Erstes Konzert nach 25 Jahren

Balance of Power rocken das Jugendhaus: Die Wut ist immer noch da

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Kraftvolle Klänge bereitet die Band Balance of Power für ihre Reunionshow in Originalbesetzung beim Weihnachts-Konzert im Bad Hersfelder Jugendzentrum vor. Unser Bild zeigt – im Probenraum von links – Harald Bäz, Christoph Hochberger, Martin Kühnel und Andreas Heinz.

Beim Weihnachtskonzert im Bad Hersfelder Jugendhaus am Samstag, 21. Dezember, meldet sich die Hardcore-Band Balance of Power zurück. Mit ihrem ersten Auftritt seit 25 Jahren.

Für manch einen sind sie lokale Helden der eigenen musikalischen Adoleszenz – für andere ist das, was sie machen, bestenfalls noch energiegeladener Krach: Die Bad Hersfelder Gruppe Balance of Power hat sich 25 Jahre nach ihrer Trennung wieder zusammengefunden und lässt den Punk abgehen, als hätte sie ihre Instrumente erst gestern beiseite gestellt.

„Im Kühlschrank liegt jetzt überwiegend alkoholfreies Bier – das hätt’s früher nicht gegeben“, sagt Gitarrist Martin Kühnel und lacht. Im Probenraum herrscht entspannte Stimmung. Eine Couchecke mit gemütlichen Sesseln, auf dem Tisch ein Aschenbecher – alles da, was der in die Jahre gekommene Punkrocker – alle sind inzwischen Ende 40 – so braucht. Das war‘s dann aber auch schon mit der Kokettiererei über das Alter. Spätestens, wenn Martin Kühnel und Jochen Pfahl in die Saiten ihrer Gitarren greifen, die ersten Riffs schneidend in höllischer Lautstärke den Probenraum erfüllen, der zwar gedämmt ist aber dessen schwarze Schaumstoffpolster an der Tür dem dargebotenen Lärmpegel in keinster Weise stand halten – und Chris Hochberger auf die Drums eindrischt, als gäbe es kein Morgen, dann ist sie wieder da, die besondere Energie dieser Band. Und das wie früher. Der wütende Gesang von Andreas Heinz und der druckvolle Bass von Harald Bäz tun ihr Übriges.

Ja, sie können es noch. Sind sogar noch besser geworden – musikalisch gereift, könnte man sagen. Da spielen keine alt gewordenen Jungs ihre Songs runter, wie ZZ Top beim Bad Hersfelder Hessentag. Wer bei Balance of Power die Augen schließt, kann auf Zeitreise gehen, in die eigene musikalische Vergangenheit. Auf eine der legendären Röderweg-Partys in Weiterode zum Beispiel, wo die Band es vermochte vor rund 30 Jahren die Hütte mit ihrer Musik zu später Stunde völlig zu eskalieren. Die alte Wut – sie ist noch immer da.

Wer darauf Lust hat, hat dazu am Samstag, 21. Dezember, Gelegenheit. Denn an diesem Termin werden Balance of Power ab 19 Uhr ihr erstes öffentliches Konzert nach 25 Jahren geben. Und das an gleicher Stelle, wo die Band bereits 1988 eins ihrer ersten Konzerte gegeben hat. Damals mit von der Partie waren die legendären Bates – die gerade ihr erstes Album veröffentlicht hatten und zu diesem Zeitpunkt selbst noch relativ unbekannt waren.

Vor 25 Jahren entstand dieses Bild der Band, das – von links – Christoph Hochberger, Martin Kühnel, Harald Bäz, Andreas Heinz und Jochen Pfahl im Jahr 1994 zeigt. Foto: Privat /  nh

Im Jugendhaus entstand auch die Idee, die Gruppe wieder zusammenzubringen. Beim Konzert der Bad Hersfelder Thrashmetal-Band „Kill Authority“, die im September 2017 beim 40-Jahre-Juze-Geburtstagskonzert mit am Start war, trafen sich Christoph Hochberger und Andreas Heinz und beschlossen, es mit Balance of Power auch selbst nochmal anzugehen. Noch in der Nacht wurden die anderen Bandmitglieder mit Nachrichten bombardiert und dann ging alles ganz fix.

