Bad Hersfelder Festspiele

Aus Alt mach Neu: Upcycling beim Bühnenbild

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Für Uwe Tögl in der Schlosserei haben die Bad Hersfelder Festspiele 2020 schon begonnen. Er schweißt aus alten Elementen neue Podeste zusammen.

Zahlreiche Elemente aus den Bühnenbildern der vergangenen Jahre  werden in der kommenden Saison bei den Bad Hersfelder Festspielen wiederverwendet. Das spart Zeit und Geld.

Die beiden Musicals „Hair“ und „Funny Girl“ sind bei den Bad Hersfelder Festspielen Geschichte – allerdings nur auf dem Spielplan. Denn wesentliche Elemente ihrer Bühnenbilder werden auch bei den Festspielen 2020 wieder verwendet, im neuen Musical „Goethe!“ und in den Schauspielen „Club der toten Dichter“ und „Italienische Nacht“.

Bemerken wird das allerdings kaum jemand, denn in der Schlosserei werden die Stahlträger-Module derzeit den neuen Erfordernissen angepasst. „Upcycling“ heißt das auf neudeutsch und meint eine Aufwertung von Materialien, die sonst entsorgt worden wären.

Für Dietmar Wolf, seit 2016 Technischer Leiter der Festspiele, und das Team in der Schlosserei hat die Spielzeit 2020 längst begonnen. Dabei befindet sich Wolf diesmal in der komfortablen Situation, dass die Bühnenbilder aller drei Neuproduktionen von Jens Kilian entworfen wurden. Beide kennen sich seit 30 Jahren, haben schon oft miteinander gearbeitet – auch in Bad Hersfeld – und wissen, wie der jeweils andere „tickt“. Beide wissen, worauf es ankommt.

„Der Spielbetrieb macht uns zeitliche Vorgaben“, erläutert Dietmar Wolf, denn bei den Doppel-Vorstellungen am Wochenende bleiben zwischen den Aufführungen nur knapp anderthalb Stunden für Ab- und Aufbau.

Zudem müssen die Bühnenelemente auf den wenigen Lagerflächen inner- und außerhalb der Ruine platzsparend untergebracht werden können. Und: Sie müssen durch den kleinen Torbogen auf der linken Seite des Querschiffs passen. „Das ist wie ein Baukasten mit Standard-Elementen“, veranschaulicht Dietmar Wolf.

Ob und wie das in der Realität funktionieren kann, das spielt der Technik-Chef in dreidimensionalen, exakt vermessenen Visualisierungen auf seinem Rechner durch. Auch hier kann er dank eines neuen Programms synchron mit Jens Kilian kommunizieren – egal, wo dieser sich gerade befindet. Der Bühnenbildner hat dann auch Zugriff auf Wolfs Bildschirm und kann kritische Punkte sofort anmarkern. „Früher musste ich die Datei erst per DropBox verschicken. Heute geht das im direkten Austausch“, freut sich Wolf.

Für Uwe Tögl in der Schlosserei haben die Bad Hersfelder Festspiele 2020 schon begonnen. Er schweißt aus alten Elementen neue Podeste zusammen.

Passt alles im Conputer, dann gibt es eine herkömmliche technische Zeichnung als Ausdruck. „Da kommen für alle Produktionen schon gut 200 Blätter zusammen“, sagt Wolf. Mit diesen geht dann das Team in der Schlosserei ganz praktisch zu Werke und fertigt aus vielen bereits vorhandenen und einigen neuen Teilen die aktuellen Bühnenelemente.

Dietmar Wolf ist sichtlich stolz darauf, dass sich das Bemühen, Kosten zu sparen, nicht auf wiederverwendbare Kostüme, Perücken und Requisiten beschränkt, sondern auch beim Bühnenbild greift. „Und die Motoren für das fahrbare Klassenzimmer im Club der toten Dichter habe ich mir für wenig Geld von einem Berliner Opernhaus geliehen“, fügt er mit einem Lächeln hinzu.

Von Karl Schönholtz

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