Bad Hersfelder Institution feiert

Buchcafé: 40 Jahre für die Kultur

Seit April 2015 ist das Buchcafé an seinem vierten Standort Am Brink in Bad Hersfeld zu finden. Foto: Christine Zacharias

Mit bis zu 100 Veranstaltungen und etwa 9- bis 10.000 Besuchern im Jahr ist das Buchcafé in Bad Hersfeld ein wichtiger Anbieter von Ganzjahreskultur in der Region.

In diesem Jahr feiert das Soziokulturelle Zentrum seinen 40. Geburtstag.

Finanziell abgesichert war die Arbeit Buchcafés in all diesen Jahren jedoch nie. Vor allem der Zuschuss der Stadt wird seitens der Politik häufig hinterfragt, sodass es immer eng wird. „Wenn der Zuschuss zusammengestrichen wird oder wegfällt, sind wir pleite und weg vom Fenster“, macht Vorstandsmitglied Eckart Büxel die prekäre Lage deutlich.

Im Buchcafé gibt es nicht nur Musik ganz unterschiedlicher Stilrichtungen, Kabarett, Theater und Kleinkunst, sondern auch Vorträge, Lesungen, Workshops, Kurse und Diskussionsveranstaltungen, erläutert Geschäftsführerin Mercedes Thiel. Zudem treffen sich dort verschiedene Gruppen: Die Friedensinitiative und die attac-Gruppe ebenso wie die Tango-AG, der Buchcafé-Chor oder das Regenbogen-Nachhilfeprojekt für junge Migranten.

Im Buchcafé geht es nicht nur um Kulturgenuss, sondern auch um aktives Mitgestalten. Informationen und Diskussionen über aktuelle gesellschaftliche Fragen stehen regelmäßig auf dem Programm, betont Eckart Büxel vom Vorstand des Vereins für Kultur und Kommunikation, der das Buchcafé betreibt.

Gegründet wurde das Buchcafé im Jahr 1979 von einer Gruppe von Menschen, die einen selbstbestimmten Raum für Kultur und Kommunikation suchten, etwas, was es so bis dahin in der Region nicht gab. Viele Jahre wurde das Buchcafé als Treffpunkt der Linken und Alternativen skeptisch betrachtet. Ein Wandel setzte 1993 ein, nachdem das zweite Domizil am Vogelgesang durch einen vermutlich rechtsradikalen Brandanschlag zerstört worden war. Ein hauptamtlicher Geschäftsführer und politische Unterstützung aus breitenKreisen der Bevölkerung brachten eine Etablierung mit sich. Ehrenamtliche Mitarbeit spielte und spielt aber immer eine wichtige Rolle.

Dennoch soll nun erst einmal gefeiert werden: Die Jubiläumsfeier findet am Samstag, 2. November statt. Der Festakt beginnt um 17 Uhr, der Abend wird mit einem öffentlichen Konzert der Dresdner Banda Internationale ausklingen.

Bewegte Geschichte

Sein erstes Domizil fand der im Dezember 1979 gegründet Verein für Kultur und Kommunikation in einem alten Fachwerkhaus im Hanfsack in Bad Hersfeld. Das baufällige Getränkelager wurde in Eigenleistung umgebaut und eingerichtet. Es bilden sich Arbeitsgruppen und Initiativen, die informieren und zur Meinungsbildung beitragen wollen. Im April 1984 wurde das Haus am Hanfsack durch einen Brand und Löschwasser zerstört.

Ein neues Domizil fand sich im damaligen DGB-Haus an der Ecke Vogelgesang/Dudenstraße. Der Saal war nun groß genug für eine Bühne und einen Tresen. Erstmals beantragte und erhielt der Verein für Kultur und Kommunikation Zuschüsse von Stadt und Kreis für die Anschaffung eines Klaviers. Auch aus diesen Räumen wurde der Verein im Jahr 1993 durch einen Brand vertrieben, diesmal war es wohl ein politisch motivierter Brandanschlag aus dem rechten Lager, sagt Geschäftsführerin Mercedes Thiel. Gefasst wurden die Täter nie.

Wenige Tage nach dem Anschlag gab es ein Solidaritätsfest im Saal Herzog in Asbach, das eine breite Unterstützung für das Buchcafé und sein kulturelles und gesellschaftliches Angebot zeigte. Als Förderer des Buchcafés trat nun auch Hans-Friedrich Otto, der damalige Geschäftsführer der Hersfelder Zeitung, in Erscheinung, der dem Verein nicht nur Räume in der alten Druckerei in der Badestube vermietete, sondern sie auch bedarfsgerecht umbauen ließ. Zusätzlich leisteten die Vereinsmitglieder auch hier, wie bei den vorherigen Standorten, einen erheblichen Anteil an Eigenleistungen. Mit dem Umzug in die Badestube setzte 1994 eine Professionalisierung und Etablierung des Buchcafés ein.

