„Strafrecht ist mein Ding“

Christina Dern ist die neue Richterin am Amtsgericht Bad Hersfeld

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Im Strafrecht zuhause: Christina Dern, die neue Richterin am Amtsgericht Bad Hersfeld. Das komplette Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuzchen oben rechts klicken.

Christina Dern besetzt die durch den Ruhestand von Richter Dieter Leimbach frei gewordene Stelle am Amtsgericht Bad Hersfeld. Zur Juristerei kam sie auf einem Umweg.

Die Seite hat sie nicht gewechselt, als sie den Platz der Staatsanwältin mit dem der Richterin vertauschte. Aber als Christina Dern Anfang dieser Woche ihre neue Arbeitsstelle am Amtsgericht Bad Hersfeld angetreten hat, war das schon mit einem Wechsel der Perspektive verbunden.

„Man vergisst im deutschen Strafrecht oft, dass auch die Staatsanwaltschaft neutral sein soll, das ist hier anders als bei den Amerikanern“, erklärt sie. Doch in ihrer neuen Funktion zwischen Anklage und Verteidigung ist Dern zum einen mit der Entscheidungsgewalt betraut, genießt zum anderen aber auch die richterliche Unabhängigkeit. „Das ist eine tolle Sache“, findet sie.

Christina Dern, Jahrgang 1975, stammt aus Schlitz und ist in Lauterbach zur Schule gegangen. Zur Juristerei kam sie auf einem Umweg. Zunächst absolvierte sie in Mannheim ein duales Studium der Betriebswirtschaft und darf sich seit dem Abschluss 1999 Diplom-Betriebswirtin nennen. Sie arbeitete in einer Steuerberatung, entwickelte dort ein Faible für Rechtliches und studierte daraufhin in Düsseldorf noch Jura. Es folgten das Referendariat in Fulda und 2007 die Übernahme in den Staatsdienst.

Gut zehn Jahre war Dern anschließend Staatsanwältin mit Leib und Seele. „Strafsachen sind mein Ding“, bekennt sie lachend, „hier verbinden sich Spannung und Lebensnähe“. In Fulda war sie unter anderem zuständig für den Bereich der Betäubungsmittel, für Tötungsdelikte und Sexualstraftaten.

Von Mitte 2018 bis zum September 2019 war sie schon einmal Richterin in Alsfeld, kehrte dann aber zur Staatsanwaltschaft zurück. Die Aussicht, sich am Bad Hersfelder Amtsgericht wieder vermehrt dem Strafrecht widmen zu können, überzeugte sie jetzt von einem nochmaligen Ortswechsel. Dern wird hier auch das Erwachsenenschöffengericht übernehmen.

Kann sie sich vorstellen, eines Tages auf die andere Seite zu wechseln? „Als Verteidiger fehlt mir der Neutralitätsgedanke einer Richterin oder eines Richters. Dann bin ich dem Mandanten verpflichtet.“

Zwischen den Fronten will sie sich nun von der Frage leiten lassen, wie Rechtsfrieden geschaffen werden kann. Dass ihr das in Bad Hersfeld gelingt, davon ist sie überzeugt. Die gute Atmosphäre im Haus und in den meisten Verhandlungen waren mit ein Grund dafür, die durch den Ruhestand von Richter Dieter Leimbach frei gewordene Stelle zu besetzten. „Hier werden Konflikte nicht um des Konflikts willen ausgetragen“, weiß Dern aus vielen Prozessen, in denen sie die Staatsanwaltschaft vertreten hat.

Respekt vor der Verantwortung, die ihre neue Aufgabe mit sich bringt, hat sie dennoch: „Als Richterin muss man mehr Farbe bekennen.“ (ks)

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