Lampenfieber gehört dazu

Schüler spielen im Familienmusical die Hauptrollen

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Nachwuchs-Schauspieler: (von links) Diyar Ilhan, Mira Reining, Mira Schäfer, Lara Hildebrand, Kim i Hübbe, Lara-Luisa Rühl und Paul Rümann spielen im Familienmusical der Bad Hersfelder Festspiele die „Detektive“.

Bad Hersfeld – „Parole Emil“ – dieser Ausspruch ist im Familienmusical der Bad Hersfelder Festspielen allgegenwärtig.

„Unsere Mitschüler waren schon ein bisschen genervt, wenn wir in der Klasse die Texte geprobt haben“, erzählen Lara Hildebrand und Mira Schäfer lachend. Die beiden Elfjährigen spielen in „Emil und die Detektive“ im Wechsel die Rollen der „Professorin“ und „Elenor“. So wie die beiden Ludwigsauerinnen, sind auch die meisten anderen Mitglieder des knapp 40-köpfigen Ensembles keine professionellen Schauspieler, sondern Kinder und Jugendliche aus der Region, die nicht etwa nur als Statisten auf der Bühne der Stiftsruine stehen, sondern auch Hauptrollen singen und spielen.

Für die meisten Nachwuchsdarsteller ist ihr Auftritt bei den Bad Hersfelder Festspielen nicht die erste Bühnenerfahrung. Emil-Darsteller Paul Rümann etwa ist Mitglied im Schulchor und in der Musical-AG des Fuldaer Domgymnasiums. Beim Fuldaer Musicalsommer hat der Zwölfjährige aus Kalbach bereits in der „Medicus“ und „Die Schatzinsel“ mitgespielt. Lara-Luisa Rühl aus Oberhaun – zu sehen als Gustinchen oder Maxim – tanzt seit ihrem dritten Lebensjahr Ballett und war zwei Jahre an der Schauspielschule Task in Frankfurt. Wie weitere Jugendliche im Ensemble gehört sie zu den Bad Hersfelder Sommernachtsträumern, spielte unter der Leitung von Joern Hinkel in „Der Herr der Fliegen“, im Projekt „Künste öffnen Welten“ und in der Vitalisnacht-Aufführung.

Ebenfalls die Rollen der Detektive Gustav oder Maxim schlüpft im Wechsel der 17-jährige Diyar Ilhan aus Alsfeld, der erste Theatererfahrungen bereits als siebenjähriger bei der Alsfelder Marktspiel-Gruppe sammelte. Nach Workshops an der Schauspiel-Schule Task in Frankfurt hat der Elftklässler inzwischen erste Erfahrungen vor der Fernsehkamera gemacht.

Bei einem Casting hatten die Nachwuchsdarsteller neben ihrem schauspielerischen auch ihr gesangliches Talent unter Beweis stellen müssen. Für die Festspiel-Vorbereitung haben die Schüler fast ihre gesamten Sommerferien geopfert. „Eine Woche hatten wir aber frei“, berichtet Paul Rümann. Ganze Tage nahmen die Proben ebenfalls nicht in Anspruch. Denn wie lange minderjährige Darsteller auf der Bühne stehen dürfen sei streng geregelt. „Die Jugendschutz-Auflagen werden selbstverständlich eingehalten“, betont Festspiel-Pressesprecherin Ina Rumpf.

Singen, tanzen, spielen und dabei die zahlreichen Koffer zum Bühnenbild arrangieren – dabei gehe in den Vorstellungen auch schon mal etwas schief, berichten die Nachwuchs-Festspieler. „Wir verraten aber nicht, was. Die Zuschauer merken es meistens nicht“, sagt Paul Rümann augenzwinkernd. Nur so viel: Die Umbau-Choreografien folgten zwar festen Regeln, es komme aber weniger darauf an, welcher Koffer an welchem konkreten Platz stehe.

Kimi Hübbe flitzt sogar auf Rollschuhen über die Festspielbühne. „Vorher bin ich nur ein paarmal mit Inlineskates gefahren“, berichtet der Eiterfelder, der in seiner Heimatgemeinde in der Garde tanzt – als einziger männlicher Tänzer seit vielen Jahren.

Für die Vorstellungen werden Schüler vom Unterricht freigestellt. Zwischen den hauptsächlich von Schulklassen besuchten Vormittagsvorstellungen unter der Woche und den Nachmittagsvorstellungen mit höherem Erwachsenenanteil haben die Jugendlichen deutliche Unterschiede ausgemacht: Während die Kinder bei den lustigen Szenen mehr lachten, gebe es von den Erwachsenen am Ende mehr Applaus.

„Nach dem Lied Detektive gesucht wollten heute sogar Kinder aus dem Publikum mit auf die Bühne“, berichtet Lara-Luisa Rühl lachend. „Die Leute zum Lachen oder zum Weinen zu bringen“, das macht für Mira Reining, die den kleinen Dienstag spielt, den besonderen Reiz des Theaterspielens aus. Schauspieler oder Musicaldarsteller zählen zu den Berufswünschen der meisten „Detektive“. Kimi Hübbe sieht hingegen seine berufliche Zukunft zwar eher jenseits der Theaterbühne. Auch er würde aber im kommenden Jahr gerne wieder bei den Festspielen mitwirken.

Das Lampenfieber ist bei den „Detektiven“ unterschiedlich ausgeprägt. In den letzten Sekunden vor der Vorstellung sei er schon ein wenig aufgeregt, gesteht Paul Rümann.

Ein wenig Bauchkribbeln gehört auch für die meisten anderen „Detektive“ dazu – insbesondere, wenn im Publikum die eigenen Klassenkameraden sitzen.

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