Joshua Steinberg trainiert mit Flüchtlingen

Beim Sport gehören Menschen verschiedener Herkunft einfach dazu

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Sport verbindet: An den Sportangeboten für Flüchtlinge von Joshua Steinberg (Mitte), Lisa Simla (Dritte von rechts) und Yannic Wichmann (Dritter von links) kann jeder, der möchte, teilnehmen.

Bad Hersfeld – Sport verbindet Kulturen – so auch in Bad Hersfeld. In der Kreisstadt gibt es daher immer wieder Sportangebote für Flüchtlinge.

Einer, der sich besonders engagiert, ist der 27-jährige Joshua Steinberg aus Haunetal.

Herr Steinberg, aktuell geben Sie Sportstunden in der Turnhalle der Friedrich-Fröbel-Schule. Wie genau muss man sich das vorstellen?

Wir machen das jeden Samstag um 15 Uhr, etwa zwei Stunden lang. Als es wärmer war, waren wir schon im Jahnpark, jetzt ist es aber perfekt, dass wir über die Stadt eine Halle bekommen haben. Wir fragen die Jugendlichen auf was sie Lust haben, spielen beispielsweise Fußball oder legen den Fokus auf Aufwärmen, sanftes Krafttraining und Dehnübungen. Wir haben hier schon Volleyball, Basketball und sogar Tennis gespielt, außerdem haben wir mehrfach Trainingsparcours mit Kraft-, Ausdauer-, Schnelligkeits- und Koordinationsübungen aufgebaut. Es soll im Prinzip ein bisschen wie Sportunterricht gestaltet sein, sodass man von allem etwas mitbekommt.

Wird das Angebot gut angenommen?

Ja, wir hatten schon Trainings mit mehr als zehn Personen, meist so vom Grundschulalter bis etwa 30. Den Kern bildet eine Wohngruppe aus einer Unterkunft, eigentlich kann aber jeder kommen.

Ist das Interesse primär bei Jungs bzw. Männern vorhanden oder sind auch Mädchen dabei?

Es sind mehr Jungs als Mädels, was aber auch daran liegt, dass in der Wohngruppe mehr Jungs als Mädels wohnen. Zusätzlich liegt es natürlich auch daran, dass die Mädels generell ein bisschen Selbstbewusstsein mitbringen müssen, um mit Jungs Sport zu machen.

Gibt es grundsätzliche Berührungsängste?

Nein, wir hatten nie Probleme. Ich sage immer: Wenn jemand unzufrieden ist oder ihm etwas nicht passt, dann soll er direkt zu mir kommen – aber bisher gab es noch keine Beschwerden. Wir hatten vor drei Wochen mal den Fall, dass sich zwei Spieler gegenseitig auf den Fuß getreten sind und der eine dann ins Krankenhaus musste. Aber auch das war nur eine Prellung und beide haben sich direkt wieder vertragen. Hier gab es noch nie Konflikte. Einige Flüchtlinge sprechen kaum Deutsch.

Wie gehen Sie mit der Sprachbarriere um?

Die Jungs und Mädels aus der Wohngruppe sind sprachlich sehr fit, weil sie als Minderjährige natürlich ganz anders betreut werden als Volljährige. Da wird ganz anders auf die Bildung geachtet. Das Schöne ist aber, dass man eigentlich immer eine gut gemischte Gruppe hat. Wenn jemand kein Deutsch spricht, hat er meistens einen Landsmann hier, der übersetzen kann.

Sie engagieren sich vor Ort schon länger in der Arbeit mit Flüchtlingen. Seit wann genau und wie kam es dazu?

Ich bin 2014 aus Afrika wiedergekommen und habe dort vor Ort einen sehr herzlichen Empfang von den Menschen bekommen – und zwar in jedem Land, in das ich gereist bin. Die Leute waren total offen und haben alles geteilt, was sie hatten. Als ich dann zurück nach Hause kam, ging das gerade mit der Flüchtlingswelle los und ich war schockiert, wie verschlossen viele Leute hier in Deutschland gegenüber den fremden Menschen sind. Das fand ich ungerecht und so habe ich angefangen, in der Flüchtlingsarbeit tätig zu werden.

Warum ist die Wahl auf Sport gefallen? Wieso nicht Musik oder etwas anderes?

Ich würde das eine dem anderen nicht vorziehen. Sport ist logistisch einfach, für Musik brauchst man Instrumente, einen schalldichten Raum und Musiker, die auch Lehrer sind. Sport kann man mit einem Paar gescheiter Schuhe relativ einfach mit anderen machen, das ist länder- und kulturübergreifend.

Neben verschiedenen Sportangeboten haben Sie bisher aber auch schon einiges mehr auf die Beine gestellt…

Ja, wir haben beispielsweise in der Unterführung das neue Graffiti gesprüht, waren in Fulda in der Kletterhalle und in der Brauerei, oder in Merkers. Wir versuchen, die Jungs und Mädels also schon so ein wenig herumzuführen und wollen, wenn das klappt, zum Hessentag auch den Rest der Unterführung „verunstalten“.

Wünschten Sie sich vor Ort mehr Menschen, die sich in derselben Weise engagieren?

Na ja, so lange ich in Wohnungen schaue, wo ein Fernseher flimmert und jemand allein davorsitzt oder Leute in der Stadt rumlaufen und um drei Uhr nachmittags ein Bier trinken, gibt es offensichtlich noch Menschen, die Zeit haben, die sie sinnvoller investieren könnten. Man kann nichts Besseres machen als anderen Menschen zu helfen und so lange die Menschen Zeit haben, sollten sie so etwas machen.

VON KRISTINA MARTH

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