BAD HERSFELDER FESTSPIELE

Gil Mehmert über „Goethe!“: Verliebt wird jeder zum Poeten

Gil Mehmert sitzt barfuß auf einer Bank vor dem an die Stiftsruine angrenzenden Verwaltungsgebäude.
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Gil Mehmert inszeniert das Musical „Goethe!“ bei den Bad Hersfelder Festspielen. Er ist gerne barfuß, weil das erdet. Das komplette Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuzchen oben rechts klicken.

Für Gil Mehmert ist es bereits der zehnte Sommer in Bad Hersfeld. In diesem Jahr inszeniert er in der Stiftsruine das Musical „Goethe!“.

Bad Hersfeld – Ein Musical über eine bedeutende deutsche Persönlichkeit sollte es werden. Im Gespräch waren Franz Beckenbauer, Boris Becker, Steffi Graf und – „Gott sei Dank“ – Goethe, erzählt Gil Mehmert. Nicht, dass er Probleme damit hätte, ein sportliches Thema in ein Musical zu verwandeln. Er hat unter anderem das Buch geschrieben für das Erfolgsmusical „Das Wunder von Bern“, das jahrelang in Hamburg gefeiert wurde. Jetzt also „Goethe!“.

Auch hier diente ein Film von Philip Stölzl als Vorlage. Musik und Text stammen von Martin Lingnau und Frank Ramond. Die Uraufführung wird am 3. Juli um 21 Uhr Premiere bei den Bad Hersfelder Festspielen haben. Regie führt Gil Mehmert.

Das Stück zeigt einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben des jungen Goethe. Die Zuschauer erleben ihn als stürmenden und drängenden Möchtegerndichter, der an seinem Jurastudium scheitert, vom Vater ans Reichskammergericht Wetzlar geschickt wird und sich dort in die bezaubernde Charlotte Buff verliebt, die sich aber für Goethes gut situierten Vorgesetzten Kestner entscheidet.

Goethe ist verzweifelt, denkt gar über den Freitod nach – einen Weg, den sein Freund Jerusalem aus verschmähter Liebe wählt –, entscheidet sich dann aber, sein Liebesleid literarisch zu verarbeiten und schreibt „Die Leiden des jungen Werther“, die ihn schließlich zu einem gefeierten Schriftsteller machen, fast schon zu einer Art Popstar. Gil Mehmert und der musikalische Leiter Christoph Wohlleben wollen diesen wichtigen Abschnitt aus Goethes Leben als Pop-Geschichte erzählen – mit kurzen Textpassagen zwischen den Songs, denen Mehmert allesamt Hit- und Ohrwurmpotenzial bescheinigt. Neben romantischen Szenen werde es auch ordentlich „Remmidemmi“ auf der Bühne geben, überraschende Choreografien und „hochdramatische Szenen“. Mehmert ist überzeugt davon, dass dem Publikum keine Minute langweilig sein wird.

Das Musical werde, wie auch der Film, keine detailgetreue Lebensgeschichte sein, sondern solle neugierig machen auf den Dichter, gerade auch jüngere Menschen, sagt der Autor und Regisseur. „Jeder wird zum Poeten, wenn er verliebt ist“ und wenn unglückliche Liebe in Literatur umgewandelt werde, sei das ein Plädoyer für Kreativität und Kultur. Anders als im Film wird es im Musical wohl auch ein wenig mehr Original-Goethe geben – mit Passagen aus dem Werther.

Die Kostüme, so erklärt Mehmert, werden inspiriert sein von der Goethe-Zeit, aber auch modern – eine Art Rokoko-Pop. Beim Bühnenbild soll viel mit Scherenschnitten gearbeitet werden.

Die Hauptrollen in dem Musical singen, spielen und tanzen Abla Alaoui und Philipp Büttner. Mehmerts Frau Bettina Mönch habe erstens keine Zeit gehabt, die Rolle der Lotte sei aber auch nicht wirklich ihr Ding, erklärt er. Obwohl die beiden in Bad Hersfeld schon oft zusammengearbeitet haben, zum Beispiel bei „Hair“ oder „Cabaret“ sieht Mehmert es nicht als zwangsläufig an, dass seine Partnerin in seinen Stücken spielt. Für ihn ist es der zehnte Sommer in Bad Hersfeld. (Christine Zacharias)

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