Opfer reicht Täter die Hand 

Beihilfe zum Einbruch: Acht Monate auf Bewährung für 41-jährigen Lagerarbeiter

Wegen Beihilfe zum schweren Einbruchsdiebstahl ist ein 41-jähriger Lagerarbeiter in Bad Hersfeld zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Ungewöhnliche Szene im Gerichtssaal: Nach der Urteilsverkündung ging der Geschädigte auf den Täter zu, streckte die Hand zum versöhnlichen Händedruck aus und wünschte ihm alles Gute.

Vorausgegangen war ein Prozess um einen Wohnungseinbruch in einem Ortsteil von Niederaula, der geschmeidiger kaum hätte verlaufen können: Der Angeklagte war geständig, bereute seine Tat und entschuldigte sich beim Bestohlenen. Der wiederum würdigte ausdrücklich, dass die Einbrecher nur auf Beute aus waren, in der Wohnung jedoch nichts zerstörten.

Was folgte, waren zwei nahezu gleichlautende Anträge von Staatsanwältin Jessica Maier und der Verteidigung sowie ein schnelles Urteil des Schöffengerichts mit seiner Vorsitzenden Silvia Reidt, das auch gleich rechtskräftig wurde.

Ungewöhnlich war allerdings auch die Vorgeschichte zu diesem Prozess: Der Angeklagte, ein damals im Landkreis beschäftigter 41-jähriger Lagerarbeiter aus Polen, war am 3. Oktober 2018 mit einem Komplizen zu dem einsam am Dorfrand gelegenen Haus aufgebrochen, dessen Eigentümer wegen einer Reha-Maßnahme mehrere Wochen abwesend war.

Der Pole stand dann Schmiere, als der Mittäter die Eingangstür aufhebelte und im Innern nach Stehlenswertem suchte. Auch beim Abtransport eines Flachbildfernsehers, eines Laptops, einer Mini-Tastatur, einer Drohne, mehrerer Flaschen Wein und anderer Kleinteile half der Arbeiter.

Die Freude währte jedoch nicht lange: Dank zweier vorsorglich installierter Kameras hatte der Hauseigentümer auf seinem Handy dunkle Gestalten sehen können, die in sein Wohnzimmer leuchteten und daraufhin die Polizei informiert. Die war dann auch sehr flott zur Stelle, erwischte noch auf frischer Tat den Polen und stellte die Beute sicher. Dem Komplizen allerdings gelang die Flucht.

Den Namen des zweiten Mannes behielt der Angeklagte für sich: Repressalien gegen seine Familie seien ihm angedroht worden, begründete er vor Gericht sein Schweigen.

Verurteilt wurde der bislang nicht vorbelastete und heute in Österreich lebende 41-Jährige wegen Beihilfe zum schweren Einbruchsdiebstahl zu acht Monaten Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Des Weiteren muss er 500 Euro bezahlen. ks

Rubriklistenbild: © Daniel Maurer/dpa

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