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In Rotenburg: Bei Streit am Zaun fließt Blut

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Von: Mario Reymond

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Justitia
Eine Statue der Justitia hält eine Waage und ein Schwert in der Hand. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Vater und Sohn treffen sich schließlich vor Gericht wieder

Bad Hersfeld – Ohne als vorbestraft zu gelten, hat jetzt ein 62 Jahre alter Rotenburger das Amtsgericht in Bad Hersfeld verlassen. Das Verfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung gegen ihn wurde nach Paragraf 153a Absatz 2 der Strafprozessordnung und der Auflage, ein Schmerzensgeld in Höhe von 3000 Euro an seinen 83 Jahre alten Vater binnen eines Monats zahlen zu müssen, von Strafrichter Elmar Schnelle eingestellt.

Doch bis dahin war es ein weiter Weg in diesem Prozess, den der Vater als Nebenkläger gegen seinen Sohn führte und der nach einem Polizeieinsatz am 19. Februar 2021 in einem Rotenburger Stadtteil seinen Anfang genommen hatte. Da war ein seit mehr als 20 Jahren schwelender Streit zwischen den beiden, der aus der Zeit des Hausbaus des Sohnes herrührte, eskaliert. Seinerzeit hatte es wohl bezüglich des Baus unterschiedliche Auffassungen zwischen dem jungen Akademiker und seinem Vater – dem Maurer – als helfende Hand gegeben.

Aber zurück zum 19. Februar 2021. Zaun an Zaun wohnend, schippte der Junior an besagtem Februarnachmittag Schnee von seinem Grundstück auf das des Vaters und verschmutzte dabei auch Wäsche auf einem Ständer. Diesen Schnee habe Tage zuvor der Vater von seinem Grundstück auf das des Sohnes geschippt. Aus Boshaftigkeit, wie es der Sohn formulierte. Denn das Tauwasser drang nun in sein Gartenhaus ein, was ihn zu dieser Gegenmaßnahme gezwungen hätte.

Den Vater, der sich ihm am Zaun von hinten näherte, um die Schipp-Aktion seines Sohnes zu unterbinden, will der Angeklagte nicht bemerkt haben. Bei einem schwungvollen Wurf habe er seinen Vater unglücklich mit dem Schaufelblatt am Kopf getroffen, was zu einer tiefen Platzwunde beim Senior führte. Es folgte nun zwischen beiden eine heftige Rangelei um die Schippe. Der Vater trug dabei weitere Verletzungen an den Unterarmen davon. Sein Sohn verdrehte sich beim Sturz das rechte Knie und lädierte sich den Rücken. Beide ließen sich im Rotenburger Kreiskrankenhaus behandeln. Den Vater hatte ein von der Polizei angeforderter Rettungswagen dorthin gebracht. Die Beamten der Polizeistation Rotenburg waren nach der Attacke vom Vater gerufen worden.

Der nun dokumentierte Einsatz der Polizei rief wiederum die Staatsanwaltschaft in Fulda auf den Plan, die Anklage wegen Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung gegen den 62-Jährigen erhob. (Mario Reymond)

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