FESTSPIEL-MOMENTE

Ehemalige Festspiel-Intendantin Elke Hesse: „Bad Hersfeld war ein Sprungbrett“

Auf den Pudel gekommen: Elke Hesse wirbt auf einem städtischen Laster für die sprechenden Skulpturen, die in der Innenstadt aufgestellt wurden und auf Knopfdruck „Faust“-Zitate von sich gaben.
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Auf den Pudel gekommen: Elke Hesse wirbt auf einem städtischen Laster für die sprechenden Skulpturen, die in der Innenstadt aufgestellt wurden und auf Knopfdruck „Faust“-Zitate von sich gaben.

Elke Hesse, die ehemalige Intendantin der Bad Hersfelder Festspiele, erinnert sich gerne an ihre Zeit in der Stiftsruine.

Die Bad Hersfelder Festspiele 2020 wurden wegen des Coronavirus abgesagt. In der HZ finden sie während der gesamten Spielzeit trotzdem statt. In den Erinnerungen der Theatermacher und in Bildern aus dem HZ-Archiv.

Wenn Elke Hesse an die Bad Hersfelder Festspiele denkt, dann ist das gleichbedeutend mit einem der glücklichsten Tage ihres Lebens: Es muss der 10. Juni 2006 gewesen sein, als in der Stiftsruine die Premiere von Torsten Fischers grandioser „Faust“-Inszenierung mit Rufus Beck gefeiert wurde, und die neue Intendantin wusste, dass sie einen Volltreffer gelandet hatte.

„Ich bin ja ordentlich ins kalte Wasser geschmissen worden“, erinnert sie sich an die aufregenden Tage, als sie als erste – und bis heute einzige – Frau mit der Leitung der Festspiele betraut wurde. Denn eigentlich sollte Hans Gratzer, der in Bad Hersfeld schon 1999 „Evita“ inszeniert hatte, Intendant werden. Hesse war Gratzers Assistentin und hatte mit ihm das Konzept für die Festspiele entwickelt. Bevor es umgesetzt werden konnte, starb Gratzer und Bad Hersfelds damaliger Bürgermeister Hartmut H. Boehmer war überzeugt davon, dass nur Elke Hesse das Festival in diesem Sinne fortführen könne. „Ich bin da wie immer ohne Furcht hingegangen“, sagt Hesse, doch ihr sei schon bewusst gewesen, dass sie nun erstmals in vorderster Reihe stand.

Natürlich ist auch ihr in den vier Jahren der Intendanz nicht alles gelungen, doch blieb Fischers „Faust“ nicht das einzige Aushängeschild. Für die Spielzeit 2009 war es ihr gelungen, die Aufführungsrechte für die „West Side Story“ zu ergattern, was in der Branche sowohl mit Bewunderung als auch mit Neid registriert wurde. Die Produktion von Mathias Davids mit der atemberaubenden Choreographie von Melissa King gehört nach wie vor zum Besten, was in der Sparte Musical bei den Festspielen zur erleben war.

Dass zwei Jahre zuvor die „Dreigroschenoper“ mit Axel Prahl nicht wie erhofft funktioniert hatte – geschenkt. Und dass sie für fünfstellige Defizitbeträge in der Stadtpolitik „an den Pranger gestellt“ wurde, kann ihr mit Blick auf die heutigen, viel, viel größeren Dimensionen nur ein Lächeln entlocken. „Es hat sich wahnsinnig viel geändert“, sagt sie und begrüßt jeden Euro, der in Bad Hersfeld und anderswo in die Kultur investiert wird.

Corona ist Elke Hesse beruflich natürlich auch in die Parade gefahren. Seit 2010 arbeitet sie als geschäftsführende Direktorin beim MuTh, dem Konzertsaal der Wiener Sängerknaben. „Ich hoffe, dass wir im September wieder loslegen können“, sagt sie und setzt dabei auch auf vergleichsweise günstige Strukturen. „Wir haben keinen großen Apparat, und unser Saal kann großzügig bestuhlt werden, sodass wir mehr als die Hälfte der Plätze besetzen können.“

Ein Lächeln zum Abschied: Elke Hesse schaut auch heute noch gerne auf ihre drei Jahre als Festspiel-Chefin zurück.

Momentan ist sie allerdings in der Schweiz unterwegs, wo sie ein „Riesenprojekt“ im musikpädagogischen Bereich betreut und am Aufbau eines neuen Kammermusiksaals am Vierwaldstättersee arbeitet.

Sie selbst und ihr privates Umfeld sind vom Virus verschont geblieben, nur ihre beiden Söhne bekamen die Auswirkungen zu spüren: Der eine musste seine Studien an einer High School in Neuseeland abbrechen und zurückreisen, der andere hängt in Melbourne fest, wo gerade eine sechswöchige Ausgangssperre verhängt wurde.

Das alles kann Elke Hesses positive Grundstimmung nicht trüben: „Auch wenn in Bad Hersfeld manches schwierig war, so ist es für mich ein Sprungbrett gewesen. Das war ein Nährboden und hat mir nachher viele Türen geöffnet. Und wenn ich gelegentlich zurückkomme, dann merke ich, dass ich eine Handschrift hinterlassen habe.“

Von Karl Schönholtz

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