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Pop-Sängerin Cassandra Steen trat in der Stiftsruine auf

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Von: Kim Hornickel

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Stimmgewaltig: Cassandra Steen begeisterte bei ihrem Konzert in der Stiftsruine. Dabei trafen glockenklare hohe Töne auch tiefe, die von ganz unten aus dem Bauch kamen.
Stimmgewaltig: Cassandra Steen begeisterte bei ihrem Konzert in der Stiftsruine. Dabei trafen glockenklare hohe Töne auch tiefe, die von ganz unten aus dem Bauch kamen. © Steffen Sennewald

Damit hatte wohl kaum ein Zuschauer in der Stiftsruine gerechnet – der Star des Abends sah gar nicht glamourös aus.

Bad Hersfeld - Beim Konzert am Freitagabend kam Cassandra Steen im grauen Stretchkleid und mit leichten Füßlingen. Die Haare zu einem tiefen Pferdeschwanz gebunden, spazierte die 42-Jährige auf die Bühne.

Ein etwas schüchtern wirkendes Winken und dann legte Steen gleich mit dem ersten Lied los. „Ich lasse jetzt los“, sang sie, aus dem Album „Mir so nah“, aus dem Jahr 2011. Zartes rosafarbenes Licht umspielte die Sängerin dabei. Steen schloss beim Singen die Augen, manchmal schaute sie auf den Bühnenboden, zwischendurch lächelte sie die Zuschauer oder die Band an. Die Sängerin sammelte Sympathiepunkte beim Publikum. Ihre Lieder bewegten die Zuhörer.

Durch alle Stimmlagen nahm Steen ihr Publikum mit. Glockenklare Gesangseinlagen trafen tiefe Alt-Töne, „die ganz unten aus dem Bauch kommen“, erklärte Steen und sang weiter. Einmal begleitete sie nur das Keyboard, einmal sang sie im Duett mit Bassist Julian Elsesser.

Ihr Publikum klatschte zwar nach jedem Lied begeistert, aber Steen schaffte es erst nach einer Aufwärmphase, die Zuhörer von den Stühlen zu reißen. Zu Anfang hatten die Zuschauer noch einige Probleme, die Liedtexte und die immer wieder eingeschobenen Erklärungen der Sängerin zu verstehen, denn Steens Stimme wurde immer wieder von den Instrumenten übertönt.

Die Musiker änderten ihre Strategie und Steens Worte wurden klar, sie erzählte von ihrer Zeit bei der Fernsehserie „The Masked Singer“. Erste Jubelrufe schallten von den Zuschauer-Tribünen, als Steen das Erfolgslied „Angel“ von Sarah McLachlan aus der ProSieben Ausstrahlung anstimmte. Das Publikum war begeistert.

Gefühlvolle, langsame Liedzeilen und Töne sind Steens Markenzeichen. Lieder über die Liebe, Verluste und das Loslassen – Steen berührte das Publikum in der Stiftsruine und stimmte ein besonders trauriges Lied an. „Das habe ich geschrieben, als ich eine Freundin verloren habe“, sagte die Sängerin. „Doch hinterlässt du eine Lücke, die niemand erfüllt in mir“, sang Steen in dem Lied „Unendlich“. Die Liedzeilen bewegten eine der Zuschauerinnen besonders. „Ich habe auch eine Freundin verloren“, sagte eine junge Frau, die lieber anonym blieb.

Nach den traurigen Tönen war es wieder Zeit für gute Laune. Steen spielte „Unter die Haut“, „Darum leben wir“ und den Hit „Stadt“, den sie einst mit Sänger Adel Tawil aufnahm. Damit war das Eis gebrochen und die Zuschauer in der Stiftruine hielt es nicht mehr auf ihren Plätzen. Sie sangen lauthals mit und tanzten in den Stuhlreihen. Steen stimmte eine Zugabe nach der anderen an.

„Ihre Stimme hat uns umgehauen, und dabei war sie so natürlich, das war kein Star-Auftreten“, stellten die Freundinnen Lena König und Julia Nattmann aus Schenklengsfeld nach dem Konzert fest. Und Zuschauerin Melanie Viol aus Neuenstein erklärte: „Ich habe schon viele Konzerte in der Stiftsruine besucht, aber das war das beste von allen.“

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