40 Stellen werden zum Teil neu verteilt

Sparprogramm: Bezirkskantor sorgt sich um Kirchenmusik

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Sein Herz schlägt für die Kichenmusik: Christian Zierenberg ist Bezirkskantor in Rotenburg. 

Wegen des von der Landessynode beschlossenen Sparprogramms fürchtet Bezirkskantor Christian Zierenberg aus Rotenburg Nachteile gerade für den ländlichen Raum.

„Die Musik ist ein Markenzeichen von Kirche“, sagt Bezirkskantor Christian Zierenberg aus Rotenburg. Zierenberg, der auch Vorsitzender des Verbandes der evangelischen Kirchenmusikerinnen und -musiker in Kurhessen-Waldeck ist, ist wie viele seiner Kollegen in Sorge, dass das kürzlich von der Landessynode beschlossene Sparprogramm (wir berichteten) das kirchenmusikalische Angebot nachhaltig schädigen könne.

„Ohne Kirchenmusik“, so zitiert er Professor Christian Höppner, den Generalsekretär des Deutschen Musikrates, „würde unser Land von einem Tag zum anderen kulturelles Entwicklungsgebiet.“ Dabei geht es Zierenberg sowohl um das sonntägliche Orgelspiel in den Kirchen als auch um die großen und kleinen Konzerte und nicht zuletzt um die Ausbildung. Denn zu den Aufgaben der Bezirkskantoren gehört auch der Orgelunterricht für die Nachwuchskräfte. „Ohne Ausbildung gibt es keine Organisten mehr, vor allem in den kleinen Orten“, sagt Zierenberg.

Noch sei nicht bekannt, wie die 40 hauptamtlichen Kantorenstellen in der Landeskirche verteilt werden, doch er fürchtet, dass gerade im ländlichen Raum gekürzt werde. 2010 gab es übrigens noch 53 Stellen. Christian Zierenberg hofft, dass der neu formierte Kirchenkreis Hersfeld-Rotenburg aufgrund seiner Größe zwei Bezirkskantorenstellen behalten wird. Derzeit versehen Sebastian Bethge in Bad Hersfeld und er in Rotenburg dieses Amt. Und er hofft, dass eines der Profilkantorate im Kreis angesiedelt wird. Derzeit ist Matthias Weber als Kantor für Populärmusik mit halber Stelle in Heringen tätig. Er geht jedoch davon aus, dass das Gemeindekantorat in Philippsthal gestrichen wird. Dann sei der gesamte Osten kirchenmusikalisch unterversorgt.

„Wenn Kirchenkreise fusionieren und es nur noch eine hauptamtliche Musikerstelle gibt, dann werden die Räume einfach zu groß, als dass das eine Person leisten könnte“, macht Christian Zierenberg deutlich. Das gelte auch für die Probenarbeit mit Chören und die Organisation großer Konzerte.

Ihm ist bewusst, dass auch bei der Kirchenmusik reduziert werden muss, wenn alle Bereiche der Kirche Einsparungen erbringen, doch vermisst er oft in kirchlichen Gremien das Bewusstsein für die gesellschaftliche Funktion von Kirchenmusik. Sie ist ein Aushängeschild, eine Kontaktfläche, die auch Menschen in die Kirchen zieht, die sonst nicht kommen.

Zudem, so befürchtet Zierenberg, werde der Beruf insgesamt weniger attraktiv, wenn Stellen gestrichen würden. Schon jetzt seien die 350 Kirchenmusikstudenten in ganz Deutschland und Österreich nicht ausreichend, um alle Stellen zu besetzen. Wenn Stellen dann weniger attraktiv würden, weil zum Beispiel das zu betreuende Gebiet zu groß sei, werde auch die Zahl der Studenten zurückgehen, prognostiziert Zierenberg.

Die Neuregelung, dass hauptamtliche Kirchenmusiker nun bei der Landeskirche angestellt werden sollen, findet er auch unter diesem Gesichtspunkt positiv. Die Bezahlung liege allerdings in Kurhessen-Waldeck im unteren Mittelfeld im Bereich der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD).

Sein Verband, so kündigt Zierenberg an, werde jedenfalls die Entwicklung genau beobachten. Im April soll es konkretere Informationen geben, wo die 40 hauptamtlichen Kirchenmusikerinnen und -musiker tätig sein werden. (zac)

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