Baseballschläger ja oder nein?

Gewalt: Verurteilter Rotenburger Polizist geht in Berufung

Ein ehemaliger Polizist aus Rotenburg hat gegen eine Verurteilung des Amtsgerichts Bad Hersfeld Berufung eingelegt. Jetzt wird der Fall vor der Berufungskammer am Landgericht Fulda wieder aufgerollt.
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Ein ehemaliger Polizist aus Rotenburg hat gegen eine Verurteilung des Amtsgerichts Bad Hersfeld Berufung eingelegt. Jetzt wird der Fall vor der Berufungskammer am Landgericht Fulda wieder aufgerollt.

Gegen ein Urteil des Amtsgerichts Bad Hersfeld hat ein 49 Jahre alter Polizeibeamter Berufung eingelegt. Er war unter anderem wegen Gewalt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden

Gefährliche Körperverletzung, Misshandlung, Freiheitsberaubung, Betrug, Geheimnisverrat – die Liste von Vorwürfen war lang. Vor der Berufungskammer am Landgericht Fulda unter der Leitung von Landgerichtspräsident Dr. Jochen Müller wird der Fall nun noch einmal aufgerollt.

Ziel des inzwischen pensionierten Beamten und seines Verteidigers Hans J. Hauschild ist es, das Strafmaß so weit wie möglich zu reduzieren. Denn bei einer Haftstrafe von mehr als zwölf Monaten kann ein Beamter seine Beamtenrechte verlieren und damit auch alle Pensionsansprüche.

Am Amtsgericht Bad Hersfeld warten zudem weitere Anklagen auf den ehemaligen Polizisten. Wenn er da ebenfalls verurteilt und eine Gesamtstrafe gebildet wird, dann könnte sehr schnell die nächste Grenze von zwei Jahren überschritten sein, ab der keine Bewährung mehr möglich ist und die Haftstrafe abgesessen werden muss.

Ein Schwerpunkt des ersten Verhandlungstages war deshalb die Frage, ob der Angeklagte bei einer gewalttätigen Eifersuchtsattacke am 11. Februar 2019 nur mit den Fäusten zugeschlagen hat oder auch mit einem Baseballschläger. Nachdem der 49-Jährige erfahren hatte, dass seine damals von ihm getrennte, schwangere Freundin ein sexuelles Verhältnis mit einem gemeinsamen Freund hatte, tauchte er bei diesem auf, um ihn wegen seiner Illoyalität zur Rede zu stellen. Als er die deutlich jüngere Frau auf dem Sofa in der Wohnung des Bekannten entdeckte, rastete er aus und traktierte den Nebenbuhler mit Fäusten.

Dem gelang es, sich zu befreien und einen Baseballschläger zu holen, mit dem er nun seinerseits den Angreifer attackierte. Für den kampfsporterprobten Polizisten war es ein Leichtes, dem Kontrahenten den Baseballschläger abzunehmen. Er gab an, das Sportgerät anschließend zu Boden geworfen zu haben. Der verprügelte Liebhaber berichtete jedoch von mehreren Schlägen mit dem schmalen Ende des Baseballschlägers auf den Kopf. Das wäre dann gefährliche Körperverletzung und mit entsprechend höherem Strafmaß bedacht.

Zahlreiche Zeugen, mit denen der Angeklagte nach der Tat gesprochen hatte, wurden nun ausführlich von Richter Müller, Oberstaatsanwalt Holger Willanzheimer, Verteidiger Hans J. Hauschild und Nebenklagevertreterin Daniela Morbach befragt und machten widersprüchliche Angaben. Die einzige direkte Zeugin ist inzwischen mit dem Angeklagten verlobt und wird wohl von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen.

Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt. (Christine Zacharias)

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