Ausbildungsmesse

Buhlen um junge Fachkräfte

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Bebra – Die deutsche Wirtschaft hat ein Problem. Sie findet kaum Auszubildende. In jedem dritten Unternehmen bleiben Stellen unbesetzt.

Bei der Ausbildungsmesse in der Großsporthalle der Brüder-Grimm-Gesamtschule in Bebra buhlten am vergangenen Wochenende 50 Aussteller um die Gunst der Fachkräfte von morgen.

„Die Messe soll jungen Menschen helfen, über den Tellerrand hinaus zu schauen, sagte Ümit Tetik, Job- Coach der Beruflichen Schulen Bebra. Denn: „Das Wissen über die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten ist begrenzt.“ Und tatsächlich überraschte das Angebot der Messe den ein- oder anderen Schüler. So warb der Lebensmittelkonzern Edeka neben der Ausbildung zum Lebensmitteltechniker auch mit Lehrstellen als neuer Kfz- und Kälte-Mechatroniker. Und am Versuchstisch von Continental konnten die Auszubildenden von morgen den Beruf des Mechatronikers ausprobieren.

Die 13-jährige Mariella übte schon einmal den Umgang mit dem Lötkolben und bekam Unterstützung von der Auszubildenden Lisa Münster. Die 17-jährige Mechatronikerin hatte sich als Schülerin für ein Praktikum bei dem Reifenbauer entschieden und entdeckte den eher männerdominierten Beruf für sich. Heute ist sie im ersten Ausbildungsjahr und wirbt bereits die neue Generation der Mechatroniker an.

Auch bei dem Bergbauunternehmen K+S sind die weiblichen Auszubildenden noch in der Unterzahl, doch das Interesse wächst und das Unternehmen lockt mit schweren Geräten und moderner Technik. Durch eine 3D-Brille tauchten die Schülerinnen Naja und Mirra in die Welt unter Tage ein. Die Abbruchmaschinen beeindruckten, doch die Berufswünsche stehen dennoch fest, versicherten die beiden: Sie wollen Psychologie studieren und dann zur Bundeswehr, sagten die Zwölfjährigen.

Einen Grund für das mangelnde Interesse junger Menschen an einem Ausbildungsberuf ist laut Job-Coach Ümit Tetik das Klischeedenken der heutigen Gesellschaft. „Die Entscheidung, einen Ausbildungsberuf zu ergreifen, kommt bei Familie und Freundeskreis oft nicht gut an. Ein Hochschulabschluss wird höher angesehen“, sagte Tetik. Aus neun Jahren Berufserfahrung wisse er, dass die Ablehnung einer Ausbildung oft mit den Gehaltswünschen vieler Berufseinsteiger zusammenhängt. Die meisten Schulabgänger hätten „wahnwitzige“ Entlohungsvorstellungen. Manche schämten sich regelrecht, im Freundes- oder Familienkreis ihre Auszubildendenvergütung zu erwähnen.

Deshalb entschieden sich viele für einen Hochschulabschluss, ohne den Berufswunsch mit den eigenen Fähigkeiten abzugleichen. „Bei vielen platzt dann der Traum, wenn die erreichten Schulnoten nicht für den gewünschten Beruf ausreichen“, so Tetik. Um den Jugendlichen andere Wege aufzuzeigen, lädt die Brüder-Grimm-Schule in Bebra seit elf Jahren zu einer Ausbildungsmesse ein. (kh)

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