Erinnerung darf nicht enden

Bad Hersfeld: Ausstellung „Sie sind hier zur Schule gegangen“ in Konrad-Duden-Schule eröffnet

Blumen zum Dank: Schulleiterin Susanne Hofmann und Dr. Heinrich Nuhn. 
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Blumen zum Dank: Schulleiterin Susanne Hofmann und Dr. Heinrich Nuhn. 

Die Dauerausstellung „Sie sind hier zur Schule gegangen“ wurde gestern in der Konrad-Duden-Schule in Bad Hersfeld eröffnet. 

Sie waren Kinder. Sie hatten Träume und viele Talente. Sie waren Nachbarn und Mitschüler. Und sie waren Juden. Einige überlebten, doch viele starben in den Vernichtungslagern der Nazis. Am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, dem 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, wurde gestern im Altbau der Konrad-Duden-Schule in Bad Hersfeld die Dauerausstellung „Sie sind hier zur Schule gegangen“ eröffnet.

Die Ausstellung erinnert an die jüdischen Schüler des einstigen Gymnasiums für Jungen und zeigt Informationstafeln der von Dr. Heinrich Nuhn konzipierten Ausstellung „Sie waren unsere Nachbarn – Hersfelds jüdische Familien“. Der 81-jährige Historiker stammt aus Niederaula und war selbst ehemaliger Klosterschüler. Jetzt wird sein Lebenswerk, die Erinnerung an die jüdischen Mitbürger Hersfelds, an seiner alten Schule gezeigt.

Zum Auftakt der Feierstunde in der Konrad-Duden-Schule erinnerten Schüler des Ethik-Kurses von Andrea Exner mit persönlichen Worten an die ehemaligen Schüler. Von der Begegnung mit einem der Überlebenden, Jacob „Jack“ Hahn aus den USA, berichtete Schulleiterin Susanne Hofmann. Sie hatte Hahn durch Zufall 1993 bei dessen Besuch an seiner ehemaligen Schule kennengelernt. „Das war eine Geschichtsstunde, die niemand je vergessen kann“, sagte Hofmann in ihrer Rede, die zugleich ein leidenschaftliches Plädoyer gegen das Vergessen war. „Erinnerung darf nicht enden, sie muss auch zukünftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen“, zitierte Hofmann Alt-Bundespräsident Roman Herzog.

Die Schulleiterin schlug einen Bogen von den damaligen jüdischen Schülern, die in den 1930er Jahren die Schule verlassen, emigrieren oder flüchten mussten, zu ihren heutigen Schülern – viele von ihnen mit Migrationshintergrund. „Manche von ihnen haben auch selbst schon Krieg erlebt“, sagte Hofmann.

Die Schüler fänden über die Schautafeln schnell eine Beziehung zu den früheren jüdischen Mitschülern, auch weil diese wie sie zum Teil in Häusern in der Nachbarschaft der Schule gelebt haben. Zugleich beklagte Hofmann, dass jüngsten Studien zufolge, ein Drittel der Europäer nichts über den Holocaust wüssten.

Das bedauerte auch Stadträtin Antje Fey-Spengler. „Das Problem heute ist die Gleichgültigkeit gegenüber Hass und Hetze“, sagte sie und mahnte, dass die Erinnerungen nicht ausradiert werden dürften, „auch wenn uns die Zeitzeugen nach und nach verlassen“.

Musikalisch gefühlvoll umrahmt wurde die Feierstunde von Anastasia Boksgorn, die auf der Geige John Williams Filmmusik von „Schindlers Liste“ spielte, und von Johannes Gunkel vom Fachbereich Musik der KDS.

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