Unfall war fahrlässige Tötung

Bewährungsstrafe für Autofahrer – 16-Jähriger starb auf A 4 bei Bad Hersfeld

Das Foto zeigt den im Frontbereich schwer beschädigten BMW kurz nach dem Unfall auf der A4 zwischen Friedewald und Bad Hersfeld. 
+
Der schwere Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang für den 16 Jahre alten Fahrer eines 125er-Motorrads hat sich am 5. Mai vergangenen Jahres auf der Autobahn 4 zwischen Friedewald und Bad Hersfeld ereignet.  

Wegen fahrlässiger Tötung ist am Freitag, 7. Mai, der Autofahrer verurteilt worden, der am 5. Mai 2020 auf der A 4 einen Unfall verursacht hat, bei dem ein 16-Jähriger starb.

Bad Hersfeld - Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Christina Dern verhängte eine Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung über einen Zeitraum von drei Jahren. Der 27-Jährige muss außerdem 3500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen und kann frühestens in einem Jahr seine entzogene Fahrerlaubnis zurückbekommen. Er hat darüber hinaus die Kosten des Verfahrens inklusive der Nebenklage zu tragen. Da alle Prozessbeteiligten das Urteil noch im Gerichtssaal akzeptierten, wurde es sofort rechtskräftig.

Am Unfallhergang ebenso wie an der Schuld des Angeklagten bestanden keine Zweifel. Lediglich Details blieben offen, wie die Frage, warum genau der Fahrer eines „getunten“ BMW den Zweiradfahrer nicht gesehen hat, bevor es zu der folgenschweren Kollision auf der rechten von zwei Fahrspuren kam. Zwar habe die Sonne an diesem Abend extrem geblendet, die Sonnenblende war beim Auslösen der Airbags aber heruntergeklappt, wie der Sachverständige berichtete. Für das Gericht war jedenfalls klar: Der Autofahrer war zu schnell unterwegs und der Unfall wäre vermeidbar gewesen. Vorsatz sei ihm indes nicht nachzuweisen gewesen. Ebenfalls fallengelassen wurde der Vorwurf der sogenannten Alleinraserei, der noch am ersten Verhandlungstag im Raum gestanden hatte, an dem nur die Anklage verlesen worden war.

Zu dem Unfall war es gegen 18.30 Uhr zwischen den Anschlussstellen Friedewald und Bad Hersfeld in Fahrtrichtung Bad Hersfeld kurz hinter einer leichten Kuppe gekommen. Laut Gutachten hatte der Autofahrer in den letzten fünf Sekunden vor dem Zusammenprall von 208 auf 229 km/h beschleunigt und das Gaspedal durchgetreten. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung gilt in diesem Bereich nicht. Das Krad wurde von hinten erfasst, der 16-Jährige erlag noch am Unfallort seinen Verletzungen.

Der BMW-Fahrer hatte seine Schuld von Anfang an eingestanden. Er gab an, plötzlich nichts mehr gesehen zu haben. Die Eltern des Opfers traten in dem Prozess als Nebenkläger auf.

Viele Tränen auf beiden Seiten des Gerichtssaals

Hochemotional ging es am Freitag, 7. Mai, im großen Saal des Bad Hersfelders Amtsgerichts zu – immer wieder flossen Tränen, und zwar auf beiden Seiten des Gerichtssaals. Denn der 5. Mai 2020 habe gleich „zwei Familien den Boden unter den Füßen weggezogen“, wie es Staatsanwältin Sarah Lomb auch in ihrem Plädoyer ausdrückte.

Bei dem tödlichen Unfall auf der A 4 war ein 16 Jahre alter Kradfahrer aus Hohenroda ums Leben gekommen, dessen Eltern im Prozess nun als Nebenkläger auftraten, und auch weitere Familienangehörige verfolgten die Verhandlung vor Ort. Ebenso anwesend war die Familie des Unfallverursachers, der an jenem Abend vor fast genau einem Jahr nach einem Besuch bei seiner Freundin in Potsdam auf dem knapp 600 Kilometer langen Heimweg war, als es zu der folgenschweren Kollision bei Tempo 229 kam. Der 16-Jährige mit seinem Leichtkraftrad war laut Gutachter mit um die 120 km/h unterwegs.

Dass er schnell unterwegs war und beschleunigte, gab der Angeklagte auch vor Gericht an, dass er so schnell gefahren sei, sei ihm damals aber nicht bewusst gewesen. Er habe im Auto laute Musik gehört, aber keinen Zeitdruck gehabt. Dass die Sonne an diesem Abend besonders blendete bestätigten auch einige Zeugen, von jetzt auf gleich könne sich die Sicht aber nicht verändert haben, erklärte der Sachverständige in seinem ausführlichen Unfalbericht. Es sei also genug Zeit gewesen, um sich den Gegebenheiten anzupassen. Mit geringerer Geschwindigkeit hätte sich der Unfall vermeiden lassen.

Als Zeugen geladen waren unter anderem ein aus dem Landkreis stammender Ersthelfer, eine Polizeibeamtin der Autobahnpolizeistation und ein Lkw-Fahrer, der auf der Gegenspur unterwegs war und nun von einem Auto berichtete, das lautstark über die Kuppe geschossen sei. Unmittelbare Unfallzeugen gab es jedoch nicht.

Für eine Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, hatte sich auch die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer ausgesprochen, für die ebenfalls klar war, dass der 27-Jährige zu schnell war und der Unfall nicht hätte passieren müssen. Der Mann war weder vorbelastet, noch waren Drogen oder Alkohol in seinem Blut gefunden worden. Er selbst war bei dem Unfall kaum verletzt worden.

Der Nebenklagevertreter schloss sich der Staatsanwältin im Groben an, nicht glauben mochte er jedoch, dass der Unfallverursacher nicht möglicherweise anderweitig abgelenkt gewesen sei, etwa vom Handy. Das wiederum erzürnte dessen Verteidiger, der von einem „ganz, ganz schlimmen Unglück“ sprach und kritisierte, dass unnötige Schärfe niemandem helfe. „Es gibt hier nur Verlierer.“ Sein Mandant habe versucht, sich das Leben zu nehmen. „Wenn ich könnte, würde ich mein eigenes Leben für Ihren Sohn opfern“, sagte dieser in Richtung der Eltern. (Nadine Maaz)

Freiheitsstrafe ausgesetzt zur Bewährung

Wird eine Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt, bleibt der Verurteilte in Freiheit, er muss also nicht ins Gefängnis./in Haft Die Bewährung ist juristisch gesehen keine Strafart neben oder statt einer Freiheitsstrafe („Bewährungsstrafe“), diese wird nur nicht vollstreckt. Eine Voraussetzung ist, dass die Freiheitsstrafe zwei Jahre nicht übersteigt, außerdem muss unter anderem eine günstige Sozialprognose vorliegen und zu erwarten sein, dass der Verurteilte künftig keine Straftat mehr begeht. Wird gegen die Auflagen der Bewährung verstoßen (z.B. eine Geldauflage nicht gezahlt) oder begeht der Verurteilte in dem Zeitraum weitere Straftaten, kann die Bewährung widerrufen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion