Buchhändler Bode im Interview: Bücher durch die Hintertür

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Mit Maske und Lese-Tipp: Jürgen Bode, Inhaber der Hoehlschen Buchhandlungen in Bad Hersfeld und Bebra.

Bad Hersfeld/Bebra – Die Buchhandlungen sind wieder offen. Jürgen Bode, Inhaber der Hoehlschen Buchhandlungen in Bad Hersfeld und Bebra, spricht über Corona-Auswirkungen.

Herr Bode, wie lange waren Sie mit ihren Geschäften von der Schließung betroffen?

Fünf Wochen seit dem 18. März.

Hat es Sie überrascht, dass auch Sie zumachen müssen?

Ja, das kam auch sehr kurzfristig. Eine Woche davor haben wir aber damit gerechnet. Und dass wir komplett schließen mussten, das war schon schwierig.

Es ist ja auch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gewesen. In Berlin zum Beispiel wurde das Buch zum Grundbedarf gezählt und die Läden sind offengeblieben.

Das hätten wir uns für Hessen auch gewünscht. In Nordrhein-Westfalen waren die Buchhandlungen ebenfalls weiter offen.

Wie haben Sie reagieren müssen? War Ihr Personal auch in Kurzarbeit?

Ja, auch wir haben Kurzarbeit beantragt. Trotzdem waren wir täglich von 10 bis 13 Uhr im Geschäft an der Weinstraße, per E-Mail und Telefon erreichbar.

Viele Buchhandlungen sind ja in der Krise sehr kreativ geworden. Auch unter dem Aspekt, dass Amazon Bücher nicht mehr priorisiert hat.

Na ja, bei uns gab es Bücher zum Abholen an der Hintertür, und ab 14 Uhr bin ich jeden Tag mit dem Auto durch den ganzen Kreis gefahren und habe ausgeliefert. Da bin ich bis nach Bebra-Solz und Dankerode bei Rotenburg gefahren oder auch bis nach Sieglos.

Hat das die Einbußen durch die Schließung ein bisschen kompensieren können?

Ein bisschen ja, aber es war natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber bei dieser Gelegenheit möchte ich unseren Kunden danken, dass sie uns in dieser Situation nicht vergessen und unterstützt haben.

Haben viele Kunden vielleicht jetzt erst gemerkt, dass auch die Buchhandlung vor Ort einen Online- Shop hat?

Ja, denn der hat wirklich einen Sprung nach oben gemacht. Wir machen das zwar schon seit über zehn Jahren, aber in den letzten Wochen ist das Geschäft stark gewachsen.

In Zeiten von Homeoffice und Kontaktbeschränkungen sollte man eigentlich mehr Zeit zum Lesen haben. Können Sie das aus Ihrer Sicht bestätigen?

Ja, das ist sicher so eine Reaktion gewesen. Wir haben das feststellen können, als wir am 20. April nach der Schließung zum ersten Mal wieder aufgemacht haben. Da war drei Tage lang eine Riesen-Nachfrage. Da haben sich viele erst mal wieder mit Büchern eingedeckt.

Wenn Ihre Kunden jetzt wieder in die Läden kommen – halten sie sich dann an die Abstandsregelungen, tragen sie Maske?

Das ist alles kein Problem. Diese Woche kommen sie alle mit Maske, und alle sind sehr diszipliniert.

Wenn wir mal davon ausgehen, dass es kein schnelles Zurück in die Normalität gibt, dann bleibt immer noch viel Zeit für Bücher. Welches empfehlen Sie denn in diesen Tagen?

„Die Pest“ von Camus und „Die Spanische Grippe“ von Harald Salfellner, eine Neuerscheinung.

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