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Magistrat beendet Arbeitsverhältnis mit kaufmännischen Geschäftsführer der Bad Hersfelder Festspiele

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Harald Benz, der neue kaufmännische Geschäftsführer der Bad Hersfelder Festspiele, in der Stiftsruine.
Harald Benz in der Stiftsruine: Der kaufmännische Geschäftsführer der Bad Hersfelder Festspiele muss gehen. Das Foto wurde kurz nach Amtsantritt im April gemacht. © Kai A. Struthoff

Der Magistrat hat beschlossen, das Arbeitsverhältnis mit dem kaufmännischen Geschäftsführer der Bad Hersfelder Festspiele zu beenden. Benz war erst seit März im Amt.

Bad Hersfeld – Im März wähnte sich Harald Benz noch am Ziel seiner Träume: Da hatte er gerade seinen Vertrag als Nachfolger der Kaufmännischen Geschäftsführerin Andrea Jung bei den Bad Hersfelder Festspielen unterschrieben und sein Büro in der Festspielverwaltung bezogen. Damals schwärmte der Mann mit dem schwäbischen Zungenschlag von der Strahlkraft der Stiftsruine und der Zusammenarbeit mit Intendant Joern Hinkel, dessen Arbeit ihn von Anfang an begeistert habe. „Mit ihm gibt es keine Beliebigkeit, sondern tagesaktuelle Relevanz: Das muss Theater leisten.“

Jetzt hat der Magistrat nach knapp fünfeinhalb Monaten die Zusammenarbeit mit Benz beendet. Über die Gründe hüllt man sich in Schweigen. In der Pressemeldung aus dem Rathaus heißt es nur, das sich „die gegenseitigen Erwartungen an die Zusammenarbeit bei den Festspielen nicht erfüllt haben.“ Auch von den Bad Hersfelder Festspielen gab es gestern keine Stellungnahme. Harald Benz selbst war telefonisch nicht zu erreichen.

Der 53-jährige Benz wurde in Heidenheim geboren. Dort sammelte er auch erste Theatererfahrungen vor und hinter den Kulissen, unter anderem bei den Heidenheimer Opernfestspielen. Benz hat Wirtschaft und Elektrotechnik studiert. Nach dem Studium hatte er in Stuttgart beim Fraunhofer Institut im Bereich Teamarbeit geforscht.

„Ohne Teamarbeit geht auch Theater nicht“, hatte Benz in dem Vorstellungsporträt unserer Zeitung gesagt. Nach einem Abstecher in die Lehre an einer Universität hatte er zehn Jahre in der Industrie gearbeitet und Antriebstechniken entwickelt. Daher kennt er die Bereiche Projektmanagement, Budgetkontrolle und Antragswesen. Danach wechselte Benz als kaufmännischer Leiter zu den Luisenburg-Festspielen nach Wunsiedel. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“ Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin ist er erst vor kurzem in die Region gezogen.

Benz sorgt für erste Kontroverse

Für erste Kontroversen hatte Harald Benz gesorgt, weil er die Finanzierung der Festspiele durch die Stadt kritisiert hatte und sich indirekt für die Gründung einer Festspiel gGmbH ausgesprochen hatte. Dazu gab es seinerzeit kritische Nachfragen im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt.

Auch die Bürgermeisterkandidaten für Bad Hersfeld reagierten überrascht und betroffen auf die Nachricht, waren aber auch nicht über die Hintergründe informiert. Karsten Backhaus von der CDU bedauerte, dass es zu keiner erfolgreichen Zusammenarbeit der Stadt mit Harald Benz gekommen ist. „Es ist schon auffällig, dass viele wichtige Schlüsselpositionen in Bad Hersfeld nie lange besetzt bleiben“, sagte er und spielte damit wohl auch auf den Weggang des Leiters des Fachbereichs Stadtmarketing, Matthias Glotz, sowie auf die beiden Vorgänger von Benz, Andrea Jung und Stefan Pruschwitz, an. Daran gelte es zu arbeiten.

Der SPD-Bürgermeisterkandidat Karsten Vollmar wollte ebenfalls nicht über die Gründe spekulieren und sprach von einer bitteren Entscheidung. „Daher ist es nun wichtig, nach vorne zu schauen und im Sinne der Festspiele und der Stadt schnell, aber in geordneten Bahnen, eine Nachfolgeregelung zu treffen, die den spezifischen Bedürfnissen der Bad Hersfelder Festspiele gerecht wird und auch Kontinuität verspricht.“

Anke Hofmann wollte sich nicht äußern

Die parteilose Kandidatin Anke Hofmann verwies auf Anfrage unserer Zeitung auf die leitende Position, die sie bereits jetzt bei der Stadt bekleide und wollte sich deshalb nicht äußern.

Am Sonntag enden die Bad Hersfelder Festspiele mit der großen Abschlussgala. Eine schwierige, von Corona immer noch überschattete Spielzeit endet mit einem dramatischen Paukenschlag.

In einem Interview mit unserer Zeitung hatte sich Benz bei Amtsantritt zu seinen Vorstellungen und Zielen geäußert. (kai)

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