Bühne als Trainingslager

Thorsten Nindel spielt ohne Druck in der Stiftsruine

Locker in der Festspielkantine: Schauspieler Torsten Nindel hat schon auf vielen Bühnen gespielt und lässt sich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen.
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Locker in der Festspielkantine: Schauspieler Torsten Nindel hat schon auf vielen Bühnen gespielt und lässt sich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen.

Thorsten Nindel lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen: Von ungewöhnlichen Spielorten nicht, auch nicht vom Druck vor Premieren – und schon gar nicht von Corona.

Bad Hersfeld - Völlig entspannt und gut gelaunt kommt er mit dem Rennrad zum Gespräch in der Festspiel-Kantine. Kein Wunder: Der Schauspieler hat in den vergangenen drei Jahren alle Facetten der Festspiele erlebt: Die glanzvolle, große Bühne als Fotograf Titorelli in Joern Hinkels gefeierter Inszenierung „Der Prozess“. Er kennt aber auch den „anderen Sommer“, als er in „Nachtschichten“ in der Rolle des von den eigenen Dämonen geplagten Nachtmanagers mit der Axt durch das verlassene Hotel am Kurpark geisterte.

In diesem Jahr des vorsichtigen Restarts nach Corona steht er in einer zentralen Nebenrolle als Mr. Perry im „Club der toten Dichter“ wieder auf der großen Bühne der Stiftsruine. „Ich bin froh, dass die Festspiele stattfinden und die Verantwortlichen das Risiko auf sich nehmen“, sagt er und lobt Intendant Joern Hinkel, der „ein Händchen dafür hat, dass man sich wohlfühlt.“

Thorsten Nindel ist ein enorm wandlungsfähiger Schauspieler. „Ich habe lange an Boulevard-Bühnen gearbeitet, das war ein tolles Trainingslager“, erzählt er. Dort habe er gelernt, sich schnell auf neue Gegebenheiten einzustellen. Einem breiten Publikum wurde er als „Zorro“  Pichelsteiner in der „Lindenstraße“ bekannt, wo er zehn Jahre vor der Kamera stand. Nindel war aber auch „Old Shatterhand“ bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg, hatte eine Rolle in der Telenovela „Rote-Rosen“ und spielte in unzähligen Fernsehserien- und Filmen.

„Ich habe keinen Druck mehr“, sagt Nindel daher gelassen. Er genießt die Stimmung in Bad Hersfeld. Nach drei Jahren fühlt er sich in seinem Festspiel-Quartier in der „Güldenen Kammer“ voll integriert. „Sonst trifft man mich an einer der Eisdielen der Stadt“. Wenn er nicht gerade mit dem Rennrad durchs Fuldatal saust. Bad Hersfeld bietet eine Abwechslung zu seinem Wohnort München. „Hier wird das Geld noch mit den Händen verdient“, sagt Nindel.

Im „Club der toten Dichter“ spielt Nindel den Vater eines der Internatsschüler. „Er liebt seinen Sohn Neil wirklich und wahrhaftig – aber auf die falsche Weise“, erzählt er. Perry sei ein Militär mittlerer Laufbahn, der will, dass es sein Sohn einmal besser hat. Dafür spart er sich alles vom Munde ab, nur um seinen Sohn auf die Eliteschule zu schicken, und er hat entsprechend hohe Erwartungen an Neil. Das hat fatale Folgen ... „Ich habe sehr viel Mitgefühl für diesen Mr. Perry“, sagt Nindel über seine Rolle.

Die Urfassung vom Club der toten Dichter habe er seinerzeit in München im Kino gesehen. Er findet, den Jungen im Film fehle „eine eigene Sprache“ und er ist offenbar auch kein großer Fan von Robin Williams als Lehrer Keating. „Götz Schubert wird mir in dieser Rolle sicher mehr Spaß machen“, sagt Nindel und lobt den Enthusiasmus, mit dem die meist noch sehr jungen Darsteller bei der Sache sind. „Sie spielen mit viel Akribie und versuchen dennoch, in der großen Geschichte noch kleine Geschichten zu erzählen“.

Die Zeit nach Corona lässt Thorsten Nindel auf sich zu kommen. „Die Branche hat sich in der Pandemie verändert“, findet er. Immerhin würden jetzt viele verschobene Engagements nachgeholt. „Am meisten Spaß macht mir immer die Rolle, die als Nächste kommt“, erzählt er lachend. Und fügt dann ganz ernsthaft hinzu: „Ich tausche jeden Drehtermin, gegen ein Engagement in Bad Hersfeld“.

Von Kai A. Struthoff

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