Eröffnung kurz vor dem Lockdown

Corona-Krise: Elke Schilling muss ihr Geschäft in Bad Hersfeld schließen

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Niemand wollte ihr helfen: Elke Schilling muss nach drei Monaten ihren Laden „Art and Roses“ in Bad Hersfeld wieder schließen.

Sie wollte sich einen Traum erfüllen. Nun muss Elke Schilling ihr Geschäft in Bad Hersfeld wieder schließen. Eröffnet hatte sie kurz vor dem Corona-Lockdown.

Elke Schilling gibt auf. Dreieinhalb Monate nach der Eröffnung ihres Geschäfts „Art and Roses“ in der Johannesstraße in Bad Hersfeld muss sie Ende Juni wieder schließen und ihren Traum von einem Laden, der Floristik und Kunst miteinander verbindet, begraben.

Dabei hatte alles gut angefangen. In der Johannesstraße hatte Elke Schilling Räume gefunden, die ihren Vorstellungen genau entsprachen. Hier wollte sie nicht nur Blumen, Dekoartikel und Schmuck verkaufen, sondern auch Ausstellungsfläche für Künstler aus der Region schaffen, Lesungen oder kleine Konzerte veranstalten und kreative Kurse anbieten.

Doch dann kam Corona. Am 14. März hat Elke Schilling eröffnet, am 16. März begann der Lockdown. Die erste Ladung Blumen, die sie bestellt hatte, musste sie zu großen Teilen wegwerfen. Blumenläden durften zwar zwei Wochen später wieder öffnen, doch die Stadt blieb menschenleer.

Kaum jemand kam vorbei und entschied sich spontan für einen Kauf. Auch größere Aufträge für Hochzeiten und Feiern gab es nicht, weil coronabedingt alles abgesagt worden war. An Veranstaltungen und Kurse war wegen der Kontaktbeschränkungen ohnehin nicht zu denken.

Elke Schilling hoffte auf die vom Land Hessen versprochene Soforthilfe, um wenigstens die Miete zahlen zu können. Sechs Wochen dauerte es, bis ihr Antrag bearbeitet – und abgelehnt wurde. Soforthilfe gab es nur für Firmen, die schon vor dem 31. Dezember 2019 bestanden, keine Chance also für ein Start-Up, eine Neugründung, ohne Einnahmen und Steuerunterlagen. Gegen diesen Bescheid hat die Unternehmerin zwar Widerspruch eingelegt, gehört hat sie jedoch noch nichts.

Elke Schilling ist keine, die einfach so klein beigibt. Sie wandte sich an die Abgeordneten aus der Region, doch auch da kam nach freundlichen Worten nichts mehr. „Keiner will mir helfen“, stellt sie traurig fest.

Über Zeitungsartikel und sogar einen Beitrag im Fernsehen versuchte Schilling Öffentlichkeit zu schaffen und Mitstreiter zu finden. „Jetzt bin ich eine traurige Berühmtheit, gebracht hat es aber nichts“, sagt Schilling. Außer dass die Zahl derjenigen, die sie im Laden besuchten, sie bedauerten und ihr die Daumen drückten, größer wurde. „Wenn die alle etwas gekauft hätten, wäre ich aus dem Schneider“, stellt Schilling lakonisch fest.

Die ständigen Sorgen blieben nicht ohne Folgen. Gesundheitliche Probleme machten der 66-Jährigen das Leben zusätzlich schwer. Deshalb fasste sie den Entschluss, den Laden wieder zuzumachen, bevor sich weitere Schulden auftürmen, die sie von ihrer kleinen Rente abstottern muss. Mit dem eigenen Geschäft hat Elke Schilling sich nicht nur einen Traum erfüllt, sie wollte sich damit auch ein Zusatzeinkommen zur Rente schaffen.

Zwei Wochen hat sie nun Zeit, um Waren und Einrichtung zu verkaufen und den Laden leer zu räumen. Dann sucht sie einen neuen Job auf 450-Euro-Basis. „Büro kann ich auch“, sagt Elke Schilling. Auch im Verkauf hat sie schon gearbeitet.

Trotz allem ist Elke Schilling froh, dass sie wenigstens versucht hat, sich ihren Traum zu erfüllen. „Das hat wahnsinnig Spaß gemacht“, erklärt sie. Der Ausverkauf läuft ab sofort. (zac)

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