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Beeindruckt von der Kraft des Raumes: Christian Nickel spielt gerne in der Stiftsruine.

Bad Hersfeld. Peer Gynt baut sich die Welt, wie sie ihm gefällt: So beschreibt Hauptdarsteller Christian Nickel den Titelhelden des Premieren-Stücks der Bad Hersfelder Festspiele.

Er ist kein sympathischer Mensch, dieser Peer Gynt. Egozentrisch, rücksichtslos, nie wirklich erwachsen geworden. Christian Nickel, für seine eindrucksvolle Darstellung des Luther und des John Proctor schon zweimal mit dem Großen Hersfeldpreis ausgezeichnet, übernimmt es in diesem Jahr, dem Bad Hersfelder Festspielpublikum eine weitere ambivalente, zerrissene Persönlichkeit vorzustellen, eben jenen Peer Gynt aus Henrik Ibsens gleichnamigen Stück.

„Ich versuche eine Person so zu spielen, dass sie nachvollziehbar wird“, sagt Christian Nickel. Er selbst findet an Peer Gynt durchaus positive Seiten. „Was mir gefällt ist sein Bekenntnis zu den eigenen Wünschen. Das sollten viel mehr Menschen tun“, sagt er. Das Zusammenleben sei einfacher, wenn jeder offen sage, was er wolle.

Kaiser der Welt werden

Peer Gynt allerdings fängt mit seinen Wünschen nicht klein an. Er wolle nichts Geringeres, als Kaiser der Welt werden und sich die Welt so machen, wie sie ihm gefalle, erläutert Nickel. „Er baut sich eine Welt, die besser ist, als die reale.“ Nachvollziehbar für einen Mann, der praktisch ohne seinen trinkenden Vater als Einzelkind aufwuchs und wegen seiner überbordenden Fantasie und des daraus resultierenden Verhaltens gehänselt und ausgegrenzt wurde, erläutert der Schauspieler seine Figur.

In der Stiftsruine wird Peer Gynts Geschichte nicht chronologisch erzählt. Das Stück beginnt in einer mittleren Phase und arbeitet mit Rückblenden. Dabei taucht auch eine Puppe auf, die Peer Gynt als Kind darstellt.

Außerdem gehe es in dem Stück auch um Heimat, darum, wo man herkommt und was man davon mitnimmt in die Fremde, erläutert Nickel. Und schließlich dann die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln, immer begleitet von der zentralen Frage: „Wer bin ich eigentlich?“.

Theater machen bedeutet für Christian Nickel, aus dem Textmaterial in Verssprache das Stück freizulegen, es zu komprimieren, das Wesentliche herauszuarbeiten und die Geschichte nachvollziehbar zu erzählen. „Die Zuschauer sollen mit reicherer Erfahrung rausgehen“, sagt er. „Seichte Kost will kein Mensch.“

Henrik Ibsen schätzt er wegen seines psychologischen Tiefgangs: „Ibsen ist nahe dran an uns. Er geht von uns aus, von unserer Psyche. Der weiß alles über uns und das gilt auch noch in 100 Jahren.“ Dass dieses Stück in der Stiftsruine gespielt wird, einem Kirchenraum, begrüßt Christian Nickel.

„Die Ruine hält viel aus, aber es ist gut, wenn Gedanken und die menschliche Suche nach dem wesentlichen Kern hier einen Platz finden. Das wird dem Raum gerecht!“

Persönlich ist er beeindruckt von der Kraft des Raumes, von der Klarheit, Ordnung und Stabilität, die von der Stiftsruine ausgeht. Das habe er sich schon vor zwölf Jahren bei seinem ersten Besuch in Bad Hersfeld als Zuschauer gedacht. „Der Ort macht ganz viel mit mir“, sagt Nickel. An Bad Hersfeld schätzt er die tolle Stimmung, die Theaterbegeisterung und den Kontakt zu den Menschen.

Zur Person:

Christian Nickel, 1969 in Heilbronn geboren, wuchs in Hamburg auf und studierte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Dort wurde er von Peter Stein entdeckt, der ihn gleich für die Salzburger Festspiele verpflichtete. Nickel arbeitete in Frankfurt, am Wiener Burgtheater, am Residenztheater in München, in Köln und Berlin. Seit 2012 ist er am Theater in der Josefstadt in Wien verpflichtet. Seit 2003 arbeitet Christian Nickel auch als Regisseur.

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