Sie würde gerne erneut zu den Bad Hersfelder Festspielen kommen

Magische Momente: Anouschka Renzi spielt Anitra in "Peer Gynt"

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Augen dunkel wie Kohlestücke und ein scheues Lächeln: Anouschka Renzi, die bei den Bad Hersfelder Festspielen in „Peer Gynt“ die Anitra spielt.

Bad Hersfeld. „Sie können alles fragen. Und ich entscheide dann, ob ich antworte.“ Kein schlechter Einstieg für ein Gespräch mit Anouschka Renzi.

Oder ist der vermeintliche Freibrief ihre Art zu checken, ob ihr Gegenüber doch nur wieder den Boulevard bedienen will? Stichworte: das wilde Leben der Tochter von Eva Renzi und Paul Hubschmid, die Schönheitsoperationen, der Zickenkrieg mit Desireé Nick. Alles lange her.

Geschenkt also. Die Gegenwart ist Bad Hersfeld. Die Hitze, die seit Tagen auf die Stadt drückt. Die Festspiele mit der Inszenierung von „Peer Gynt“, in der Anouschka Renzi die Anitra spielt. Und eine Frau, die aus Augen dunkel wie Kohlestücke blickt, und die hinter scheuem Lächeln sondiert, was denn nun wirklich Thema der Unterhaltung werden soll.

Peer Gynt natürlich, obwohl auch hier die Vergangenheit ein Foto der nackten Renzi hochspülte, das sie hoch zu Ross als Anitra zeigt. 2004 war das, unter Peter Zadek am Berliner Ensemble. „Man sieht es nicht, aber ich hatte noch eine rote Unterhose an“, stellt Renzi klar, doch viel wichtiger ist ihr der Unterschied in der Auslegung der Rolle: Eine lange Szene sei das damals gewesen, während ihr Part in der Stiftsruine aufgesplittet wurde. „Hier kehre ich wieder, ich beobachte Peer und kann ihm den Weg weisen.“

Dass ihr Robert Schusters radikale Neustrukturierung des Ibsen-Textes zunächst Rätsel aufgab, gibt sie offen zu, doch habe sich das Ensemble die Verständlichkeit mittlerweile erarbeitet. „Die Inszenierung hat viele magische Momente. Und meine Tochter fand es super-cool.“ Dass das Publikum schon am zweiten Abend mit tosendem Applaus reagierte, bestätigt ihren Eindruck, sie weiß aber auch: „Man muss sich darauf einlassen.“

Ins Schwärmen gerät Renzi, wenn sie über Intendant Joern Hinkel spricht: „Ein ganz toller Mensch!“ Seit mehr als 20 Jahren schon kennt sie ihn, schätzt ihn als Mensch ohne Profilneurose, als Schlichter und ist überzeugt davon, dass eine schillernde Figur wie dessen Vorgänger Dieter Wedel einen Mann wie Hinkel als Regulativ brauchte.

Wenn nur die Hitze nicht wäre. Renzi leidet. Nach Yoga am Morgen hat sie sich durch den spielfreien Tag geschleppt und muss nun dringend etwas essen. Saltimbocca bestellt sie sich („Das esse ich hier jeden zweiten Tag!“) und hat das Restaurant nicht nur wegen der guten Küche, sondern auch wegen der vorhandenen Air Condition ausgewählt.

Die vermisst sie in ihrem Hotelzimmer, wo sie später am Abend noch Text lernen wird für ihr nächstes Engagement im „Lügenbaron“ an der Komödie Frankfurt.

Nach Bad Hersfeld würde sie auch gerne wiederkommen und sinniert schon mal über Stücke, die ihr gefallen würden. „Cyrano de Bergerac“ fällt ihr da ein, oder der „Sommernachtstraum“. Da könnte sie die Titania spielen.

Auf ihrem Hersfelder Nachhauseweg kommt sie am Brink vorbei. Spontan zieht Anouschka Renzi die Schuhe aus und legt die Beine in das Wasserspiel. Wenigstens etwas Abkühlung, eine Wohltat.

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