49-Jähriger war in Berufung gegangen

Ex-Polizist attackiert Mann: „Sie haben ihn windelweich geschlagen“


Das Bild zeigt die Justitia als Symbolfigur für Gerechtigkeit und Rechtspflege.
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Symbolfoto Gericht

Zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten (drei Jahre Bewährung), hat die Berufungskammer am Landgericht Fulda einen 49-jährigen Rotenburger verurteilt.

Fulda - Der ehemalige Polizist war wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen Betruges angeklagt. Er war im Februar vom Amtsgericht Bad Hersfeld zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden und hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Im Februar war allerdings noch die gewalttätige Beziehung zwischen dem Angeklagten und seiner deutlich jüngeren Freundin Teil der Verhandlung und des Urteils. Der 49-Jährige hatte die junge Frau wohl mehrfach geschlagen und so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus musste. Inzwischen ist er jedoch rechtskräftig geschieden und mit der jungen Frau verlobt. Die hatte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht und auch die Verwendung ihrer Aussagen bei der Polizei untersagt. Das Verfahren in diesem Tatkomplex wurde deshalb eingestellt. Die Beziehung laufe inzwischen, so versicherte der Angeklagte, wesentlich harmonischer.

Die konfliktreiche Beziehung zwischen dem Angeklagten und seiner Freundin war auch der Hintergrund für die gefährliche Körperverletzung. Die inzwischen 24 Jahre alte Frau hatte sich von dem Angeklagten getrennt und sich einem 31-jährigen Rotenburger zugewandt, mit dem der Angeklagte ebenfalls befreundet war. Das habe der Angeklagte als narzistischische Kränkung empfunden und habe deshalb den Freund zur Rede stellen wollen. Als er dort auch noch seine leicht bekleidete Freundin auf dem Sofa vorfand, sei die Situation eskaliert, schilderte Dr. Jochen Müller, Vorsitzender der Berufungskammer, den Tathergang.

Es gab ein Wortgefecht, Beleidigungen und reichlich Schläge für den 31-Jährigen, der als Nebenkläger auftrat. „Sie haben ihn windelweich geschlagen“, hielt der Richter dem Angeklagten vor. Als erwiesen sah das Gericht zudem an, dass der Angeklagte auch mit der Rückseite eines Baseballschlägers – eine gefährliche Waffe – zugeschlagen hat, den er dem Nebenkläger zuvor abgenommen hatte. Wie zuvor schon Anwältin Daniela Morbach vermisste auch das Gericht bei dem Angeklagten „richtig echte Reue“, obwohl der erklärt hatte, sein Gewaltexzess tue im leid.

Als spürbare Strafe wurde dem 49-Jährigen auferlegt, einen Geldbetrag von 800 Euro an den Verein „Frauen helfen Frauen“ in Bad Hersfeld zu zahlen.

Wegen des ebenfalls angeklagten Betrugs – der Angeklagte hatte eine Waschmaschine und Barhocker auf den Namen einer früheren Freundin bestellt, obwohl er sie nicht bezahlen konnte – verurteilte die Kammer ihn zu einer Geldstrafe von 3000 Euro.

Der 31-Jährige, der noch heute psychisch unter der Attacke leidet, will nun zivilrechtlich gegen den Angeklagten vorgehen und Schmerzensgeld fordern. (Christine Zacharias)

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