Seitdem wurde eifrig geprobt, damit die wiedervereinigte Originalbesetzung beim Weihnachtskonzert im Juze an alte Erfolge anknüpfen kann. „Skinhead – no way“ hieß 1991 ihr erstes Demo-Tape und war zu der Zeit, als in Hoyerswerda, Lichtenhagen und andernorts Rechtsradikale Asylantenheime anzündeten, auch ein Statement gegen Rechts. „Damals war zwar eher die ewige Auseinandersetzung mit den ortsansässigen Faschos und unsere Wut auf die Rechten gemeint“, sagt Hochberger. „Umso trauriger ist es, dass wir in Deutschland 30 Jahre später den Faschismus im Bundestag sitzen haben und die Situation einfach zum Kotzen ist“, fügt Andreas Heinz hinzu. Nazi-Aufmärsche in Wunsiedel, Anschläge in Lichtenhagen oder Hoyerswerda – schon damals sei er überall hingefahren, um gegen die Rechten Flagge zu zeigen „und aufzuräumen“, wie Heinz es nennt.

Heute in Aktion: Jochen Pfahl, der heute Jochen Garthof heißt, an der Gitarre und Harald Bäz am Bass. Foto: Andreas Müller / nh

Was damals die Skinheads auf der Straße waren, seien jetzt die AfD und die terroristischen Rechten, „die noch viel gefährlicher sind“, sind sich die Bandmitglieder einig. Der Spaß an der Musik sei allerdings der Hauptauslöser für ihre Reunion gewesen – „wir wollen das Politische mal nicht überhöhen“, erklärt Hochberger. Aber gerade angesichts der aktuellen Ereignisse sei ihnen auch die politische Botschaft sehr wichtig: „Punkrock ohne Politik ist zwar möglich – aber sinnlos“, sagt Heinz.

Für ihr erstes Konzert nach 25 Jahren hat die Band für die heimische Fanszene und darüber hinaus auch eine Überraschung geplant: ihre alten Songs, die es auf zwei Demo-Tapes bislang nur auf Musikkassetten gab, wollen sie in digitaler Form neu herausbringen, auf CD brennen und verkaufen. „Wir freuen uns riesig auf die Show“, sagt Harald Bäz.

Mit dabei als „very special Guests“ werden auch „Kill Authority“ sein. Die Thrashmetal- und Hardcore-Band aus Bad Hersfeld wird als „Geburtshelfer“ ihrer Wiedervereinigung den Konzertabend im Juze eröffnen.

Einem noch größeren Publikum wird sich Balance of Power im kommenden Jahr beim Haune-Rock-Festival im Sommer präsentieren: Am Samstag, 11. Juli, wird die Band das Programm als erste Gruppe des Abschlusstages eröffnen und ein 45-minütiges Set abfeuern. Auch ihre beiden Hymnen „I am me“ und „Skinhead – no way“ werden dann sicher wieder dabei sein.

Hintergrund: Band spielt aggressiven Hardcore-Punk der alten Schule

Die Band Balance of Power wurde 1987 von Jochen Pfahl (Gitarre) und Christoph Hochberger (Drums, Gesang) gegründet. Schnell stießen ihre Kumpels Martin Kühnel (Gitarre) und Harald Bäz (Bass) dazu. Die Bandmitglieder waren allesamt von Punk, Hardcore und Heavy Metal begeistert. Also schepperte man ohne jede Erfahrung drauflos und hatte viel Spaß. 1991 spielte die Urbesetzung – noch ohne Sänger Andreas Heinz – das Debut-Demotape „Skinhead – no way“ ein. Dieses wurde innerhalb kurzer Zeit in Bad Hersfeld, der Heimatstadt der Band, bekannt und beliebt. Vor allem der Song „I am me“ begeisterte viele neue Fans. Schnell durfte die Band neben vielen Clubgigs auch größere Bühnen entern. Zu dieser Zeit kam der Hauptgesang noch von Christoph Hochberger, der Drums spielte und sang. Doublebass und Kuhglocke waren Elemente, die die Fans immer forderten. 1992 / 93 folgte das Demotape: „DOOWUTCHYALIKE“. Songs wie: „Got a Problem“, „Dead loosing homeboy“ und „Psycho“ ließen die Band immer mehr Fahrt aufnehmen. Das Tape wurde im Studio noch von Chris eingesungen, live aber bereits von Andreas Heinz performt, der zu dieser Zeit als Hauptsänger zur Band stieß. Von nun an ging es auch überregional zur Sache. Neben Konzerten in Rotenburg, Bebra und Eschwege spielte die Band beispielsweise auch in Nürnberg. Die größten Gigs der Gruppe fanden im Vorprogramm von Rykers, Tankard, The Bates und The Notwist statt. 1994 löste sich die Band wegen Unstimmigkeiten auf. Am Samstag, 21. Dezember, wird die Gruppe ihre Reunionshow in Originalbesetzung im legendären Jugendhaus in Bad Hersfeld spielen. Balance of Power stehen für englischsprachigen, tempogeprägten, aggressiven Hardcore-Punk der alten Schule, der mit Metal-Elementen garniert ist. Hartes Riffing, treibende Drums und wütender Gesang bestimmen die Musik der Band.

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