Wochenend-Kolumne

Zwischen den Zeilen: Bauernopfer, Vorverkauf und Pöbeleien

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Kai A. Struthoff

Um das Wever-Projekt, die Festspiele und pöbelnde Besucher geht es in der aktuellen Wochenend-Kolumne von Kai A. Struthoff.

Es läuft nicht rund in Bad Hersfeld. Als wäre die Corona-Pandemie nicht schlimm genug, drohen jetzt auch noch die wichtigsten Zukunftsprojekte der Stadt zu sterben: Das Wever-Vorhaben scheitert offenbar an einer simplen Halle – dabei steht in Ludwigsau ein ganzes Gewerbegebiet fast leer. Für die Kaufland-Ansiedlung gibt es wohl trotz der jüngsten Charme-Offensive kein grünes Licht, hören wir aus gut unterrichteten Kreisen. Derweil nimmt der Leerstand in der Stadt zu und die Sorgen der Bürger wachsen.

Im Rathaus sucht man die Schuld bei anderen: Die Hessische Bauland-Offensive steht in Sachen Wever öffentlich am Pranger. Hinter den Kulissen sollen aber auch langjährige und verdiente leitende Mitarbeiter abgestraft worden sein. Bauernopfer nennt man das beim Schach, um den König zu schützen ...

Immerhin gibt es gute Nachrichten von unseren Festspielen. Die Kommunalaufsicht hat die von den Stadtverordneten einstimmig verabschiedete Resolution zur Finanzierung der nächsten Spielzeit „als verbindliches Votum“ akzeptiert, obwohl Resolutionen eigentlich als politische Empfehlung mit unverbindlichem Charakter gelten. Eben weil das so ist, hatten Intendant Joern Hinkel und die Kaufmännische Leiterin der Festspiele Andrea Jung zur Sicherheit noch mal im Landratsamt nachgefragt.

Und dort hat man wohl beide Augen zugedrückt. Allerdings schreibt die Aufsichtsbehörde Bad Hersfeld ins Stammbuch, dass die 1,4 Millionen Euro Zuschuss für die Festspiele notfalls durch Einsparungen in anderen Bereichen erzielt werden müssten, um den Haushaltsausgleich und damit die Genehmigung zu erzielen. Die Stadtverordneten sind sich aber einig, dass das gelingen kann.

Und so soll dann auch der Vorverkauf für die Spielzeit 2021 am 10. November beginnen. In der Woche davor wollen die Festspiele bei einer Pressekonferenz Einzelheiten zum Spielplan nennen. Wir sind gespannt.

Auch das Festspiel-Funktionsgebäude geht unterdessen nach vielen Verzögerungen in der ersten Phase des Gestaltungswettbewerbs. Angeblich soll im Januar eine Vorentscheidung fallen – das hat sich zu uns herumgeschwiegen. In dem Neubau sollen die Festspielverwaltung und Teile der Werkstätten untergebracht werden.

Auch unsere Kreiskliniken erleben schwere Zeiten – wegen der Umstrukturierung und wegen Corona. Ich finde es sehr verantwortlich, dass Besucher wegen der Infektionsgefahr nicht mehr zugelassen sind – so bitter das für Patienten und Angehörige ist. Gänzlich inakzeptabel ist aber, dass die Mitarbeiter, die die Eingänge kontrollieren, immer wieder Ziel von Pöbeleien und Aggressionen werden. Das reicht von dämlichen Kommentaren zum Maskentragen über falsch ausgefüllte Anmeldebögen oder Schreibgeräten, die den Kontrolleuren vor die Füße geworfen werden, bis hin zu Drohungen. Leute, Leute, was ist nur los mit unserer Welt? Corona scheint nicht nur die Atemwege, sondern bei einigen auch die Hirnwindungen anzugreifen.

Mit Spannung blicken wir auf Haunetal und Niederaula, wo am 1. November je zwei Kandidaten um den Einzug ins Rathaus ringen. Wir haben alle Bewerber interviewt. Ich habe den Eindruck, dass es alle ehrlich meinen und das Beste für ihre Gemeinden wollen. Die Bürger haben also eine echte Wahl. Wenn Sie noch Fragen an die Kandidaten haben, dann schreiben Sie uns gern. Wir leiten die Fragen und Antworten weiter! (Kai A. Struthoff)

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