Ohne Thermometer geht nichts

700 Quadratmeter Plexiglas: So wird derzeit bei Amazon in Bad Hersfeld gearbeitet

Coronavirus, Amazon Bad Hersfeld, FRA 3 an der Amazonstraße, arbeiten mit Maske Mundschutz, Aleksandra Doneva im Packbereich
+
Arbeitet inzwischen mit Maske: Aleksandra Doneva im Packbereich des Amazon-Logistikzentrums FRA3 in Bad Hersfeld.

Ohne Maske und Temperaturcheck kommt wegen Corona derzeit niemand ins Amazon-Logistikzentrum FRA 3 in Bad Hersfeld.

Bad Hersfeld - In den Logistikzentren von Amazon herrschen nicht erst seit Bekanntwerden der ersten Corona-Fälle unter den Mitarbeitern umfangreiche Maßnahmen, um (weitere) Infektionen so gut wie eben möglich zu verhindern.

Etwa 20 Seiten umfasst der aktuelle Pandemieplan, der für beide Amazon-Standorte in Bad Hersfeld gilt. „Wir lernen jeden Tag dazu“, sagt Stephanie Schreiber, Leiterin des FRA 3 an der Amazonstraße. Vieles habe man relativ unkompliziert und schnell umsetzen können, wobei Anregungen und gute Ideen aus dem täglichen Betrieb ausdrücklich erwünscht sind. Auch der Betriebsrat ist laut Schreiber involviert.

So seien beispielsweise die vor kurzem installierten Trennwände aus Plexiglas auf allen Tischen in der Kantine zustande gekommen, und weil der normale Betrieb wegen Corona dort ruht, wurden zusätzliche Kühlschränke und Mikrowellen für die Selbstversorgung geordert. „Wir versuchen, in allen Bereichen kreativ zu sein“, sagt Pressesprecher Thorsten Schwindhammer.

Corona-Maßnahmen bei Amazon in Bad Hersfeld: „Stille Wörtchen“ kommt gut an

Einbahnstraßen wurden eingerichtet, es gibt zusätzliche Stationen für das Ein- und Ausstempeln und die sonst üblichen Ausgangskontrollen entfallen ebenso wie alle Teammeetings, um nur einige Corona-Maßnahmen zu nennen, mit denen unnötige Warteschlangen und Kontakte vermieden werden sollen.

Temperaturcheck im Eingangsbereich: Alle Maßnahmen, mit denen Amazon versucht, das Coronavirus einzudämmen, gelten natürlich auch für FRA 3-Standortleiterin Stephanie Schreiber (links). Die Temperatur überprüft Ewa Pierzchala aus einer Plexiglasbox heraus kontaktlos mit einem Infrarotthermometer. 

Die 2700 Mitarbeiter im Amazon-Logistikzentrum FRA 3 in Bad Hersfeld arbeiten von montags bis samstags auf 110.000 Quadratmetern in Früh-, Spät- und Nachtschichten, sodass sich zeitgleich „nur“ einige hundert Mitarbeiter im Gebäude befinden. Überall erinnern Schilder auf Deutsch und Englisch an den gebotenen Abstand von zwei Metern, sogar in den WCs gibt es Trennwände aus Plexiglas zwischen den Waschbecken und das wöchentlich wechselnde „stille Wörtchen“ informiert über die korrekte Benutzung der Mund-Nasen-Maske oder die nun tägliche Sprüh- und Wischdesinfektion. „Anfangs haben wir das selbst belächelt, aber das kommt gut an“, erklärt Personalleiter Marc Obermüller mit Blick auf die Toilettenaushänge.

Hohe Kosten für Amazon wegen Corona-Maßnahmen in Bad Hersfeld

Sowohl die Maskenausgabe als auch der Temperaturcheck vor Arbeitsbeginn funktionieren aus einer Art Plexiglasbox heraus. Übernommen werden diese Aufgaben laut Schreiber von Freiwilligen aus der üblichen Truppe. Wenn Ewa Pierzchala das Infrarotthermometer ansetzt, gibt es oft noch ein freundliches Wort dazu. Wird bei einem Mitarbeiter auch nach doppelter Prüfung noch erhöhte Temperatur festgestellt, wird dieser nach Hause geschickt – verbunden mit dem Hinweis, sich beim Hausarzt zu melden.

Etwa 4000 Masken werden pro Tag im FRA 3 ausgeteilt, eigene Mund-Nasen-Bedeckungen sind jedoch ebenfalls erlaubt. Knapp 700 Quadratmeter Plexiglas wurden allein dort wegen Corona bisher verbaut, was Kosten im „höheren fünfstelligen Bereich“ verursacht habe, so Thorsten Schwindhammer. Wie viel die Schutzmaßnahmen in Bad Hersfeld Amazon insgesamt kosten, lässt der Sprecher nicht durchblicken. Weltweit würden im ersten Halbjahr wohl mehr als 800 Millionen US-Dollar für Covid-19-Sicherheitsmaßnahmen ausgegeben.

Amazon-Mitarbeiter: Kita- und Schulschließungen während Corona-Krise belastend

Dass die Arbeit mit Maske nicht angenehm ist, weiß auch Standortleiterin Stephanie Schreiber, zumal im Wareneingang wie im -ausgang auch nach Wiedereröffnung des Einzelhandels weiterhin richtig viel zu tun sei. Doch der Schutz aller Beschäftigten gehe nun mal vor. Auch im FRA 1 am Eichhof in Bad Hersfeld, wo noch keine Corona-Infektionen bekannt wurden, arbeite man deshalb an der Maskenpflicht.

Ebenso belastend seien für viele Kollegen indes die Kita- und Schulschließungen gewesen, berichtet Schreiber, die selbst Kinder hat. Man habe deshalb versucht, auch solche Probleme möglichst unbürokratisch zu lösen, etwa durch den Tausch von Schichten. Um mit der Familie oder der Kinderbetreuung in Kontakt bleiben zu können, darf das private Mobiltelefon mit an den Arbeitsplatz genommen werden.

Ohne Frage sei das Coronavirus eine Herausforderung, betont Stephanie Schreiber, doch bei Amazon sei man Herausforderungen und Teamarbeit gewohnt. (nm)

Corona im Landkreis Hersfeld-Rotenburg: „Kein Amazon-Hotspot“

Über die Zahl der mit Corona infizierten Amazon-Mitarbeiter wird derzeit spekuliert. Amazon selbst gibt weiterhin keine konkreten Zahlen heraus. Laut Landkreis gibt es bestätigte Covid-19-Fälle „in geringer Anzahl“. Die zuletzt gemeldeten Neuinfektionen verteilten sich jedoch auf den gesamten Kreis, nur ein geringer Teil der Betroffenen arbeite bei Amazon. Es gebe derzeit keinen „Amazon-Hotspot“, so Kreis-Sprecher Pelle Faust.

Coronavirus: So wird bei Amazon in Bad Hersfeld gearbeitet

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare