Er macht in Bad Hersfeld Musik für Trolle

Jörg Gollasch komponiert für das Festspielstück "Peer Gynt"

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Auch mal mit Pathos: Jörg Gollasch ist für die Theatermusik in „Peer Gynt“ zuständig und begleitet die Proben in der Stiftsruine.

Bad Hersfeld. Musik ist aus dem modernen Theater nicht mehr wegzudenken, findet Jörg Gollasch. Er ist Komponist und hat die musikalische Leitung bei Robert Schusters Peer-Gynt-Inszenierung.

Musik schafft Stimmungen, setzt Akzente, sie kann eine Inszenierung auflockern oder zusammenfassen, Auftritte begleiten, Brüche deutlich machen und Personen beschreiben – und das alles, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Zitate aus bekannten Stücken

Für „Peer Gynt“ hat Jörg Gollasch ganz unterschiedliche Melodien komponiert. Da gibt es Stücke, die so klingen, wie in einem modernen Club und andere, die an James-Bond-Filme erinnern. Da gibt es wuchtige Melodien und ganz zarte. Die meiste Musik für die Inszenierung in der Stiftsruine hat Jörg Gollasch selbst geschrieben, aber er verwendet auch Zitate: Aus bekannten Filmen, wie „Das Boot“ zum Beispiel, aber auch aus der Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg. Anklänge daran werden zum Beispiel zu hören sein beim Eintritt in die Trollwelt, erläutert Gollasch. Zur Begleitung eines Schauspiels sei Griegs Komposition allerdings nicht geeignet, dafür sei sie zu wuchtig und zu dominant.

Jörg Gollaschs Kompositionen entstehen in enger Abstimmung mit dem Regisseur. Mit Robert Schuster arbeitet er zum zehnten Mal zusammen, berichtet Gollasch. Und weil der Vorlauf relativ knapp gewesen sei, seien einige Stücke auch erst während der Proben entstanden.

„Ich sehe eine Szene und mache was dazu. Und dann stelle ich meine Arbeit zur Disposition“, erläutert er. Seine Musik habe eine dienende Funktion, weiß Gollasch. Sie sei nicht dazu gedacht, selbst berühmt zu werden.

Kein klassischer Komponist

„Es gefällt mir, was ich mache. Ob ich als Komponist dabei wahrgenommen werde, ist sekundär“, sagt Gollasch. Und nein, er habe auch keine 20 unaufgeführten Opern im Schrank liegen, scherzt er. Er habe auch nie das Bedürfnis gehabt, Orchesterwerke zu schreiben: „Ich bin kein klassischer Komponist.“

Spaß hat Jörg Gollasch zudem an seiner Band, dem „be-Tanzorchester“, einem Musikensemble aus Schauspielern und Theaterleuten. Gollasch selbst spielt Jazz-, Rock- und Konzertgitarre, Klavier und singt.

Und noch eine wichtige Funktion sieht Gollasch, der bereits zum vierten Mal in Bad Hersfeld ist und in den vergangenen Jahren mit Dieter Wedel gearbeitet hat, in seiner Theatermusik für die Stiftsruine: „Hier gibt es keine Stille. Man hört Verkehrsgeräusche, Hundegebell und Vogelgezwitscher. Da dient die Musik dazu, Übergänge zu definieren und das Stück zu strukturieren.“ Der Vorteil am Theater in der riesigen Stiftsruine: „Hier kann man sich auch ein anderes Pathos trauen.“

Zwei ganz unterschiedliche Kompositionen von Jörg Gollasch waren bei der HZ-Matinee bereits zu hören: Das von Ute Reiber zur Eröffnung gesungene „Sweet Revelation“ und das ganz zarte, anrührende Lied, das Leena Alam als Solveig in ihrer Muttersprache Dari singt. Es lohnt sich, auch im Schauspiel auf die Musik zu achten.

Zur Person: 

Jörg Gollasch ist Theater-, Hörspiel- und Filmkomponist. Der 51-Jährige stammt aus Peine und hat in Hildesheim angewandte Kulturwissenschaften studiert. 1997 ging er nach Berlin an die Baracke am Deutschen Theater. Seither hat er als Komponist, Arrangeur und Produzent an vielen Theatern im In- und Ausland gearbeitet, unter anderem am Burgtheater Wien, am Schauspielhaus Zürich, am Schauspielhaus Hamburg, beim Berliner Ensemble, an den Kammerspielen und im Residenztheater in München, in Bochum, Köln und Budapest. Gollasch arbeitet auch als Komponist für Hörspiele und Kinofilme und wirkte an Produktionen mehrerer Sender mit. Er ist als Dozent an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch tätig. Jörg Gollasch ist 51 Jahre alt, lebt in Berlin und verbringt seine Freizeit gerne mit seinen Kindern.

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