Standpunkt

Finanzmisere der Bad Hersfelder Festspiele: Das Versagen der  Stadtpolitiker

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Karl Schönholtz

Wie viel Vertrauen haben Stadtpolitiker verdient, die das kulturelle Aushängeschild Bad Hersfelds in öffentlicher Sitzung derart niedermachen? Das fragt sich unser Kolumnist.

Wenn der Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung in bisher nicht gekannter Weise auf die eigenen Festspiele eindrischt und von verloren gegangenem Vertrauen spricht, dann beschleicht den neutralen Beobachter das ungute Gefühl, dass hier eher umgekehrt ein Schuh draus wird: Wie viel Vertrauen haben Stadtpolitiker verdient, die das kulturelle Aushängeschild Bad Hersfelds in öffentlicher Sitzung derart niedermachen und dabei auch im menschlichen Miteinander den Anstand vermissen lassen?

Das, was sich bei der Sitzung am Donnerstagabend abgespielt hat, würde im privaten beruflichen Umfeld wohl als Mobbing bezeichnet. Das Versagen ist dabei nicht alleine dem Vorsitzenden Böhle mit seinen maßlosen Anschuldigungen anzulasten, sondern all jenen, die dazu geschwiegen haben.

Dieser Vorwurf trifft in erster Linie Bürgermeister Thomas Fehling, von dem man zumindest hätte erwarten dürfen, dass er moderierend eingreift, wenn er sich schon nicht vor seine Leute stellt. Es gibt schließlich so etwas wie eine Fürsorgepflicht des Arbeitgebers für sein Personal. Einfach nur zuzuschauen, wie jemand öffentlich demontiert wird, das ist – mit Verlaub – erbärmlich.

Auch rein sachlich hat die Debatte um das Festspiel-Defizit ein Geschmäckle: Waren es früher die zu hoch angesetzten und dann nicht erfüllten Einnahmeerwartungen, die unter dem Strich ein Minus ergaben, so hat Andrea Jung gerade hier für Redlichkeit gesorgt: Die Einnahmen durch den Ticketverkauf entsprechen im Wesentlichen der Kalkulation.

Weil der städtische Zuschuss schon seit einiger Zeit regelmäßig von den beantragten 1,8 auf 1,4 Millionen Euro reduziert wird, fehlt den Festspielen allerdings der Puffer für Unerwartetes – was sich genauso regelmäßig durch Fehlbeträge auswirkt, die dann jeden Herbst in den politischen Gremien thematisiert werden.

Unterm Strich steht ein erschreckend sorgloser, jetzt sogar bösartiger Umgang der Stadtpolitik mit den Festspielen und ihren Führungskräften. Der angerichtete Schaden ist immens.

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