Festspiele

Natalja Joselewitsch spielt trotz eines gebrochenen Arms Theater

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Den Gips trägt sie nur in der Freizeit: Schauspielerin Natalja Joselewitsch hat sich drei Tage vor der Wiederaufnahme den Arm gebrochen. Sie spielt die Viola de Lesseps in „Shakespeare in Love“.

Bad Hersfeld – Einen bühnenreifen Überschlag mit dem Fahrrad hat Natalja Joselewitsch am vergangenen Mittwoch hingelegt – nur, dass es kein Stunt war, sondern ein Unfall.

„Zuerst war ich nur erleichtert, dass nichts passiert ist“, erzählt die Schauspielerin, die in der gefeierten Komödie „Shakespeare in Love“ die Viola de Lesseps spielt. In der Generalprobe am Abend habe sie noch Witze gemacht über ihren Sturz, obwohl sie da schon gemerkt habe, dass doch nicht alles in Ordnung war.

Ein Arztbesuch am nächsten Tag brachte Gewissheit. Der Arm war gebrochen, die Premiere der Wiederaufnahme am Samstag in Gefahr.

Der Gedanke, nicht aufzutreten, kam Natalja Joselewitsch aber überhaupt nicht. „Ich wollte unbedingt spielen“, sagt sie. Also ging es darum, einen Weg zu finden, den gebrochenen Arm so zu schützen, dass der Auftritt gefahr- und schmerzlos möglich war. In Absprache mit den Ärzten trägt Natalja Joselewitsch die starre Schiene nur in ihrer Freizeit. Auf der Bühne hat sie einen hautfarbenen Verband, der zum einen den Arm ein wenig stabilisiert, zum anderen aber auch die Schauspielerkollegen und sie selbst daran erinnert, dass dieser Arm mit Vorsicht behandelt werden muss.

Vorsichtige Bewegungen sind aber eigentlich für die Rolle der Viola de Lesseps nicht vorgesehen. Deshalb musste kurz vor der Premiere alles umgeprobt werden. Statt auf einer Leiter hochzuklettern, steigt sie jetzt Stufen hoch – die stammen aus „Der Prozess“ und müssen entsprechend erhöht werden. Die Kampfszenen wurden verändert und alles auf den linken Arm umgestellt.

Für ihre Kollegen ist Natalja Joselewitsch voll des Lobes: „Die haben gut aufgepasst und mitgemacht.“

Geprobt werden mussten auch die Umzüge, also die Kostümwechsel hinter der Bühne. Und von denen gibt es viele in „Shakespeare in Love“, weil die Figur der Viola immer wieder schnell von Frauen- in Männerkleider und wieder zurück wechseln muss.

Natalja Joselewitsch findet ihre Rolle als Viola sehr besonders. Frauen seien im Theater oft Beiwerk für männliche Helden. Viola dagegen sei stark und vielseitig. Sie erfülle sich ihre Träume, auch wenn sie sich schließlich in das Unvermeidliche füge und den ungeliebten Mann heirate und mit ihm nach Amerika gehe. „Sie geht als Siegerin“, ist Joselewitsch überzeugt. „Sie weiß, dass ihre Liebe zu Shakespeare keine Chance hat. Er ist schließlich verheiratet und hat Kinder.“ Violas Liebe zur Poesie und ihre Leidenschaft fürs Theater findet Joselewitsch sehr sympathisch. „Ich wäre gerne mit Viola befreundet, wenn es sie gäbe.“

Mit ihrer Darstellung hat Natalja Joselewitsch auf jeden Fall im vergangenen Jahr überzeugt. Das Publikum jubelte ihr und Dennis Herrmann zu und die Kritiker verliehen ihnen den Großen Hersfeldpreis.

„Es ist so schön, wenn Arbeit honoriert wird. Der Preis ist eine ganz große Anerkennung“, sagt Joselewitsch. Es war ihr erster Preis und er bedeutet ihr viel. Ob ihr der Preis beruflich hilfreich ist, kann sie nicht genau abschätzen, aber „ein Preis sieht immer gut aus“, sagt sie und lacht. Auf jeden Fall habe die Auszeichnung sie ermutigt, sich „frei zu machen“, also das Risiko einzugehen, ohne festes Engagement als Schauspielerin zu arbeiten. Nun freut sie sich, unabhängiger und vielfältiger tätig sein zu können.

Zu sehen ist Natalja Joselewitsch noch bis zum 1. August in „Shakespeare in Love“. Auch beim Nachteulen-Talk mit Dominic Mäcke im Kapitelsaal des Museums wird sie an einem Termin dabei sein.

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