Bad Hersfelder Festspiele

"Nipplejesus": Erstes Solo in der Kapelle

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Noch wird geprobt: Schauspieler Andrés Mendez und Dr. Bettina Wilts, die "Nipplejesus" inszeniert, arbeiten vor Ort am Text. Erstmals wird ein Stück in der Kapelle des Museums im Stift gezeigt.

„Dieser Raum ist einfach perfekt für das Stück“, sagt Andrés Mendez, der bei den Bad Hersfelder Festspielen ab 27. Juli für „Nipplejesus“ auf der Bühne stehen wird.

Allerdings wird es für das Stück weder eine klassische Bühne geben, noch weitere Darsteller. Das Ein-Mann-Stück wird im Museum im Stift gezeigt, und zwar in der Kapelle im ersten Stock, die nicht mal allen Hersfeldern bekannt ist. Erstmals wird damit im 69. Jahr des Theaterfestivals dort eine Aufführung stattfinden. 

Auf die Idee sei man bei der Suche nach neuen Orten und Möglichkeiten für das Rahmenprogramm gekommen, berichtet Pressesprecherin Ina Rumpf. 40 Plätze gibt es in der Kapelle, Karten sind noch erhältlich.

Andrés Mendez spielt den ehemaligen Türsteher Dave, der in einem Museum ein sehr provokantes Kunstwerk bewacht: Nipplejesus, eine aus pornografischen Bildern bestehende Christus-Collage. Die Inszenierung übernimmt Dr. Bettina Wilts. Mit kleinen Bühnen und der Nähe zum Publikum hat Mendez bereits Erfahrung, aber: „Das ist mein erstes Solo“, sagt der Schauspieler, der auch als Synchronsprecher arbeitet. Von daher sei diese Rolle durchaus aufregend und spannend. 24 Seiten Text hat er zu lernen und bei seinem Monolog keine Kollegen, die ihm Stichworte liefern. Was passiert, wenn er mal hängen bleibt? „Das sollte und darf nicht passieren“, so Mendez. „Und wenn doch, muss ich improvisieren.“ Gut lernen lasse sich der Text jedenfalls.

In neuer Rolle: Dietmar Wolf, technischer Leiter der Bad Hersfelder Festspiele, arbeitet an dem Kunstwerk für „Nipplejesus“, das noch streng geheim ist. Ob dieses Rohr etwa damit zu tun haben könnte? ... Das komplette Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuzchen oben rechts klicken.

Mendez und Wilts wollen versuchen, den kleinen Raum gut zu nutzen. Geprobt wurde von Anfang an vor Ort, aber immer nur dann, wenn das Museum geschlossen ist. „Das wird etwas Besonderes, Spektakuläres“, verspricht die Regisseurin und betont mit Blick auf entsprechende Gerüchte außerdem, dass es „keinen Porno im Museum“ geben werde.

Einige der Requisiten sind bereits vorhanden, was noch fehlt, ist Mendez’ Outfit und streng geheim ist vor allem eines noch: das Kunstwerk, Nipplejesus. An einer Skulptur arbeitet derzeit außerdem noch Dietmar Wolf, eigentlich technischer Leiter der Festspiele, aber mit einem Faible und einem Händchen für Kunst, wie die Kolleginnen verraten.

Was Mendez alias Dave selbst von einem solchen Kunstwerk halten würde? „Ich hätte es möglicherweise sogar gut gefunden“, sagt der Schauspieler. In der heutigen Zeit sei es vermutlich nicht besonders verwerflich, meint er, was aber vielleicht auch daran liegen könne, dass er weder besonders religiös noch pornografieerfahren sei. Die Rolle des ehemaligen Türstehers passt zumindest insofern, als dass er Kampfsport betreibt und länger in der Gastronomie gearbeitet hat. „Da kann ich sicher drauf zurückgreifen.“

VON NADINE MAAZ

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