Bei den Festspielen im Einsatz

Ulrich Schneider ist der Herr des Lichts in der Ruine

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Es werde Licht: Ulrich Schneider, hier mit Björn Lemmertz, am Lichtmischpult, von dem aus er die Scheinwerfer in der Ruine steuern kann. Während der Vorstellung sitzt er aber im Container oberhalb der Sitzreihen.

Bad Hersfeld – Die richtige Beleuchtung erzeugt Stimmungen – und damit arbeitet Ulrich Schneider. Der 56-jährige ist der Herr des Lichts bei den Bad Hersfelder Festspielen.

Auf Knopfdruck kann der Lichtdesigner hunderte verschiedene Stimmungen aus seinem Computer abfahren.

Schneider stammt aus Hamm in Westfalen und lebt mit seiner Frau, der Kulturmanagerin Teneka Becker, und drei Kindern auf einer alten Burg in Dudeldorf in der Eifel. Ursprünglich hat er mal Bergbau studiert, später auch Theater- und Veranstaltungstechnik. Dabei stand dann auch das Thema Beleuchtung auf dem Lehrplan. „Aber es ist vor allem Learning bei Doing“, sagt Ulrich und blickt über den Rand seiner tief auf die Nase gerutschten Brille.

Über Engagements als Beleuchtungschef am Schauspielhaus in Köln und der Berliner Volksbühne kam er als Lichtdesigner zu Dieter Wedels Nibelungenfestspielen nach Worms und später auch nach Bad Hersfeld. Aber eigentlich leuchtet Ulrich die ganze Welt aus: zuletzt eine Oper in Seoul, aber auch Ausstellungen und zuweilen sogar Privathäuser oder Ministerbüros.

Allein im Premierenstück „Der Prozess“ gibt es 80 verschiedene Lichtstimmungen, erzählt Schneider. „Das ist keine Wohlfühlatmosphäre“, sagt er über die meist kühle Beleuchtung der Gerichtsszenen. Beim Hippie-Musical „Hair“ indes gibt es über 700 verschiedene Lichteinstellungen. Die meisten von ihnen simuliert und programmiert Ulrich Schneider an seinem Computer. „Das ist schon ein tolles Spielzeug, sonst müsste man ja wochenlang eine Halle mieten, um alles auszuprobieren.“

Später kann er dann die einzelnen „Cues“ – also die Lichtszene – auf Tastendruck abrufen und damit die 80 „moving light“, die automatisch gesteuerten Scheinwerfer in Bewegung bringen. In „Funny Girl“ kann so zum Beispiel jede einzelne Stufe der großen Showtreppe beleuchtet werden.

Die Lichtdramaturgie erarbeitet sich Schneider gemeinsam mit dem Regisseur und den anderen Mitarbeitern. Selbstverständlich hat er dafür zuvor Kafkas „Prozess“ gelesen, viele Proben besucht, mit Regisseur Joern Hinkel, Kostümbildern und Maske diskutiert. „Licht kann Menschen älter machen“, deshalb sei es manchmal notwendig, die Schauspieler zu „überschminken“. So werden die Darsteller dann im Wortsinn „ins rechte Licht“ gesetzt. „Trotz aller Technik, einen guten Verfolger kann man nicht automatisieren“, sagt Schneider. Deshalb stehen auf den Traversen am Ruinenrand auch immer noch Menschen, die von Hand Scheinwerfer bedienen.

Dank moderner LED-Leuchten ist der Energieverbrauch aber deutlich zurückgegangen. „Früher hätte man dafür in der Ruine Generatoren gebraucht“, sagt er schmunzelnd. Trotz Computer und LED – die Ruine bleibt für den Lichtdesigner ein spannender Ort. „Man braucht Jahre, um sie zu verstehen.“ (kai)

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