Bewährungsstrafe für Dolmetscher

Übersetzertätigkeit für sexuelle Übergriffe ausgenutzt

Amtsgericht Bad Hersfeld an der Dudenstraße
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Amtsgericht Bad Hersfeld an der Dudenstraße

Ein 59 Jahre alter Dolmetscher aus Bad Hersfeld ist wegen sexueller Nötigung und der sexuellen Belästigung von drei Frauen zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Bad Hersfeld - Die Strafe von einem Jahr und drei Monaten ist zur Bewährung ausgesetzt worden. Die Bewährungszeit für den 59-Jährigen beträgt drei Jahre. Ihm wird während dieser Zeit ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Zudem muss er 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Christina Dern sah es als erwiesen an, dass der aus Afghanistan stammende Mann, der bereits seit 27 Jahren in Deutschland lebt, zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 drei Asylbewerberinnen in mehreren Fällen unsittlich berührt und zum Sex aufgefordert hat. Dabei habe er seine für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg ausgeführte Tätigkeit als Dolmetscher ausgenutzt, um den drei Frauen nachzustellen.

Während der vier Verhandlungstage hatte das Schöffengericht bei der Wahrheitsfindung keine leichte Aufgabe zu bewältigen. Die drei betroffenen Frauen, zwei aus Afghanistan (22 und 26 Jahre alt) sowie eine 39 Jahre alte Frau aus dem Iran, sprechen kein Deutsch und mussten durch Dolmetscher vor Gericht unterstützt werden.

Doch nicht nur die Sprache stellte eine hohe Hürde dar. Auch das sexuelle Selbstverständnis in den vor Gericht aufeinanderprallenden unterschiedlichen Kulturkreisen machte es nicht einfacher.

Auf der einen Seite die offene westliche Welt, in der ein Kuss auf die Wange, eine Umarmung zwischen Mann und Frau in der Öffentlichkeit sowie eine gewisse körperliche Nähe für niemanden befremdlich wirken. Und auf der anderen Seite die von Männern dominierte islamische Welt, in der Frauen sich verschleiern müssen und von Männern offenbar regelrecht unterdrückt werden. Wenn in diesem Kulturkreis eine Frau sexuell belästigt wird, sucht sie dafür die Schuld bei sich und nicht beim Mann. Denn schließlich gelte die Frau von da an in der Öffentlichkeit als schlecht, weil sie den Mann zu den sexuellen Handlungen in irgendeiner Weise aufgefordert haben muss. So sprach eines der Opfer vor Gericht gar davon, von dem 59-Jährigen vergewaltigt worden zu sein. Sie meinte damit aber lediglich die Frage nach Sex, die ihr der Angeklagte gestellt habe.

Von Mario Reymond

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