Zur Einweihung kam jede Menge Prominenz aus Stadt und Kreis und auch aus Wiesbaden. Helmut Weide-Basler kümmerte sich nun als Geschäftsführer um Programm, Organisation und Werbung – immer unterstützt von Ehrenamtlichen. Neben dem Veranstaltungssaal und Seminarräumen gab es auch eine Kneipe, die unabhängig von Veranstaltungen besucht werden konnte. Und im Laufe der Jahre mischte sich auch das Publikum. Das Kindertheaterfestival Kleine Festspiele fand dort ein Zuhause, und das Buchcafé wurde Teil des Live-Jazz-Festivals und der Kneipentour. Mit „Regenbogen“ wurde auch ein neues soziales Projekt gestartet: Nachhilfe für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Heute sind 13 Lehrkräfte aktiv und fördern knapp 30 Mädchen und Jungen.

Doch auch die Räume in der alten Druckerei waren keine Dauerlösung. 2013 wurde das Gebäude verkauft und sollte abgerissen werden. Wieder einmal ging der Verein für Kultur und Kommunikation auf die Suche nach neuen Räumen. Gefunden wurden sie am Brink in Bad Hersfeld in den Räumen des einstigen Plus-Marktes im Parkhausgebäude. Die Planungen beginnen. Inzwischen ist auch deutlich geworden, dass der Kneipenbetrieb ehrenamtlich nicht mehr zu bewältigen ist. So wird entschieden, die Buchcafé-Kneipe an Peter und Daniel Heck zu verpachten.

Noch vor dem Umzug gibt es einen Wechsel in der Geschäftsführung. Helmut Weide-Basler will sich zwar weiter um Musikveranstaltungen kümmern, die Geschäftsführung übergibt er jedoch an Mercedes Thiel. Im April 2015 wird das neue Buchcafé am Brink eröffnet – in zentraler Lage und mit größerem Saal. Eine Kooperation mit den Festspielen bleibt ein einmaliger Versuch, doch dafür entdeckt nun der Kulturbund das Buchcafé als geeigneten Ort für seine Veranstaltungen

40 Jahre Buchcafé - Das Programm:

Zum runden Geburtstag bietet das Buchcafé Bad Hersfeld neben dem normalen Programm eine Reihe von besonderen Veranstaltungen (fett markiert) an. Das erwartet die Besucher in diesem Jahr: . 27. September: Jam Session . 28. September: Bluesfestival mit Abi Wallenstein und der Matchbox-Blues-Band. . 2. Oktober: Klangreise Ostrock – Performance mit Bildern, Musik und Worten über Rockbands der DDR. . 11. Oktober: Frank-Matthäus-Quartett (Jazz) . 12. Oktober: Simone Solga mit ihrem Programm „Das gibt Ärger“ (Musikkabarett) . 18. Oktober: Anne Haigis (Woman & Voice) . 19. Oktober: Disco-Nightfever . 24. Oktober: Corte Colesti: Harfe und Gitarre (Klassik, Weltmusik) . 25. Oktober: Jam Session . 26. Oktober: Organverzagen (Kabarett in Kooperation mit dem Ökumenischen Hospizverein) . 1. November: Ingrid Laubrock und Tom Rainey (Jazz) . 2. November: Festakt 40 Jahre Buchcafé, abends: Banda Internationale (Brass) . 8. November: Zydeco Annie (Swamp) . 12. November: Sisters of Comedy (Kabarett, Comedy) . 15. November: Illusion und Comedy: Christian de la Motte (Zauberer, Kleinkunst) . 16. November: LIVE Help (Benefiz-Konzert) . 17. November: Herr Müller und seine Gitarre (Kinder) . 22. November: Pata Moto Trio Sommerfeld (Weltmusik mit Sängerin aus Kenia) . 23. November: Sean Keane (irischer Folk) . 29. November: Jam Session . 6. Dezember: Nikolaus-after-Party . 7. Dezember: Regionaler Rock mit Black Coffee . 13. Dezember: Liza Kos (Comedy/Integration) . 20. Dezember: Bigband Landeck - Swinging Christmas . 25. Dezember: XMasRock

Tickets für Veranstaltungen im Buchcafé gibt es unter z 06621/7965484, unter www.buchcafé-de, in der Buchcafé-Kneipe, der Brillenschmiede, der Hoehlschen Buchhandlung und bei der Hersfelder Zeitung

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