1. Hersfelder Zeitung
  2. Bad Hersfeld

Bei ihr läuft alles zusammen: Christine Bossert organisiert die Bad Hersfelder Festspiele

Erstellt:

Von: Christine Zacharias

Kommentare

Das Bild zeigt die künstlerische Betriebsdirektorin der Bad Hersfelder Festspiele, Christine Bossert, im Porträt. Sie hat rötliche kurze Locken und trägt einen dunkelblauen Pullover.
Ist seit 2021 die künstlerische Betriebsdirektorin der Bad Hersfelder Festspiele: Christine Bossert. © Ingrid Theis

Das künstlerische Betriebsbüro ist die zentrale Schaltstelle eines Theaterbetriebs. Alle Fäden für die Bad Hersfelder Festspiele laufen bei Christine Bossert zusammen.

Bad Hersfeld – In Christine Bosserts Kopf sprudeln sie förmlich, die kreativen Ideen. Gleichzeitig liebt sie es, Abläufe zu planen, zu strukturieren und Dinge zu ordnen. Als künstlerische Betriebsdirektorin der Bad Hersfelder Festspiele, mit der Möglichkeit selbst zu inszenieren, hat sie jetzt eine „wundervolle Aufgabe“ gefunden.

Das künstlerische Betriebsbüro (KBB) ist die zentrale Schaltstelle eines Theaterbetriebs, erläutert Bossert. Hier laufen alle Fäden und alle Informationen aus der Intendanz, von den Künstlern, den Regisseuren, den technischen Mitarbeitern, den einzelnen Gewerken und vielen anderen Stellen zusammen. Hier wird disponiert – Menschen, Material, Räume, Termine –, die Verfügbarkeit von Rechten geklärt, hier werden die Probenpläne erstellt, die Verträge erarbeitet und Probleme gelöst.

In dieser Funktion ist Christine Bossert Einzelkämpferin und hat einen Ganzjahresjob, denn die Vorbereitung der nächsten Spielzeit beginnt bereits während der letzten. Und wenn die Festspiele dann laufen, ist sie praktisch rund um die Uhr erreichbar. Denn irgendein Problem taucht meistens auf, das gelöst werden muss – und zwar gleich, nicht erst in drei Tagen.

Genug zu tun, eigentlich, doch Christine Bossert will bei alledem nicht auf die kreative Arbeit verzichten. Deshalb wird sie – wie ihre Vorgängerin Bettina Wilts – auch selbst inszenieren. Sie hat sich für die bitterböse Komödie „Volpone“ von Ben Jonson entschieden, die im Eichhof gezeigt werden wird.

„Das ist zwar eine Mehrbelastung, aber es beflügelt einen auch“, sagt Christine Bossert. Sie ist überzeugt, dass die unterschiedlichen Tätigkeiten im Theater sich gegenseitig befruchten. Denn auch für eine Inszenierung ist es wichtig, genaue Pläne zu machen und die Arbeit zu strukturieren. Innerhalb dieses Rahmens darf es dann, so Bossert, „wild und kreativ“ zugehen. Die Erdung durch die gute Planung sei für alle Kreativen gut, „damit man sich nicht verliert“.

Damit Christine Bossert sich nicht in ihren vielfältigen Aufgaben verliert, braucht sie ein gutes Team um sich herum, damit sie Freiräume für die Regiearbeit schaffen kann.

„Volpone“ ist allerdings schon jetzt ein Teil von Christine Bosserts Leben. Immer wieder liest sie den Text und entdeckt Neues. Das Stück des Shakespeare-Zeitgenossen Ben Jonson spielt in Venedig. Es geht um Macht und Geld, um Gier und Täuschung und um die Entlarvung menschlicher Schwächen. Volpone, gekränkt durch Ausgrenzungen und Diskriminierungen, spielt den Todkranken, um mit Hilfe seines schlauen Dieners Mosca die gierigen Erbschleicher, die ihn umlauern, zu entlarven.

Das Stück, das Bossert in üppigen Kostümen auf die Bühne bringen will, sei wie gemacht für den Eichhof, ist sie überzeugt. Immer wieder geht sie dorthin, um die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Sie hofft, dass die Zuschauer ebenso viel Spaß haben wie sie an Hintersinn und Verführung, an Intrigen und Entlarvung.

Das Theater, so erzählt Christine Bossert, sei schon von Kindheit an ihr Traum gewesen. Beide Eltern waren Schauspieler und auch sie wollte spielen und tanzen. Nach dem Abitur studierte sie Schauspiel in München und arbeitete dann viele Jahre lang an verschiedenen Bühnen und für den Film und Fernsehen. Doch dann habe sie das Bedürfnis gehabt, nicht nur den Regieanweisungen anderer zu folgen, sondern selbst die Fäden in die Hand zu nehmen, sagt Bossert. Sie wollte Regie führen und erlernte das Regiehandwerk von der Pike auf als Regieassistentin bei der Oper.

Seitdem arbeitet sie als freie Regisseurin an zahlreichen Theatern in ganz Deutschland, schreibt eigene Stücke und hat das Theaterlabel „WIR. Jetzt!“ gegründet. Seit 2021 ist sie künstlerische Betriebsdirektorin der Bad Hersfelder Festspiele.  (Christine Zacharias)

Auch interessant

Kommentare