70. Bad Hersfelder Festspiele

Der vielschichtige Rock-Tenor: Mischa Mang ist nicht nur Mephisto

Das Bild zeigt Mischa Mang in der Siftsruine.
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Zum zweiten Mal bei den Bad Hersfelder Festspielen: Mischa Mang spielt unter anderem den Mephisto im Musical „Goethe“.

Mischa Mang macht Metal-Musik, singt in Musicals und spielt Theater. Bei den 70. Bad Hersfelder Festspielen ist er in „Goethe!“ zu erleben.

Bad Hersfeld – Tretbootfahren auf der Fulda, mit einem eigens angeschafften Moped durch die schöne nordhessische Landschaft düsen, lange Nächte mit Kollegen auf der Wiese zwischen Stiftsruine und Kantine. Mischa Mang hat viele schöne Erinnerungen an Bad Hersfeld. Er war im Jahr 1997 schon einmal bei den Festspielen engagiert und spielte damals den Eddie in der „Rocky Horror Show“.

„Die Fotos von damals sind alle im Familienalbum“, erzählt Mischa Mang. Wenn er wieder zu Hause in Berlin ist, will er sie alle noch mal ansehen.

In diesem Jahr ist Mischa Mang gleich in mehreren Rollen im Musical „Goethe!“ zu sehen, als Kammermeier, Professor, Kutscher, Postler und – besonders eindrucksvoll – als Mephisto. Das erfordert häufige Kostümwechsel, die teilweise sehr schnell gehen müssen. Also trägt Mang mehrere Kostüme übereinander. Wenn er dann den schweren roten Umhang als Mephisto um hat und das Geweih auf dem Kopf trägt und über das Gerüst nach oben auf die Guckkastenbühne klettern muss, ist das eine echte Herausforderung, erzählt Mang. Nicht ganz einfach ist es zudem, mit dem Geweih auf dem Kopf durch den Vorhang zu gucken.

Das sei überhaupt erst möglich geworden, nachdem Regisseur Gil Mehmert im Eigenversuch festgestellt hatte, dass es tatsächlich nicht möglich ist, den Vorhang zu öffnen und den Kopf mit dem Geweih in der ursprünglichen Größe hindurchzustecken. Erst nach einer Verkleinerung des Kopfputzes gelang das.

Mischa Mang als Mephisto im Musical „Goethe!“.

Es sind vor allem die schrägen, oft auch die bösen Rollen, die es Mischa Mang angetan haben. Achtmal hat er zum Beispiel schon den Judas in „Jesus Christ Superstar“ gespielt. „Man muss schon ziemlich gut sein, um böse werden zu können“, meint Mang und lacht. Es ist ihm ein Anliegen, seine Figuren mehrschichtig anzulegen und sie mit all ihren Facetten zu zeigen.

Zwischendurch macht es ihm aber auch sehr viel Spaß, einmal den Helden zu spielen, zum Beispiel den Scarlett Pimpernell. „Es ist eine schöne Erfahrung, wenn man vom Publikum geliebt wird.“

Zum Musical kam Mischa Mang über die Rockmusik. Er war Sänger in mehreren Berliner Rockbands. Als für das Musical „Hair“ in Glasgow ein Berger gesucht wurde und schwer zu finden war, schlug sein damaliger Bandleader ihn vor. Mang überzeugte und bekam die Rolle.

Danach beschloss der gelernte Mechaniker, die Kunst zum Beruf zu machen. Ganz kurzfristig bewarb er sich an der Hochschule der Künste in Berlin, wo er während der Aufnahmeprüfung mit einer Eigenkomposition überzeugte und die Rolle des Sosias in „Amphytrion“ über Nacht auswendig lernte. Er wurde als Stipendiat der Hochbegabtenstiftung aufgenommen. Danach ging es nahtlos mit zahlreichen Musical-Rollen weiter. „Ich bin jetzt seit 30 Jahren unterwegs. Da will ich gerne mal irgendwo bleiben“, sagt Mischa Mang, der im Frühjahr zum zweiten Mal Vater geworden ist.

In der Nähe von Berlin hat er ein altes Fachwerkhaus gekauft, das er gerade, wenn er Zeit und Geld hat, umbaut. Das könnte dieser Ort zum Bleiben werden. Bis es aber so weit ist, hat Mischa Mang noch viel vor. Zunächst geht er nach Hamburg, wo er am Winterhuder Fährhaus ein Schauspiel-Engagement hat. Es reizt ihn, auch mal wieder als Schauspieler zu arbeiten.

Aber auch Musicals will Mischa Mang gerne weiterhin machen. Am liebsten, so sagt er, mit Gil Mehmert, weil ihm dessen Arbeitsweise und sein hoher künstlerischer Anspruch gut gefallen. Auf das Engagement bei „Goethe!“ in Bad Hersfeld sei er deshalb richtig heiß gewesen, sagt Mang. Wie Philipp Büttner kennt er das Stück bereits seit 2017, als Mehmert es an der Folkwang-Universität mit Studenten erarbeitete. „Das packt einen sofort“, sagt er.

Und dann macht Mischa Mang weiter Musik, Progressive Metal, zurzeit mit der Band „Kaisers Bart“. Seine Solo-CDs bieten überdies auch Hörbares für Nicht-Metal-Fans. Wenn alle Stricke reißen, hat Mang immer noch seine handwerklichen Fähigkeiten, auf die er zurückgreifen kann – so, wie er es auch während des Lockdowns tun musste. (Christine Zacharias)

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