Sympathisanten derartige Verbal-Entgleisungen ihrer politischen Vertreter kaum gutheißen werden, erwarte ich umso mehr eine klare Distanzierung von so menschenverachtenden Äußerungen – zum Beispiel auch von den AfD-Kreistagsabgeordneten.

Es gab auch erfreuliche Nachrichten in der vergangenen Woche: So konnte das Bad Hersfelder Restaurant „L’Étable“ seinen Michelin-Stern verteidigen. Glückwunsch! Kassel indes hat sein Sterne-Restaurant verloren. Kopf hoch, liebe Nachbarn im Norden. Kommt einfach nach Bad Hersfeld, wenn Ihr mal wieder gut essen wollt.

Außerdem wurde das Programm für das sympathische Hippie-Festival am Herzberg bekannt gegeben – unter anderem mit Helge Schneider und New Model Army.

Love and Peace, danach sehnen wir uns im Moment mehr denn je. Aber derzeit ist selbst Händeschütteln nicht ratsam. Bleiben Sie gesund!

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