Büttenredner ohne Bühne

Karneval und Corona: Keine Zeit für Narretei

Ein Mann sitzt an einem Tisch, darauf steht ein Laptop, vor ihm liegen Orden.
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Parlamentsreporter im Homeoffice: Thomas Gerlach bekannt vom Karneval des FC 09 Neukirchen in Haunetal schreibt seine Reden in Coronazeiten – wenn auch nur für Familie und Freunde.

Heute beginnt eigentlich die närrische Jahreszeit. Doch Konfettifreuden sind abgesagt. Darüber und über den Tusch im Wohnzimmer haben wir mit Büttenredner Thomas Gerlach gesprochen.

Hersfeld-Rotenburg – Thomas Gerlach sitzt an seinem Wohnzimmertisch. Vor ihm liegen zwei Strophen seiner Büttenrede, die er extra für unsere Zeitung geschrieben hat. „11.11, alles Mist, im Lockdown sitzt der Karnevalist“, stellt der Parlamentsreporter, bekannt vom Haunetaler Karneval, fest. Und für die musikalische Untermalung sorgt der Reporter im Homeoffice auch gleich. Gerlach drückt auf die Knöpfe eines roten Kästchens und ein schneller Tusch schallt blechern durch das Wohnzimmer. „Die Tuschmaschine hat mir ein Freund geschenkt, nachdem er meine Rede nicht im Saal hören konnte, damals habe ich die Bütt einfach bei ihm zuhause vorgetragen“, erinnert sich der 52-Jährige. Dabei kam auch die Tuschmaschine zum Einsatz, die Gerlach gleich behalten durfte.

Tuschmaschine: Trällert stets den richtigen Ton.

Spontan vor wenig Publikum aufzutreten, dass hat sich Gerlach auch für die verschobene Karnevalssaison in der Corona-Pandemie vorgenommen. Vor Freunden und Familie, zur Not auch online, eine vollständige Bütt vorzutragen, das kann sich Thomas Gerlach gut vorstellen.

„Ich habe mir das ganze Jahr über Notizen gemacht und kurz vor der Bütt schreibe ich dann zusammen, was noch aktuell diskutiert wird“, erklärt der Parlamentsreporter seine Strategie. In diesem Jahr ist der Bankangestellte besonders den Corona-Leugnern auf der Spur. Diese „Covidioten“, bekommen bei Gerlach ihr Fett weg. „Ignoranten, nur Egoismus in Gedanken“, reimt der Büttenredner.

Denn auch wenn heute nicht das Donnern der Konfettikanonen die fünfte Jahreszeit einleitet, will Gerlach in Übung bleiben und plant seine Bütt. „Corona kann ja nicht alle Traditionen gefährden“, sagt der gebürtige Sauerländer und steckt die kleine bunte Vereinsnadel schon am 10. November an das Revers seines schwarzen Sakkos.

Totenkopf und Fastnachtsorden: Thomas Gerlach, alias Parlamentsreporter, ist im Dienst der fünften Jahreszeit.

„Das ist der einzige Zeitpunkt, an dem die Nadel nicht an meiner Weste hängt“, sagt der Büttenredner und hält sein schwarz-weißes Kostüm hoch. Sein Markenzeichen, die Weste mit Zeitungspapiermuster, will er auch bei den spontanen Auftritten zuhause tragen. Auch seine „Monstranz“, wie Gerlach sein Emblem, die Zeichnung eines Totenschädels mit Zylinder, nennt, liegt immer bereit. Bis zum nächsten Auftritt verstaut Thomas Gerlach aber erst einmal seine Fastnachtsorden wieder in einer Kiste, zieht die schwarze Schirmmütze ab und hängt die Weste in den Schrank.

In seiner Bütt denkt Thomas Gerlach schon an das Ende der Coronakrise und stellt fest: „Hoffen wir, es gibt die Wende, auf das Drama hat ein Ende.“

Von Kim Hornickel

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