Ein Sieg in der Niederlage

Bad Hersfelder Festspiele: „Der alte Mann und das Meer“ feiert Premiere im Eichhof

Wechselbad der Gefühle: Der alte Fischer Santiago (Horst Janson) im Kampf mit dem Fang seines Lebens.

Bad Hersfeld. Die Bühnenfassung von Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ feiert am Sonntag bei den Bad Hersfelder Festspielen Premiere. 

Es ist der wohl bekannteste Kampf der Literaturgeschichte zwischen Mensch und Natur: Der glücklose Fischer Santiago macht in Ernest Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ den Fang seines Lebens – um ihn kurz darauf wieder zu verlieren.

Die im Frühling 1951 auf Kuba entstandene Novelle hatte wesentlichen Anteil daran, dass dem US-amerikanischen Schriftsteller 1954 der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde. Als Theaterfassung feiert sie am Sonntag bei den Bad Hersfelder Festspielen Premiere in der Außenspielstätte Schloss Eichhof.

Der alte Fischer Santiago ist vom Pech verfolgt. Seit 84 Tagen ist er ohne Fang zurückgekehrt. Die Eltern seines Gehilfen Manolin schicken ihren Sohn lieber mit erfolgreicheren Fischern aufs Meer. Deshalb fährt der alte Mann allein hinaus auf den Golf, um seine Leinen auszulegen. Tatsächlich beißt ein riesiger Speerfisch an. Zwei Tage und zwei Nächte dauert der kräftezehrende Kampf, in dessen Verlauf Santiago eine Bindung zu dem Fisch entwickelt und ihn schließlich sogar „Bruder“ nennt. Dennoch tötet er den Fisch am dritten Tag mit der Harpune und bindet ihn an sein Boot, um ihn nach Hause zu bringen. Doch vom Fang, der einen guten Preis erzielen und viele Menschen ernähren könnte, bleibt ihm am Ende nichts: Das Blut des Speerfischs lockt auf dem Rückweg zahlreiche Haie an, die den Marlin auffressen. Als der alte Fischer nach vier Tagen in der Morgendämmerung völlig erschöpft seinen Heimathafen erreicht, ist von dem prachtvollen Tier nur noch das Skelett übrig.

Als Hemingways Erzählung 1952 erschien, hatte sie großen Erfolg. Der Autor betonte zwar, die Geschichte des Existenzkampfes aufgrund seiner eigenen Erfahrungen beim Fischfang geschrieben zu haben. Dennoch wird das Werk in der Literaturwissenschaft vielfach als Parabel für den Sieg in der Niederlage gewertet – am Ende des körperlich wie emotional kräftezehrenden Kampfes steht der Fischer zwar mit leeren Händen da, hat sich aber in der Herausforderung bewährt.

Hemingways Novelle wurde bereits mehrfach verfilmt. Regisseur Jens Hasselmann erhielt von Erben und den Verlag erstmals die Erlaubnis, den Stoff auf die Theaterbühne zu bringen. Seine Inszenierung wurde im Jahr 2011 am Kap Arkona auf Rügen uraufgeführt und war in der Folgezeit bei insgesamt über 100 Gastspielen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sehen – und in diesem Sommer im Schloss Eichhof. Die Hauptrolle des alten Fischers spielt der aus zahlreichen Spielfilmen und Serien bekannte Horst Janson, Romeo Hinkel und Jonathan Trümner verkörpern seinen Gehilfen Manolo, Marie-Luise Gunst, die die Vorlage mit Regisseur Jens Hasselmann für die Bühne bearbeitet hat, ist als Bardame und Erzählerin dabei. Begleitet wird die Inszenierung von einer Live-Band.

Alle sieben Vorstellungen von „Der alte Mann und das Meer bei den Bad Hersfelder Festspielen sind bereits ausverkauft, an der Abendkasse nach zurückgegebenen Tickets zu fragen, lohnt sich jedoch unter Umständen.

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