„Kultur ist in unseren Genen“

Festspielstar Hannes Hellmann hat viele Talente

Gestatten – Hannes Hellmann: In Bad Hersfeld ist der bekannte Fernseh- und Bühnenschauspieler meist mit dem Klapprad unterwegs.
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Gestatten – Hannes Hellmann: In Bad Hersfeld ist der bekannte Fernseh- und Bühnenschauspieler meist mit dem Klapprad unterwegs.

Hannes Hellmann? Bei dem Namen klingelt es wohl nicht bei allen Festspielfans sofort. Aber sein Gesicht, das kennt jeder.

Bad Hersfeld - Seit Jahrzehnten ist der 66-jährige gebürtige West-Berliner Dauergast in den deutschen Wohnzimmern. Tatort, Polizeiruf, Spielfilme und immer wieder Krimis – es gibt kaum eine TV-Serie, in der Hannes Hellmann nicht schon mal mitgespielt hat. „Trotzdem kann ich noch unbehelligt Bahnfahren“, erzählt er mit seiner sonoren Stimme, die ihn auch zu einem gefragten Synchron- und Hörspielsprecher macht. „Ich spiele meist die doppelgesichtigen Typen – schmierige Anwälte oder Zuhälter“, erzählt er beim Gespräch in der Festspielkantine. Oder auch den „Silberrücken“, so wie in der beliebten ZDF-Vorabendserie „Notruf Hafenkante“ in der er seit 2013 den stets etwas knurrigen Polizeioberrat Wolf Haller spielt.

„Die bösen Typen sind schauspielerisch viel interessanter, aber in Wirklichkeit meist ganz lieb“. Das glaubt man ihm gern, wenn er von seinen vielen Engagements in aller Welt, seinen Schauspielkollegen und dem „Spagat zwischen Theater und Fernsehen“ erzählt und dabei immer wieder berlinert, obwohl er nun schon seit Jahren an der Waterkant lebt.

Der Kontakt nach Bad Hersfeld sei schon unter Dieter Wedel entstanden, in diesem Jahr hat es endlich gepasst. „Bad Hersfeld ist so bekannt, das muss man als Schauspieler einfach mal machen“. Die große Bühne schrecke ihn nicht, zumal er in seinen zwölf Jahren als Ensemblemitglied am „Theater an der Ruhr“ reichlich Tourneeerfahrung gesammelt hat. „Auf der Bühne bestimmt man selbst den Rhythmus, man kann sich warmspielen und spürt die Reaktion des Publikums“, beschreibt Hannes Hellmann den Unterschied zum Film.

In Bad Hersfeld spielt er den Schulleiter Nolan im „Club der toten Dichter“ – und hat zu dieser Rolle eine sehr persönliche Beziehung. In Berlin hatte er Germanistik auf Lehramt studiert, das Studium aber für die Schauspielerei aufgegeben. „Mein Problem wären bestimmt nicht die Schüler gewesen, sondern eher die anderen Lehrer“, erzählt er augenzwinkernd und meint: „Ich wäre bestimmt auch so ein Keating gewesen.“ Trotzdem kann er sich auch mit der Rolle des strengen Schulleiters identifizieren. „Wir liefern die Struktur, alles andere ergibt sich von selbst“, zitiert Hellmann einen Satz aus seiner Rolle. Schule brauche eben Regeln, deshalb würde er die Haltung von Nolan verteidigen.

Hannes Hellmann lobt das überwiegend junge Ensemble, das Joern Hinkel zusammengestellt hat. „Man muss auf Augenhöhe agieren, sonst entsteht kein Spiel“, sagt er über das Verhältnis zwischen erfahrenen Schauspielern und Newcomern.

An die Proben mit Masken und die regelmäßigen Tests habe er sich gewöhnt. Trotz der Corona-Gefahr findet Hannes Hellmann, die Kultur sei in der Pandemie zu sehr eingeschränkt worden.

„Kultur gehört zum Menschen, das ist schon in unseren Genen.“ Die Pandemie habe deutlich gemacht, wie unterschätzt die Kultur bei uns immer noch ist. Dabei gehört Hannes Hellmann selbst nicht zu den Corona-Verlierern, wie er freimütig sagt.

Das liegt wohl auch daran, dass er neben der Schauspielerei andere Standbeine hat. So arbeitet er seit vielen Jahren als Coach und vermittelt zum Beispiel Service-Mitarbeitern wie etwa Autoverkäufern, wie sie mit Schauspieltechniken die eigene Komfortzone verlassen können.

„Körpererfahrung ist Basiserfahrung“, sagt Hannes Hellmann. Er selbst schätze am Coaching die Möglichkeit, seinen „Elfenbeinturm zu verlassen und Kontakt zu normalen Menschen zu haben“, sagt das Universaltalent, der auch als Gitarrenlehrer, Liedermacher und Kabarettist tätig ist. Seine komische Seite zeigt er regelmäßig in You-Tube-Clips als „Pater Wolfgang, der Mann für die Sünde.“

Außerdem hat Hannes Hellmann einen „Reimzwang“ wie er schmunzelnd erzählt. So dichtet er kleine Vierzeiler über Tiere, die er mit lustigen Karikaturen versieht. Kleine Kostprobe gefällig? „Ein zugereister Guppy, der dachte sich: Yeah, Yuppie. Hier sind ja in dem Becken, ‘ne Menge hotter Schnecken.“ Wer weiß, was Hannes Hellmann wohl nach der Spielzeit über Bad Hersfeld zeichnet und reimt?

Von Kai A. Struthoff

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