Konzert in der Auferstehungskirche

Bet Williams & Shiregreen: Hymnen für den Frieden

Starke Stimmen: Neben Bet Williams nutzen auch Pfarrer Karsten Röhr und das Duo „Triade“ (unten) das Konzert für ihre Botschaft.

Bad Hersfeld - Fast drei Stunden Hymnen für den Frieden beim Konzert von Bet Williams und Shiregreen in der Auferstehungskirche in der Hohen Luft.

Am Ende singt der vielstimmige Friedens-Chor gemeinsam: We shall overcome – die alte Hymne der US-Bürgerrechtsbewegung wirkt wie eine musikalische Klammer für ein fast dreistündiges, außergewöhnliches Friedenskonzert mit dem Rotenburger Liedermacher Klaus Adamaschek alias Shiregreen und der bezaubernden Folk-Poetin Bet Williams aus New York (siehe Text unten).

Starke Stimmen: Neben Bet Williams nutzen auch Pfarrer Carsten Röhr und das Duo „Triade“ (unten) das Konzert für ihre Botschaft.

Das Datum war wohl gewählt. Am internationalen Holocaust-Gedenktag – 74 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz – scheint die Welt nicht viel aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben. „Krieg beginnt immer mit Worten“, mahnte deshalb auch Pfarrer Carsten Röhr, in dessen Auferstehungskirche das Konzert stattfand. Ein angemessener Ort, auch wenn die Akustik die Musiker und Tontechniker vor eine schwere Prüfung stellte.

Starke Stimmen: Neben Bet Williams nutzen auch Pfarrer Carsten Röhr und da s Duo „Triade“ (unten) das Konzert für ihre Botschaft.

Den weit mehr als 300 Zuhörern, die schon lange vor Öffnung der Türen auf Einlass warteten, machte dies aber nichts aus. Zu eindringlich war die Botschaft, die auch mit der kirchlichen Jahreslosung einhergeht: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Vereint durch die Liebe zur Musik und die Sehnsucht nach Frieden wolle man Denkanstöße geben – „Lösungen haben auch wir nicht“, gab Adamaschek zu.

Dafür hatte Shiregreen aber viele aussagekräftige Lieder im Programm: Von Konstantin Wecker, über Joni Mitchell, Joan Baez und Janis Joplin – es sind die Ikonen der Liedermacherzunft, deren Hymnen für den Frieden und eine bessere Welt seit den 1960er Jahren nichts an Aktualität verloren haben.

Unterstützung erhielt Adamaschek von seiner bewährten Band – Multitalent und Sohn Paul am E-Piano, Gitarre sowie Marisa Linß, die mit ihrer glockenklaren Stimme Joan Baez „Heres to you“ zu neuen Höhen führte.

Mit Paul Adamaschek bildet sie zudem das Gesangsduo „Triade – zwei Stimmen und ein Instrument im Dreiklang“ bildet. Gemeinsam sorgten sie dafür, „dass auch etwas frischere Songs“ im Programm waren. Besonders passend Pinks „Mr. President“ – ein Song gegen US-Präsident George W. Bush – der aus heutiger Sicht gegen Donald Trump wie ein Chorknabe wirkt.

Ergänzt wurde das Programm durch viele Eigenkompositionen von Shiregreen, in denen auch das „gespaltene Verhältnis“ des Liedermachers Klaus Adamaschek zu den USA deutlich wurde – denn eigentlich war Amerika stets sein Land der Träume, seit er als Kind Lederstrumpf gelesen hatte.

Mindestens ebenso gespalten ist wohl auch das Verhältnis der US-Folksängerin Bet Williams zu ihrer Heimat – eine Zerrissenheit, die sie mit ihrer Vier-Oktaven-Stimme auf hinreißende Art deutlich machte.

Bet Williams: Baut Brücken - keine Mauern

Bet Williams ist wie ein rollender Stein – jener Rolling Stone, den Bob Dylan einst besungen hat. Eine Weltbürgerin, die als Kind eines US-Soldaten sechs Jahre in Heidelberg gelebt hat und daher ziemlich gut deutsch spricht. Geboren wurde Bet Williams in der Nähe von Woodstock, diesem mystischen Ort, der wie ein Synonym für den Aufbruch einer ganzen Generation in ein neues Zeitalter steht. Kein Wunder, dass Bet, deren Mutter Klavier-Lehrerin war, heute Folksängerin ist. Und was für eine: Ihre Stimme schwingt sich mühelos über vier Oktaven, lautmalerisch intoniert sie viele Songs, nutzt die Gitarre als Schlaginstrument und verkündet dabei ihre Botschaft: „Ich glaube an Liebe und Frieden, viele Amerikaner sind so wie ich schockiert von der derzeitigen Politik.“ Bet Williams indes guckt über den US-Tellerrand. Verheiratet mit einem armenischen Musiker, Mutter eines 15-jährigen Sohnes hat sie auch in Berlin, Los Angeles und Nashville, Tennessee, gelebt. Jetzt wohnt sie in Harlem, New York, dem Schmelztiegelt schlechthin. „Baut Brücken und keine Mauern“, ruft Bet Williams dem Bad Hersfelder Publikum zu. Als sie dann mit ihrer warmen Blues-Stimme zusammen mit Klaus Adamaschek und Shiregreen Kris Kristoffersons „Me and Bobby McGee“ anstimmt und mit fliegenden Locken über die Bühne vor dem Altar wirbelt, da erscheint sie fast wie eine Reinkarnation von Janis Joplin. Wo sonst, wenn nicht in der Auferstehungskirche.

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