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Ukraine-Flüchtlinge leben in Gemeinschaftsunterkunft

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Von: Christine Zacharias

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Die Flüchtlingsunterkunft des Kreises an der Berliner Straße in Bad Hersfeld. Im Vordergrund soll noch ein Spielplatz entstehen.
Die Flüchtlingsunterkunft des Kreises an der Berliner Straße in Bad Hersfeld. Im Vordergrund soll noch ein Spielplatz entstehen. © Christine Zacharias

Nicht alle Flüchtlinge aus der Ukraine haben im Kreis eine Wohnung gefunden, viele finden in der zentralen Unterkunft in Bad Hersfeld eine kurzfristige Bleibe.

Bad Hersfeld – Fast ein halbes Jahr herrscht inzwischen Krieg in der Ukraine. Tausende Menschen, vor allem Frauen, Kinder und Senioren, sind vor den russischen Angriffen geflohen, viele auch nach Deutschland. 1700 von ihnen sind im Landkreis Hersfeld-Rotenburg aufgenommen worden.

Die meisten Ukrainer haben inzwischen eigene Wohnungen gefunden oder leben bei Freunden oder Verwandten. 86 Personen sind nach wie vor in der zentralen Unterkunft in der Berliner Straße in Bad Hersfeld untergebracht, sagt René Bieber, der Leiter des Fachbereichs Arbeit und Migration. Inzwischen kämen allerdings immer wieder Geflüchtete zurück, weil ihnen der Wohnraum nur befristet zur Verfügung gestellt worden war oder weil das Zusammenleben mit den Gastgebern über die lange Zeit schwierig geworden ist.

Eigentlich sei das Haus als eine Art Erstaufnahmeeinrichtung gedacht gewesen, ein Ort, an dem die Menschen nach ihrer Flucht ankommen und aufgenommen werden, um dann nach einigen Tagen in eine eigene Wohnung zu ziehen, erläutert Frank Hildebrandt, Leiter des Fachdienstes Migration/Asyl. Doch die Wohnungssuche gestaltet sich auf dem ohnehin schon sehr angespannten Wohnungsmarkt schwierig.

Mitarbeiter der Gemeinschaftsunterkunft erleichtern Flüchtlingen das Ankommen

Außerdem wollen viele der Geflüchteten gerne bleiben. Sie schätzen die Gemeinschaft mit anderen und dass mit Anna Peters, die die Einrichtung leitet, eine engagierte, russisch sprechende Kontaktperson vor Ort ist. Peters kümmert sich um Wohnungen, um Arzt- und Behördentermine, um Einschulungen und alles, was benötigt wird. Sie vermittelt Dolmetscher und und hat für alle jederzeit ein offenes Ohr.

„Anna ist wie Mutter Teresa“, sagt eine ältere Frau, die mit einigen anderen Ukrainern vor der Tür sitzt und glücklich die Hand ihrer Tochter hält. Die war in Gießen in der zentralen Unterkunft gelandet. Dass Mutter und Tochter nun in Bad Hersfeld zusammenleben können, ist für beide ein Glück inmitten des großen Unglücks, dass sie die Heimat verlassen und alles aufgeben mussten. Organisiert hat die Familienzusammenführung Anna Peters. Sie kam auch mitten in der Nacht zur Unterkunft, als die Tochter endlich in Bad Hersfeld angekommen war, um sie aufzunehmen.

„Frau Peters macht das hervorragend“, ist auch der Erste Kreisbeigeordnete Dirk Noll voll des Lobes. Sie habe vorher im Jugendamt gearbeitet und die neue Aufgabe freiwillig übernommen.

Nicht alle wollen Gutes: Flüchtlinge benötigen zuverlässige Kontaktpersonen

Wie wichtig eine Ansprechpartnerin oder ein Ansprechpartner ist, der sich mit den Geflüchteten auch verständigen kann, stellen die Mitarbeiter des Fachdienstes Migration immer wieder fest. Denn leider gebe es Menschen, die die Notlage anderer ausnutzen wollten, weiß Hildebrandt. Da würden dann Handyverträge für nicht funktionierende Netze angeboten oder Ukrainerinnen eingestellt, die sechs Tage die Woche jeweils neun Stunden arbeiten aber nur einen Vertrag und die Bezahlung für einen Minijob erhalten. Bei solchen Problemen können Anna Peters und ihre Kollegen helfen.

Wer über den Kreis in ein Arbeitsverhältnis vermittelt wird, könne sicher sein, dass darauf geachtet werde, dass ein angemessener Lohn bezahlt und alle Gesetze eingehalten werden, betont Bieber.

Ein Schwatz bei einer Tasse Kaffee im Freien: Viele der Geflüchteten aus der Ukraine schätzen die Gemeinschaft und die Unterstützung, die sie in der Unterkunft erhalten.
Ein Schwatz bei einer Tasse Kaffee im Freien: Viele der Geflüchteten aus der Ukraine schätzen die Gemeinschaft und die Unterstützung, die sie in der Unterkunft erhalten. © Christine Zacharias

Bald soll es richtige Toilettenanlagen geben: Ukrainer sind dankbar für jede Hilfe

Inzwischen wird in dem Gebäude bei laufendem Betrieb eifrig gebaut. Die Räume im Innenbereich werden zu Bädern und Toiletten umgebaut. Jede Familie soll dann eine eigene Nasszelle erhalten, die nur ihr zur Verfügung steht, erläutert Frank Hildebrandt. Die Dusch- und Toilettencontainer vor dem Haus sollen dann überflüssig werden.

Geplant ist zudem, das Außengelände teilweise neu zu gestalten. Mithilfe des Vereins „Jollydent“ soll ein Spielplatz gebaut werden und auch eine Grünfläche ist vorgesehen.

Für die Unterstützung, die die Geflüchteten in der Einrichtung erhalten, für das Begrüßungspaket, das eine Grundausstattung für Haushalt und Hygiene enthält, für Beratung und Vermittlung sind die Ukrainerinnen und Ukrainer jedenfalls sehr dankbar. Das betonen sie immer wieder. (Christine Zacharias)

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