Kostenexplosion beim geplanten Funktionsgebäude

Festspiele unter Beschuss: Defizit auf fast 500.000 Euro angeschwollen

Bad Hersfelder Festspiele 2019 - "Hair"
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Kam gut an: Die Wiederaufnahme von "Hair" im Festspielsommer 2019.

Die Stadtpolitik sieht Rot: Anlass ist das Defizit von fast 500.000 Euro für die Festspiel-Saison 2019. Zudem drohen die Kosten für den geplanten Funktionsneubau zu explodieren.

Am Abend, bevor der Vorverkauf für die Spielzeit 2020 begann, gerieten die Bad Hersfelder Festspiele unter massiven Beschuss der Stadtpolitik: Anlass waren das auf nahezu eine halbe Million Euro angeschwollene Defizit dieses Jahres und die Kostenexplosion beim geplanten Neubau eines Funktionsgebäudes im Stift.

„Das kann so nicht weitergehen“, monierte Bernd Böhle (FDP) als Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses. „Es läuft aus dem Ruder“, pflichtete ihm Carsten Lenz (SPD) bei. „Es ist jedes Jahr das Gleiche“, sagte Andreas Rey (CDU). Und Jürgen Richter (FWG) fragte: „Wieviel Festspiele können wir uns leisten?“

Der kollektiven Empörung konnte Andrea Jung als Leiterin der Festspielverwaltung allerdings nachvollziehbare Argumente entgegenhalten. Den Großteil des Fehlbetrags machen zusätzliche Personalkosten aus, die durch Krankheitsausfälle und Überstunden entstanden sind. „Dafür gibt es keine Reserven im Budget“, stellte Jung fest und verwies auf die Unabänderlichkeit von Nachverpflichtungen, um den Spielbetrieb sicherzustellen.

Einen dicken Brocken von rund 150 000 Euro machen auch die Abschreibungen für das diesjährige Musical „Funny Girl“ aus, das eigentlich zwei Jahre hätte laufen sollen und finanziell entsprechend kalkuliert war. Weil das Zutrauen in eine weitere erfolgreiche Saison fehlte, haben die Festspiele jedoch von einer Wiederaufnahme in 2020 abgesehen.

Der städtische Haushalt verkraftet das Defizit nach Angaben von Kämmerer Wilfried Herzberg jedoch ohne größere Schwierigkeiten. Mehreinnahmen in anderen Bereichen decken das Festspiel-Minus ab.

Gleich beim nächsten Tagesordnungspunkt schlugen die Wogen aber wieder hoch: Auf maximal 5,1 Millionen Euro hatten die Parlamentarier den Kostenrahmen für den Funktionsbau festgesetzt, der vom Bund mit knapp 2,5 Millionen Euro bezuschusst wird.

Als Torsten Wiegand von der städtischen Bauverwaltung ein mit den Festspielen abgestimmtes Raumkonzept vorstellte, das unter dem Strich 7,647 Millionen Euro kosten sollte, fühlten sich die Parlamentarier in ihrer Verantwortung für die städtischen Finanzen hintergangen. „Man kann einem nackten Mann nicht in die Tasche fassen“, meinte auch Erster Stadtrat Gunter Grimm. Das Thema soll nun in den Wirtzschaftsbetrieben weiter bearbeitet werden. (ks)

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